Opec will ihr Gesicht waren

Strategiewechsel für höhere Ölpreise

01. Dezember 2016
Seit über zwei Jahren ist der Ölpreis im Keller. Was Autofahrer und Verbraucher freut, knabbert am Budget der Förder-Riesen. Das Kartell Opec will nun mit der ersten Produktionskürzung seit langem gegensteuern.
Einen Großteil der Ölförderkürzung wird Saudi-Arabien übernehmen.
Einen Großteil der Ölförderkürzung wird Saudi-Arabien übernehmen.
Foto: Ded Pixto - Fotolia.com

"Wir reagieren auf die Realität, wir schauen nicht zurück." Opec-Konferenzpräsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada ist am Mittwoch sichtlich bemüht, den Strategiewechsel des Öl-Kartells in ein besonders positives Licht zu tauchen.

Zwei Jahre lang hatten die Ölminister des 14er Clubs dem für sie desaströsen Verfall der Preise zugeschaut. Eine globale Schwemme des "schwarzen Goldes" und immer neue Förderrekorde hielten den Ölpreis - zur Freude von Autofahrern sowie Heizöl- und Industriekunden in den Abnehmerländern - auf niedrigem Niveau. Doch damit scheint es nun vorerst vorbei.

Mit einem Plus von zeitweise acht Prozent beim Ölpreis reagierten die Märkte am Mittwoch auf den Opec-Beschluss, die Fördermenge um 1,2 Millionen Barrel auf 32,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag zu senken. Es ist die erste Produktionssenkung seit acht Jahren. Besonders bemerkenswert: Der Iran darf als einziges Land mit Billigung des Erzrivalen Saudi-Arabien seine Ölmenge leicht ausweiten.

Der Schritt gilt zumindest als Lebenszeichen der ebenso mächtigen wie zerstrittenen Opec. Der Erwartungsdruck in Sachen Handlungsfähigkeit war groß. "Es ist ein kritischer Tag für die Opec", hatte der saudische Ölminister Khalid Al-Falih zum Auftakt den Druck auf die Runde noch einmal beschrieben. Das Kartell, das aktuell ein Drittel des Öls der Welt fördert, musste nach Ansicht vieler Marktbeobachter endlich einschreiten - und sei es nur, um sein Gesicht als wichtigstes Öl-Gremium zu wahren.

Für das Vorhaben versuchte die Opec, auch andere wichtige Förderländer und Nicht-Mitgliedstaaten wie Russland und Brasilien an Bord zu holen. Am Ende mit Erfolg: 600000 Barrel sollen die Nicht-Opec-Staaten aus dem Markt nehmen - und Russland hat laut Al-Sada schon einen Produktionsrückgang von 300000 Barrel zugesagt. Moskau leidet stark unter dem niedrigen Ölpreis und war zuvor an den intensiven Absprachen beteiligt.

Einen Großteil der Förderkürzung wird Saudi-Arabien übernehmen. 486 000 von den 1,2 Millionen Barrel sollen von den Saudis weniger gefördert werden. Das Umschwenken hat jedoch Indonesien aus dem Kreis der Opec-Kollegen gedrängt: Das Land kann sich eine Kürzung als Netto-Importeur von Öl nicht leisten. Als Folge wird seine Opec-Mitgliedschaft bis auf weiteres ausgesetzt. Alle Schritte sollen beim nächsten regulären Treffen im Mai 2017 überdacht werden.

Der Ölpreis hatte sich seit 2014 mehr als halbiert und lag vor dem Treffen bei etwa 47 Dollar pro Barrel. Neuer Zielwert sollen 55 Dollar pro Fass sein, hieß es aus den Delegationen.

Analysten sehen die Förderkürzung allerdings nicht als Allheilmittel. Die Wirkung der Einigung habe wohl nur einen vorübergehenden Charakter. "Die Fundamentaldaten sind stärker. Die Entscheidung ist mittelfristig nicht besonders relevant", meinte etwa Alexander Pögl vom Forschungsunternehmen JBC.

Im ersten Halbjahr erwarten die Experten von JBC eine Überproduktion von 1,8 Millionen Barrel. Die Opec rechnet im kommenden Jahr mit einem täglichen Öl-Weltbedarf von 95,6 Millionen Barrel.

JBC geht davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage erst 2019 wieder ausgleichen werden. Andere Beobachter und die Opec selbst sehen diesen Effekt früher eintreten. Zumindest für 2017 scheint sich damit ein Preis zwischen 40 und 55 US-Dollar für die Nordsee-Ölsorte Brent abzuzeichnen. 55 Dollar, so hieß es aus den Delegationskreisen, war eine Zielmarke der Verhandlungspartner.

Ob das erreicht wird, ist aber fraglich. Denn wegen der Konjunkturabkühlung in China und Indien ist laut der Internationalen Energieagentur IEA kaum mit einer anziehenden Nachfrage zu rechnen. (dpa/rs)

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