Pannen mit SAP, Oracle, HP-EDS

Die größten ERP-Pleiten 2010

27. Januar 2011
Von Nicolas Zeitler und Chris Kanaracus
Explodierende Kosten, ausufernde Zeitpläne, fehlende Funktionen: Bei ERP-Projekten ging dieses Jahr einiges schief. Wir dokumentieren krasse Beispielfälle.

Kein Jahr in der IT vergeht, ohne dass schwergewichtige ERP-Projekte gegen die Wand fahren - ProjekteProjekte, die haufenweise Geld verbrennen, den Betrieb lähmen, schlechte Presse nach sich ziehen und Karrieren beenden. Dass sich das in Bälde ändern wird, ist nicht abzusehen. "Es gibt kein Allheilmittel", sagt Michael Kringsman, Geschäftsführer beim amerikanischen Beratungshaus Asuret. "Ein Allheilmittel wäre allenfalls, das Wesen der Menschheit zu ändern, uns weise und allwissend zu machen." Alles zu Projekte auf CIO.de

Falsche Anforderungen, fehlende Funktionen: Mit ERP-Projekten versenkten Unternehmen im Jahr 2010 viel Geld.
Falsche Anforderungen, fehlende Funktionen: Mit ERP-Projekten versenkten Unternehmen im Jahr 2010 viel Geld.
Foto: getty images digital Version

Kringsman bemüht das Bild eines "teuflischen Dreiecks", um die Dynamik in IT-Projekten zu beschreiben. Es gibt für ihn nicht den einen Grund, warum Projekte aus der Spur laufen. Ähnlich einem dreibeinigen Stuhl klappen große Vorhaben nur, wenn alle Beteiligten ihre Hausaufgaben machen. Der Kunde muss solide planen, genug Geld für Schulungen veranschlagen und seine Arbeitsweise anpassen. Der Anbieter muss funktionsfähige Software liefern, die sich in die Geschäftsprozesse des Kunden einfügt. Und die für die Implementierung zuständigen Mitarbeiter dürfen keine falschen Erwartungen schüren und müssen die in dem Projekt gesetzten Meilensteine erreichen.

Betrug bei neuem Lohnabrechnungssystem

Ein besonders krasses Beispiel für ein aus dem Ruder gelaufenes ERP-Projekt wurde erst vor wenigen Wochen aus New York City bekannt. Unter dem Titel "City Time" sollte die Lohnabrechnung modernisiert werden. Ursprünglich auf 60 Millionen US-Dollar angelegt, verschlang das Vorhaben mittlerweile zusätzlich weitere 700 Millionen, wie die New York Daily News berichten. Bürgermeister Michael Bloomberg spricht angesichts des schon 1998 angelaufenen Projekts von einer "Katastrophe".

Mitte Dezember erhoben die Behörden Anklage gegen eine Reihe Projektmitarbeiter, die als Rädelsführer in einem Betrugssystem gelten, das allein um die 80 Millionen an Steuergeld kostete. Bilanzprüfer John Liu suspendierte Joel Bondy, den Leiter der städtischen Lohnbuchhaltung, und fror bis auf weiteres alle Zahlungen an das Beratungsunternehmen Spherion ein. Bürgermeister Bloomberg gab in einem Radiointerview zu, man habe die Komplexität des Vorhabens unterschätzt. Gleichzeitig betonte er, die Stadt brauche das neue System nach wie vor dringend. Einmal im Einsatz, spare es viel Geld. Bis Juni will Bloomberg das Projekt abgeschlossen wissen.

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