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Vergleich

Deutschland besser auf Industrie 4.0 vorbereitet als USA

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Deutsche Unternehmen zeigen bei Industrie 4.0 mehr Ehrgeiz als US-Firmen, beobachtet die Boston Consulting Group. Doch beide leiden unter Fachkräftemangel.
Beim Wettlauf Deutschland gegen USA um Industrie 4.0 hält die Boston Consulting Group Deutschland für besser vorbereitet.
Beim Wettlauf Deutschland gegen USA um Industrie 4.0 hält die Boston Consulting Group Deutschland für besser vorbereitet.
Foto: Boston Consulting Group (BCG)

Auf den Wettlauf zwischen Deutschland und den USA bei der DigitalisierungDigitalisierung konzentriert sich die Studie "Time to Accelerate in the Race Toward Industry 4.0" von der Boston Consulting Group (BCG). Dem Klischee der German Angst reden die Analysten nicht das Wort. Im Gegenteil: Deutsche Entscheider zeigten sich ambitionierter als ihre Kollegen aus Übersee. Die Studie basiert auf Angaben von jeweils mehr als 300 Unternehmen aus den beiden Ländern. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Aufklärungsarbeit scheint nun nicht mehr nötig. Die Befragten nennen als Vorteile von Industrie 4.0Industrie 4.0 Produktivitätssteigerungen bei gleichzeitiger Kostensenkung (75 Prozent der Deutschen, 66 Prozent der US-Amerikaner). Außerdem versprechen sie sich Umsatzwachstum (Deutschland: 48 Prozent, US: 43 Prozent). Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Mehr Konzepte für Industrie 4.0

Die Unterschiede zwischen den Ländern zeigen sich bei der Vorbereitung. Immerhin knapp jede zweite deutsche Firma (47 Prozent) kann bereits ein erstes umfassendes Industrie 4.0-Konzept vorlegen. Unter den US-Firmen sind es mit 29 Prozent sichtbar weniger. Folglich halten denn auch nur 18 Prozent der Deutschen ihr Unternehmen für unvorbereitet. Im Gegensatz zu 41 Prozent der US-Befragten.

Deutsche Unternehmen und US-Firmen gehen nicht in allen Fragen gleich vor.
Deutsche Unternehmen und US-Firmen gehen nicht in allen Fragen gleich vor.
Foto: Boston Consulting Group (BCG)

Die bisherige Umsetzung von Industrie 4.0 zeigt sich in Deutschland vor allem in den Feldern Lieferkette und Logistik sowie Predictive Maintenance. In den USA drehen sich die Projekte vorrangig um Performance Management, das mobil und in realtime ablaufen soll, sowie ebenfalls Predictive Maintenance.

Die Analysten liefern auch eine Interpretation dieser Ergebnisse. Sie führen die Aktivitäten der deutschen Unternehmen zum einen auf die hohen Lohnkosten und einen vergleichsweise unflexiblen Arbeitsmarkt zurück. Dies zwinge Unternehmen zum Handeln. Zum anderen erkennt BCG Deutschlands sehr gute Kenntnisse im Einsatz von Robotics an. Die Bundesrepublik gehöre in diesem Punkt zu den führenden Standorten.

Doch unabhängig vom Firmensitz kämpfen Entscheider in beiden Ländern vor allem mit dem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Es fehlen Experten in Daten-Management, Datenschutz und -Sicherheit, Software-Entwicklung, Programmierung, Big Data und Analytics sowie vielen weiteren Bereichen.

Qualifizierungen, Umschulungen und Neueinstellungen

Die Problemlösung sieht in Deutschland aber anders aus als in den USA. So wollen deutsche Entscheider in erster Linie ihre bestehenden Belegschaft weiterqualifizieren (64 Prozent). Von Neueinstellungen sprechen nur 20 Prozent, von Umschulungen 15. Die befragten US-Unternehmen setzen stärker als ihre deutschen Kollegen auf Umschulungen und Neueinstellungen. Die Analysten bezeichnen das deutsche Vorgehen als "weniger aggressiv" und führen es wiederum auf die Regularien des Arbeitsmarktes hierzulande zurück.

Allen Befragten ist bewusst, dass ihnen Industrie 4.0 Investitionen abverlangt. Sie beziffern diese auf etwa sieben bis neun Prozent vom Firmenumsatz.

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