Streaming & Download vs. Filme leihen

Videotheken: Das Ende in Sicht

07. Januar 2016
Seit mehr als 40 Jahren steht Eckhard Baum in seinem Laden und verleiht Filme. Er betreibt die älteste Videothek Deutschlands. Doch deren Tage scheinen gezählt.

Wer die mit Filmplakaten beklebte Tür zum Video-Film-Shop in Kassel öffnet, beginnt eine kleine Zeitreise. Eine alte Theke im Vorraum, Karteikarten statt Computer. In den mannshohen, selbstgebauten Holzregalen stapelt sich ein Sammelsurium von Kinderfilmen auf DVD. Die Filme für das erwachsene Publikum sind in getrennten Räumlichkeiten untergebracht, so will es der Jugendschutz. Eine unbegrenzte Verfügbarkeit des Angebots wie bei den Streaming-Diensten gehört ebenfalls zur Videothek: Gummihänger zeigen an, wenn ein Film derzeit niht verfügbar ist.

Klappe zu: Die Zeit der VHS-Kassetten ist definitiv vorbei. Ereilt die Videothek bald das gleiche Schicksal?
Klappe zu: Die Zeit der VHS-Kassetten ist definitiv vorbei. Ereilt die Videothek bald das gleiche Schicksal?
Foto: yurchello - shutterstock.com

Zu Besuch im ältesten Filmtempel Deutschlands

Eckhard Baum betreibt nach eigenen Angaben die älteste Videothek der Welt - und die hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert. "Ich war der erste und will auch der letzte sein, zumindest in Kassel", sagt der 77-Jährige. Im Jahr 1998 bestätigte ihm das "Guinness-Buch der Rekorde", die älteste Videothek Deutschlands zu betreiben. Und als diese ist der Kasseler Video-Film-Shop auch beim Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) bekannt. Baum sagt: "Es ist sogar die älteste der Welt, denn in den USA hat die erste erst 1977 eröffnet."

Er selbst startete 1975 seinen Filmverleih, damals noch mit Super8-Filmen - ein bis in die 1980er-Jahre gängiges Format - unter dem Namen "Videotheke". "Ich war Filmfan, und Freunde liehen sich meine Filme oft aus. Also hab ich gedacht, warum kein Geschäft daraus machen." Mit VCR-Longplay, Video 2000, Beta Max und VHS sah Baum einige Systeme und Technologien kommen und wieder gehen - heute bietet er rund 13.000 verschiedene Filme an, die meisten davon auf DVD und Blu-Ray.

Raritäten aus der Videothek statt Film-Download

Stefanie Tiggemann aus Kassel kommt mit ihrem elfjährigen Sohn Tizian immer mal wieder vorbei, um Filme auszuleihen. "Wollen wir alte Filme ausleihen, kommen wir hier her. Die bekommt man ja sonst kaum noch. Für mich ist Streaming keine Alternative", sagt sie mit Blick auf die Möglichkeit, Filme über das Internet anzusehen. Baum betont: "Wir haben Raritäten, die es sonst nicht mehr gibt. Die neuen Filme haben alle, die alten haben nur wir."

Doch ihm ist bewusst, dass sein Laden einer aussterbenden Spezies angehört. "In fünf, sechs Jahren wird keiner mehr über Videotheken reden", sagt er. Schon heute ist sein Geschäft mehr Hobby und eine Art Treffpunkt für Filmliebhaber. Das, was der Verleih von DVD und Co. abwerfe, reiche gerade, um die Kosten zu decken. "Ich mache das, um nicht zu Hause rumzusitzen. Ich will mich mit Leuten, auch mit jungen, unterhalten."

Videotheken in Deutschland: Schwierige Lage

Nach IVD-Angaben gab es 2014 in Deutschland 1544 Videotheken. 2007 waren es noch mehr als doppelt so viele - rund 4200. "Die Zahl der Videotheken geht deutlich zurück, weil Filme illegal im Internet angesehen werden", sagt der Geschäftsführende Vorstand, Jörg Weinrich. Zudem würden Kunden, wenn eine Videothek schließe, auf Video-on-demand-Angebote im Internet oder Versand-Videotheken zurückgreifen. Dies führe zu weiteren Schließungen. Ebenfalls hart trifft Baum der Preiskampf unter den Videotheken. "Wenn man für 50 Cent Filme leihen kann, kann das nicht funktionieren."

Nach Angaben des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien (BVV) gingen die Umsätze beim DVD- und Blu-ray-Verleih von 2013 auf 2014 von 211 Millionen Euro auf 188 Millionen Euro zurück. Den Angaben zufolge wurden 2014 nur noch 58 Prozent der Mietumsätze in herkömmlichen Videotheken erwirtschaftet - den Rest verdient die Branche über digitale Angebote und Internet-Videotheken mit Postversand von Filmen. Ein Jahr zuvor hatte der Umsatzanteil, der auf herkömmliche Videotheken entfiel, noch bei knapp zwei Dritteln (64 Prozent) gelegen.

Video-On-Demand & Streaming sind nicht aufzuhalten

Winfried Heinemann kommt bereits seit Anfang der 80er Jahre in den Video-Film-Shop. "Wenn er hier schließen würde, muss ich halt länger warten auf das Fernsehen", sagt der 57-Jährige. Auch er komme oft in den Laden, um zu reden, sagt er. Die Suche nach einem Nachfolger hat Video-Veteran Baum inzwischen aufgegeben. "In Kassel hatten wir mal 75 Videotheken, jetzt sind es vielleicht noch fünf. Da traut sich keiner ran", sagt Baum. So steht er an sechs Tagen pro Woche rund sieben Stunden am Tresen. Wie lange das noch geht, weiß er nicht. Nur, dass er in Kassel der letzte sein möchte. (dpa/rs/fm)

Kommentare zum Artikel

CAD-Robert

Zum "Sterben der Videotheken": in Gegenden mit "schnellem Internet" könnten man streamen. Man muss sich halt im Klaren sein:
Die NSA + ihre domestizierten Partner wollen erklärter maßen 2 Dinge wissen:
1.) Welche Bücher lesen die Leute? (dann weiß man, was sie denken werden!)
2.) Welche Filme sehen sich die Leute an? (Aus gleichem Grund!)

Mit jedem gekauften/geliehenem/gesehenen Buch/Video erhält der Leser/Seher seine "Punkte" ("Scores") auf eine Art "Payback"-Konto bei den Geheimdiensten hin zu addiert. Darin gibt es Punkte für "Politische Einstellung", "Soziales Umfeld", "Sexualverhalten", "Neigung zu Perversion" etc.etc. indirekt durch Katzenflme über blutige Horrorfilme bis zu den perversesten Pornos!

Das ganze ist bekannt unter dem Namen "Scoring". Die leistungsfähigen Datenbanken und -cluster liefert die US-Software- Industrie mit Begeisterung, da es "fette" Staatsaufträge sind: gute Bezahlung und keine unnötigen Fragen stellen! Das hatte Eduard Snowden klar und deutlich erklärt und es gibt keine Zweifel daran, dass dies nicht so zutreffen sollte. (Darum will ihn Obama!!)

Was macht man mit dieser Info? Die einfachste Erklärung ist Alltag im Geheimdienst- business: "Erpressung" und "Gefügig machen".

Beispiel: Im Englischen Parlament wurde auf Anfrage der Opposition in einem Jahr über 30.000 Pornos gestreamt. Offiziell auf "Amts-PCs". Kommt es nun zu einer "heiklen Abstimmung", so kann man den einen oder anderen "gefügig machen", in dem man auf "das gemeinsame, kleine Geheimnis" verweist und versichert, dass bei "gefälliger Abstimmung" auch die geliebte Familie und der so
"notwendige Wahlkreis" nix erfährt!

Beispiel: Schlagen Sie mal einen saudischen Politiker/Manager vor, dass seine homosexuelle Neigung veröffentlicht wird: der geht vor Ihnen auf die Knie, bettelt um sein Leben und verspricht ihnen ALLES!

Und schon kann man ein Gesetz / Projekt / Entscheidung beeinflussen! Erich Milke`s "StaSi" war gegen das was "unsere Freunde" täglich machen, eine ganz kleine Nummer!

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