Karriere jenseits von Führung und Administration

Auch Fachwissen qualifiziert für Jobs im Management

29. Juni 2016
Judith Klingler ist freie Journalistin in Tübingen.
Karriere gilt in den meisten Unternehmen als Synonym für Personalverantwortung. Nur wer als Führungskraft möglichst viele Mitarbeiter leitet, hat seinen Weg gemacht. Nicht so im IT-Beratungshaus BTC. Dort können Experten in Fach- und Projektlaufbahnen ebenso die Karriereleiter erklimmen und sind den administrativen Managern gleichgestellt.

Eine erfolgreiche KarriereKarriere ist in unserer Gesellschaft meist mit Status verbunden. Geschafft hat es, wer Dienstwagen, ein geräumiges Büro in den oberen Etagen und vor allem ein möglichst großes Team vorweisen kann. Doch was ist mit hochqualifizierten Experten, die rein fachlich oder methodisch arbeiten und keine Mitarbeiter führen wollen - oder können? Oft bleiben ihnen Karrieren, wie sie Führungskräfte durchlaufen, und die damit verbundenen Anerkennungen verwehrt. Anders bei der Oldenburger BTC AG: Seit rund zwei Jahren gibt es dort der Führungskarriere gleichgestellte Fach- und Projektlaufbahnen. Alles zu Karriere auf CIO.de

Es ist wichtig, auch für absolute Fachexperten Karrierewege jenseits von Personalführung und Organisation aufzuzeigen.
Es ist wichtig, auch für absolute Fachexperten Karrierewege jenseits von Personalführung und Organisation aufzuzeigen.
Foto: Jirsak - shutterstock.com

Wie in vielen Unternehmen war es bis vor fünf Jahren auch beim IT-Beratungshaus BTC so, dass der Königsweg zu mehr Verantwortung und Anerkennung nur über die Führung von Mitarbeitern beschritten werden konnte. Als sich das Unternehmen dann für einen "Ausrichtungswandel" und damit eine Spezialisierung auf weniger Märkte entschied, war es der Anspruch des Managements, darin besonders gut zu sein. "Das hieß in der Konsequenz, dass wir dafür die besten Fachexperten brauchen, die uns inhaltlich immer voranbringen können", erläutert Dirk Thole, Personal-Vorstand bei BTC.

Für den Erfolg seien Manager, die Menschen führen und weiterentwickeln, genauso wichtig wie die inhaltlichen Spezialisten, die ihre Märkte, Produkte und Technologien bestens kennen. Für diese Kollegen sei daher die Projekt- und Fachkarriere eingeführt worden, und man habe sie den Führungskräften auf der dritten und vierten Hierarchieebene gleichgestellt. Das neue Karrieremodell definiert laut Thole systematisch und transparent Funktionen und Entwicklungspfade. Daran könnten sich Mitarbeiter für ihr persönliches Fortkommen und die HR-Abteilungen bei der Personalentwicklung gleichermaßen orientieren.

Umdenken bei Führungskräften

Interessanterweise eröffnet das Laufbahnmodell nicht nur Spezialisten, die neu zum Unternehmen stoßen, eine attraktive Karrierealternative. Auch intern führt es bei etablierten Führungskräften zum Umdenken. Auch nach vielen Jahren in dieser Leitungsposition, die vor allem administrative Aufgaben bereithält, können Teamleiter und Senior Manager noch in die Projekt- oder Fachkarriere wechseln. Ein Grund für den Wechsel: Sie haben die Möglichkeit, wieder verstärkt inhaltlich zu arbeiten und ihre Markt-, Themen- und Technologiekenntnisse in die Waagschale zu werfen.

Rückkehr von der Administration zum Fachwissen

Eine der "Wechslerinnen" ist Gabriele Schumacher. Vor acht Jahren erklomm die studierte Wirtschaftsinformatikerin als Teamleiterin bei BTC die erste Stufe der klassischen Führungskarriere. Nach vier Jahren stieg sie zur Bereichsleiterin auf. Statt 15 Mitarbeitern führte sie nun vier Teams mit insgesamt rund 50 Mitarbeitern. "War ich als Teamleiterin noch recht nah an den inhaltlichen Themen dran, verschob sich der Aufgabenfokus auf Bereichsleiterebene immer mehr in Richtung Verwaltung und Personalführung.

Am Schluss war das ein Fulltime-Job", beschreibt Schumacher ihren früheren Arbeitsalltag. Irgendwann merkte sie, dass sich bei ihr eine gewisse Unzufriedenheit entwickelte. Immer mehr vermisste sie das inhaltliche Arbeiten. Die Möglichkeit, in die Fachkarriere und damit die Perspektive zu wechseln, sei für sie deshalb zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Zusätzlich, so Schumacher, habe ihr der Rollentausch die Chance geboten, sich in einem neuen Umfeld weiterzuentwickeln.