Open-Source-Markt legt zu

So viel ERP pro Euro wie möglich

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Nicht schlecht: Weniger Kosten, einfachere Integrierbarkeit, mehr Unabhängigkeit, ein Trend zu verteilten IT-Strukturen und nicht zuletzt die zunehmende Professionalisierung. All das lässt alte Vorbehalte gegen Open-Source-Anwendungen schwinden.
Stephan Brock CEO, Life Biosystems: "Wir setzen sowohl Open-Source- als auch Lizenz-Software ein – das ist für uns keine Glaubensfrage."
Stephan Brock CEO, Life Biosystems: "Wir setzen sowohl Open-Source- als auch Lizenz-Software ein – das ist für uns keine Glaubensfrage."

Für die Life Biosystems AG mit Hauptsitz in Basel gehört IT zum Kerngeschäft: Das Biotech-Unternehmen forscht "in silico" – also mit informationstechnologischen Verfahren – nach neuen Krebsmedikamenten und -heilmethoden. In Zusammenarbeit mit Hochschulen, Krebsforschungszentren und Pharmaunternehmen wertet der Bioinformatikspezialist klinische Studien, Gendatenbanken und andere wissenschaftliche Quellen aus. "Für unsere Analysen führen wir oft Hunderte von Datenquellen zusammen. Das Thema Datenintegration ist deshalb für uns absolut unternehmenskritisch", sagt Stephan Brock, CEO von Life Biosystems.

Seit Anfang des Jahres bildet ein Open-Source-System das Rückgrat seiner Enterprise-IT. "Wir haben uns nach gründlicher Evaluation und umfangreichen Tests für die Integrationslösung von Talend entschieden, weil sie optimal auf unsere Bedürfnisse passt", sagt Brock. "Wir setzen sowohl Open-Source- als auch Lizenz-Software ein – das ist für uns keine Glaubensfrage."

Life Biosystems liegt im Trend: Open-Source-Software (OSS) ist auf dem besten Weg, sich einen festen Platz im Bereich von Business-Applikationen zu erobern. Analysten registrieren eine zunehmende Akzeptanz für die quelloffenen Systeme: "Open-Source-Anbieter gewinnen immer mehr Kunden. Dabei geht es nicht mehr nur um Betriebssysteme, sondern zunehmend auch um Middleware und Applikationen", sagt IDC-Analyst Michael Fauscette. Hätte man vor zwei, drei Jahren einen CEO oder CTO danach gefragt, hätte die Antwort gelautet, OSS komme für kritische Systeme unter keinen Umständen in Frage. "Heute hört man eher, dass sie gerade Open-Source-Policies formulieren oder sie sogar schon implementiert haben."

OSS einzusetzen ist nicht neu. Aber bisher war es vor allem die Technologie-Ecke der Unternehmen, in der sich das komplette Open-Source-Portfolio versammelte: Plattformen, zusammengefasst unter dem Begriff LAMP (Linux, Apache, MySQL und Pearl/ PHP), vielleicht noch ergänzt um die OS-Entwicklungs-Tools Eclipse und Jboss sowie OS-Nischenanwendungen.