Cloud Computing


Technologie wächst schneller als Nutzung

Cloud Computing braucht noch Zeit

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Cloud Computing ist in Unternehmen nicht so verbreitet, wie manche Studien es suggerieren. Ein bisschen Zeit zur Reife erscheint noch nötig. Richtig ist aber: Wer einmal eingestiegen ist, nutzt immer mehr Cloud-Services.
James Staten, Cloud-Experte von Forrester Research: "Firmen bewegen sich viel langsamer, als wir uns wünschen."
James Staten, Cloud-Experte von Forrester Research: "Firmen bewegen sich viel langsamer, als wir uns wünschen."
Foto: Forrester

Die Zukunft der IT liegt in der Wolke. Das erscheint mittlerweile geradezu als Fakt. Cloud Computing-Skeptiker scheinen in der veröffentlichten Wahrnehmung verstummt zu sein. Aber ist es wirklich so, wie es fast unwidersprochen den Anschein hat? Ist der Abflug in die Cloud für die Unternehmens-IT unausweichlich? Unsere amerikanische Schwesterpublikation Network World hat diese Frage beleuchtet.

Zum aktuellen Durchbruch des Cloud Computings in den Firmen bemerkt Autor Brandon Butler: „Nun, das hängst davon ab, wen man fragt.“ Butler stützt seine Einschätzung insbesondere auf zwei aktuelle Studien, deren Ergebnisse sich offenkundig widersprechen.

Die eine Studie stammt von RightScale, einem Vermittler zwischen End Usern und Public Cloud-Anbietern. Das Kernergebnis dieser Umfrage: 75 Prozent der Firmen nutzten mittlerweile Cloud-Services, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß. „Wir bekommen allmählich einen Blick auf die Cloud, wie sie den Kinderschuhen entwächst und zum jungen Erwachsenen wird“, interpretiert Michael Crandell, CEO von RightScale.

Der Widerspruch kommt laut Network World von Forrester Research. James Staten, Cloud-Guru des Analystenhauses, erscheinen die von RightScale festgestellten drei Viertel als allzu hohe Quote der Cloud-Nutzung. Das umso mehr, weil eine Studie von Forrester ein anderes Bild zeigt. Demnach sind 70 Prozent der Software-Entwickler beruflich bisher überhaupt nicht mit der Cloud in Berührung gekommen.

„Der Teufel steckt wieder einmal im Detail“, schreibt Butler zur Frage, wie sich diese Diskrepanz erklären lässt. Das bedeutet zunächst einmal, dass bei Studien auf die Zusammensetzung der Befragten-Gruppe zu achten ist. Die RightScale-Studie basiert laut Network World auf einer Befragung von 600 IT-Profis, was zunächst als recht eindrucksvolle Größe erscheint.

Allerdings handle es sich um Personen, die alle zuvor mit RightScale in Kontakt gekommen waren, so Butler. Nicht unbedingt nur als Kunden – das sind laut Studie lediglich 30 Prozent der Befragten. Aber zumindest haben sie sich auf der Firmen-Website registriert oder auf einer Messe ihre Kontaktdaten beim Anbieter hinterlassen. Entsprechend gibt Kim Weins, Marketing-Managerin bei RightScale, zu, dass die Befragten eine gewisse Affinität zum Cloud ComputingCloud Computing hätten. Forrester befragte demgegenüber einen unvoreingenommenen Entwickler-Querschnitt. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de