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11 psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Erwerbsminderungsrenten. Elf Krankheitsauslöser identifiziert die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Wissenschaftler nennen aber auch vier Faktoren einer guten Arbeitskultur.
Die Krankenkassen fordern, dass sich Unternehmen mehr um die psychische Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter kümmern.
Die Krankenkassen fordern, dass sich Unternehmen mehr um die psychische Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter kümmern.
Foto: Tigger11th - shutterstock.com

"Initiative Gesundheit und Arbeit" nennt sich eine Kooperation der Betriebskrankenkassen (BKK), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen (VDEK). Sie legen gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Studie über krankmachende psychische Belastungen am Arbeitsplatz vor. Studienleiterin ist die Psychologie-Professorin Renate Rau.

Laut Rau melden sich zwar die meisten Menschen wegen Rückenleiden krank. Doch psychische Belastungen haben sich mittlerweile zum häufigsten Grund für Erwerbsminderungsrenten entwickelt.

11 psychische Belastungen

Das Team um die Psychologin identifiziert elf Belastungen, die Arbeitnehmer krankmachen können. Allerdings handelt es sich dabei um neun einzelne Faktoren und zwei Kombinationen daraus. Die Wissenschaftler nennen

  • hohe Arbeitsintensität

  • geringen Handlungsspielraum

  • geringe soziale Unterstützung

  • Ungleichgewicht zwischen erlebter beruflich geforderter Leistung und dafür erhaltener Belohnung oder Wertschätzung

  • Überstunden

  • Schichtarbeit (vor allem Abend- und Nachtschichten)

  • aggressives Verhalten am Arbeitsplatz

  • Arbeitsplatzunsicherheit sowie

  • die Kombination von geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität und

  • die Kombination von geringem Handlungsspielraum, hoher Arbeitsintensität und geringer sozialer Unterstützung.

Rau betont, dass solche Faktoren nicht zwangsläufig bei jedem Arbeitnehmer zu einer Erkrankung führen. Sie bergen aber nachweisbar Risiken. Franz Knieps vom BKK-Dachverband will die Studie zur Konzipierung künftiger Projekte rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement verwenden.

Nachdem in den Unternehmen bereits einiges für die physische Gesundheit der Mitarbeiter getan wird - etwa rückenfreundliche Möbel oder Fitness-Angebote - könnten sich Entscheider nun um die psychische Gesundheit kümmern.

Dazu Studienleiterin Rau: "Die Liste kann als Empfehlung genutzt werden, welche Arbeitsbelastungen auf jeden Fall in Gefährdungsbeurteilungen analysiert werden sollten, um das Arbeitsschutzgesetz einhalten zu können."

Merkmale guter Arbeitsbedingungen

Dabei können Belastungen Arbeitnehmer auch anspornen, sagt Rau - wenn die Arbeitskultur stimmt. Sie nennt vier Merkmale guter Bedingungen:

  • Vorhersehbarkeit: Der Mitarbeiter verfügt über Informationen zu Planung und Steuerung seiner eigenen Handlungen. Salopp gesagt: Er weiß, wo und wann er was tun kann.

  • Durchschaubarkeit: Der Mitarbeiter kann die Folgen seiner Handlungen absehen.

  • Beeinflussbarkeit: In der Frage, wie die Arbeit auszuführen ist, hat der Mitarbeiter Handlungs- und Entscheidungsspielräume.

  • Rückmeldung: der Mitarbeiter bekommt Feedback zu seiner Tätigkeit und deren Ergebnissen. Damit kann er seine Handlungen steuern und gegebenenfalls korrigieren.

Rau spricht von "gut gestalteter Arbeit, die motiviert, Leistung steigert und gesund erhält". In solchen Unternehmen arbeiten die Kollegen nicht nur effizienter, sie sind auch motivierter und lernbereiter.

Ständige Erreichbarkeit und Schlafstörungen

Die Psychologin sieht Überstunden oder auch ständige Erreichbarkeit kritisch. Mitarbeiter würden unter schlechten Arbeitsbedingungen nicht sofort krank. Oft könnten sie sich zunächst einmal nicht mehr richtig erholen oder litten unter Schlafstörungen. Solche Symptome lassen sich mit standardisierten und normierten Verfahren messen, sagt Rau.