Recruiting in Niedersachsen

Wie sich IT-Unternehmen bei Fachkräften helfen

16. Januar 2014
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
In Norddeutschland unterstützen sich Institutionen und Firmen gegenseitig, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen - dafür haben sie die Initiative "ikn2020 - das digitale Niedersachsen" gegründet.

David Sossna, Leiter der ikn2020-Geschäftsstelle in Osnabrück, merkt an: "Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und übergreifenden Netzwerken - das ist für uns der Weg zu einem IT-Arbeitsmarkt, von dem alle Seiten profitieren können." Ein weiteres Erfolgsmodell sieht Sossna in attraktiven Studiengängen an den Hochschulen. "Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik und Geoinformatik wecken Interesse und betonen die Anwendungsmöglichkeiten von IT-Know-how."

Jobs im Talentkreisel

Gerhard Schleef-Stegmann, Geschäftsführer und Personalverantwortlicher im IT-Beratungsunternehmen GMH Systems, hat schon einige Recruiting-Methoden ausprobiert. Dabei rückt das klassische Instrument der Online-Stellenanzeige immer mehr in den Hintergrund. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter eher in der Region bleiben, wenn sie dazu einen Bezug haben. Ich gehe dazu über, lokale NetzwerkeNetzwerke zu nutzen." Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Eines dieser Tools ist der von den Berliner Personalexperten Younect entwickelte Talentkreisel für die ikn2020. Dahinter verbirgt sich ein geschlossener Talent-Pool, in den Bewerber eingeladen und an andere IT-Unternehmen der Region weiterempfohlen werden.

David Sossna, ikn2020: "Von der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen profitieren alle Seiten."
David Sossna, ikn2020: "Von der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen profitieren alle Seiten."
Foto: Privat

Der Personalverantwortliche eines im Talentkreisel angemeldeten IT-Unternehmens schreibt eine Stelle aus, führt Vorstellungsgespräche und entscheidet sich schließlich für einen Kandidaten. Die zweit- und drittplatzierten Bewerber lädt er via Empfehlung in den Talentkreisel ein. Hier haben diese Bewerber die Möglichkeit, sich mit einem selbsterstellten Profil allen teilnehmenden IT-Unternehmen vorzustellen. Der Grundgedanke dabei: Was für den einen nicht ganz, ist für den anderen vielleicht genau das richtige. Durch den Talentkreisel können IT-Unternehmen Recruiting-Kosten sparen, da sie bereits "geprüfte" Fachkräfte schneller aufspüren. Talentpool-Betreiber und Younect-Geschäftsführer Martin Gaedt gibt zu bedenken: "Wenn Fachkräfte fehlen, darf es sich keiner leisten, qualifizierte Kandidaten mit einer Absage fortzuschicken." Das Potenzial der Zweit- und Drittplatzierten trage zur Fachkräftesicherung bei. Auch Bildungseinrichtungen können IT-Hochschulabsolventen in den Talentkreisel einladen. Damit lassen sich Fachkräfte frühzeitig in die regionale Wirtschaft einbinden.

Martin Gaedt, Younect: "Keiner kann es sich leisten, qualifiziertes Personal abzulehnen."
Martin Gaedt, Younect: "Keiner kann es sich leisten, qualifiziertes Personal abzulehnen."
Foto: Younect

So war es auch bei Mathias Boehm, ehemaliger Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Osnabrück. Ein Kollege von der Universität lud Boehm in den Talentkreisel ein: "Ich suchte eine berufliche Perspektive in der Region, weil auch meine Frau hier arbeitet." Boehm war durch seine universitäre Erfahrung weder Berufsanfänger noch vertraut mit der Arbeit in einem Wirtschaftsunternehmen - eine Ausgangsposition, mit der er auf klassischem Weg keinen Job fand. "Die Position, die ich suchte, war nicht ausgeschrieben, ich musste sie mir schaffen", erinnert er sich. "Im Talentkreisel konnte ich meinen Berufswunsch genau beschreiben, konnte also gefunden werden. Wenige Monate später liefen dann die ersten Gespräche, und jetzt kann ich ein kleines Team im IT-Beratungshaus GMH Systems zu meinem Wunschteam aufbauen."

Keine Konkurrenzangst

Trägt das Prinzip Empfehlung innerhalb einer Branche und Region? Arbeitgeber fragen sich, warum sie ihren Mitbewerbern gute Leute an die Hand geben sollten. GMH Systems Chef Schleef-Stegmann ist entspannt: "Das im Talentkreisel gelebte Konzept der Weiterempfehlung finde ich gut. Zumeist stehen die IT-Unternehmen lokal nicht im direkten Wettbewerb." In der Region Osnabrück gebe es kein weiteres großes IT-Beratungshaus, das auf die Metallindustrie spezialisiert sei. Alle bräuchten IT-Profis, aber eben nicht alle die gleichen. Gaedt fordert: "Weiterempfehlen statt absagen sollte in Zukunft zum guten Ton gehören."