Die Pläne der Post

Kein De-Mail-Zertifikat für E-Postbrief

22.03.2012, von

Exklusiv-Interview: Wie es mit dem Postbrief weiter geht, was die Pläne der Post sind. CIO.de sprach mit den Verantwortlichen Oliver Zeiler und Harald Lemke.

CIO.de sprach über den E-Postbrief mit Harald Lemke, Sonderbeauftragter für E-Government und E-Justice, und Oliver Zeiler, Mitglied des Bereichsvorstands Brief, Product Development E-Postbrief, beide bei der Deutschen Post. Um Entwickler anzulocken, will die Post eine neue bis zu 150 Mitarbeiter große Entwicklungsabteilung in Berlin schaffen.

CIO: Wie zufrieden sind Sie mit dem E-Postbrief, Herr Zeiler?

Oliver Zeiler kam im November 2011 von Immobilien Scout zur Post. Er soll als CTO den E-Postbrief noch kundenfreundlicher machen.Vergrößern
Oliver Zeiler kam im November 2011 von Immobilien Scout zur Post. Er soll als CTO den E-Postbrief noch kundenfreundlicher machen.
Foto: Deutsche Post

Oliver Zeiler: Ich komme ja frisch aus einem anderen Bereich, dem Internetbereich. 2011 wurde die Plattform sehr gut stabilisiert. Wir haben mehr Struktur hineingebracht, und auch die Entwicklungsprozesse haben mittlerweile eine hohe Qualität.

Ich komme aus der IT-Welt und werde versuchen, hier noch zusätzliche Impulse hineinzubringen. Aus IT-Sicht läuft es gut. Aus der Produktsicht bin ich der Meinung, dass wir in den vergangenen anderthalb Jahren sehr viel Markterfahrung gesammelt haben. Wir wissen sehr genau, was die Kunden wollen, und sind auf einem sehr guten Weg, diese Anforderungen umzusetzen.

CIO.de: Können Sie Zahlen nennen, wie viele Nutzer gibt es?

Zeiler: Es gibt mehr als eine Million Privatkunden, mehr als 100 große Kunden und 4000 Mittelständler, die sich bei uns registriert haben.

CIO.de: Sind Sie damit zufrieden?

Zeiler: Ich persönlich bin nie zufrieden, weil ich glaube, dass deutlich mehr geht. Wir wollen noch deutlich mehr große Kunden gewinnen und den Mehrwert des E-Postbriefs heben. Dafür braucht man die Integration in die Geschäftsprozesse der Kunden. Das dauert seine Zeit. Dem Kunden ein Massenkommunikations-Gateway hinzustellen, das ist eine Sache von wenigen Stunden. Schwieriger und viel interessanter für den Kunden ist aber die Integration in seine Geschäftsprozesse, damit er den Mehrwert tatsächlich spürt. Wir haben gesehen, dass das Monate dauern kann. Wir haben noch viele große Pläne, die wir umsetzen wollen.

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Kommentieren: Kommentieren
Tillmann - 29.03.2012 13:08
Ich sehe noch nicht den Vorteil. Im B2B-Bereich mag es Anwendungsszenarien geben, aber sonst? Gibt es End-zu-End-Verschlüsselung? Wenn ich klassisch einen Brief schreibe, ihn kuvertiere, unterliegt er dem Briefgeheimnis. Wenn die Daten aber erst bei einem Dritten (sei es die Post oder der BND) kuvertiert werden, hätte ich erhebliche Zweifel. Auch will ich nicht, dass meine Krankendaten wie im Interview erwähnt an Dritte überstellt werden. Nicht umsonst werden E-Mails von Banken, Versicherern und Krankenkassen nicht als sicher angesehen. Sicher mag es Anwendungsfälle von E-Mail-zu-Brief-Dienstleistungen geben - aber wird hier nicht einfach das gute alte Telegramm oder das Fax als Innovation verkauft? Beim guten alten Brief sehe ich die Dienstleistung und zahle (gerne) meine Portokosten - beim Postbrief sehe ich das nicht. Eine E-Mail und ein Fax kann man in Zeiten von Flatrates zum Nulltarif haben, sie schon heute verschlüsseln (ohne Dritte dazwischen zu haben) und dann gibt es ja noch den Brief. Und mal ehrlich: welcher Anbieter verschickt heute noch Rechnungen per Post? Egal ob Banken, Versicherungen oder Telekommunikationsanbieter - überall kostet die Briefform extra. Und ich finde es ganz gut, dass man noch Kontrolle hat, wie man bezahlt und sich über den E-Postbrief nicht die nächste Sicherheitslücke einfängt. Von Nachverfolgbarkeit und Datenmißbrauch will ich gar nicht anfangen...
mhwse - 27.03.2012 13:32
Die Frage bleibt, warum nicht bestehende e-mail Security wie SSL in neue Lösungen einfach integriert wird? (Die Idee eine Rechnung gleich elektronisch anzuweisen ist an sich gut.) Warum wird hier versucht ein runderes "deutsches" Rad neu zu erfinden? (Ich erlaube mir auch zu erwähnen, dass es Rechnungen an Privatpersonen nur in D gibt .. in USA wird dafür simpel und einfach die Kreditkarte verwendet - die Transaktion ist versichert und bei monatlichem Ausgleich ist dies zinsfrei. - Und sicher ist der e-Postbrief, als Grosseinladung für Hacker nicht, da wie bekannt vor Ort erst entschlüsselt und dann intern weiterverarbeitet wird. DESHALB kein de-mail Zertifikat!) Aber wir wollen ja die Welt retten .. mal schauen ob uns jemand hört.
Jürgen Heinze - 23.03.2012 16:43
In meinen vorherigen Kommentaren habe ich schon die fehlende globale Anwendung als Kernproblem genannt. Keiner meiner Kunden fast dieses Thema an, solange es global in die Sackgasse führt. Der Richtschwenk zum offenen System hebt den ePostbrief global betrachtet vom Rohrkrepierer zum Hoffungsträger. Wir drücken die Daumen, dass die eigenwirtschaftlichen Interessen der Verhandlungsführer nicht wie bei so manch anderem Provider mit offenen Vorsätzen einen Strich durch die Rechnung machen und zu Dauerfrust führen.
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