Healthcare IT


Digitalisierung im Healthcare-Bereich

Die Kliniken rüsten auf

16. Juni 2015
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Standardsoftware ist im klinischen Umfeld rar. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die anhaltende Konsolidierung in diesem Markt. Die IT-Bereiche müssen sich deshalb um Best-of-Breed-Lösungen bemühen - trotz chronischer Finanzknappheit, akuten Personalmangels und hoher Datenschutzanforderungen. Hinzu kommt der digitale Wandel, der gerade im Healthcare-Bereich große Chancen verspricht.

Das Internet der Dinge ist in der GesundheitsbrancheGesundheitsbranche angekommen. Im CIO-Jahrbuch 2013 wagte Helmut SchlegelHelmut Schlegel, CIO des Klinikums Nürnberg, folgende Wette: "In zehn Jahren wird jeder zwanzigste Bürger über sechzig einen medizinischen Datenkommunikator am Körper tragen." Schlegel hat gute Chancen zu gewinnen. Profil von Helmut Schlegel im CIO-Netzwerk Top-Firmen der Branche Gesundheit

Bislang steigen allerdings vor allem jüngere Menschen auf diesen Trend ein: An ihren Handgelenken sieht man immer häufiger Activity Tracker, wie sie Anbieter wie Fitbit, Garmin, Sony, Samsung oder Polar auf den Markt werfen. Marktauguren prophezeien bereits deren Auswertung durch die Krankenversicherungen. Aber dem steht immer noch das Datenschutzrecht im Wege - auch wenn der Gesetzgeber "von der Entwicklung überrollt" wird, wie Schlegel meint.

Noch sind Ärzte und KlinikenÄrzte und Kliniken erstaunlich wenig an den so erzeugten Vitaldaten interessiert. Offenbar sehen sich Mediziner, Kliniken und Krankenkassen noch überfordert, die Massendaten über Schlaf, Bewegung und Ernährungsgewohnheiten von Patienten zu erheben und auszuwerten. Schlegels Arbeitgeber, nur eine Uniklinik in Deutschland ist größer, wertet bislang nur die Daten von Herzschrittmachern aus. Alles zu Healthcare IT auf CIO.de

Augmented Reality im Pflegeprozess

Helmut Greger, CIO an der größten deutschen Uniklinik, der Berliner CharitéCharité, sieht die Anwendung von Health- und Activity-Trackern sogar "bis auf Weiteres mehr im Freizeitbereich und nicht im professionellen medizinischen Umfeld". Allerdings werde auch auf diesem Sektor die Sensorik einen immer größeren Stellenwert einnehmen, räumt Greger ein. Top-500-Firmenprofil für Charité

Bernd Christoph Meisheit, CIO des Klinikkonzerns Sana, sagt den Health- und Activity-Trackern hingegen "ein großes Potenzial im künftigen Krankenhausalltag" voraus. Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten seien beispielsweise das Identifizieren und Lokalisieren von Patienten sowie die mobile Echtzeiterfassung von Vitalparametern. Sana selbst setze diese Technologie derzeit allerdings "aufgrund anderer Projektprioritäten" nicht ein. Einsatzszenarien und potenzieller Nutzen sollen aber im nächsten Jahr evaluiert werden.

Einer der aktuellen Technikschwerpunkte in dem Konzern mit seinen 79 Standorten und einem Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro liegt dagegen in der Anwendung von Augmented Reality für medizinische und pflegerische Prozesse. Laut Meisheit "bahnt sich hier eine Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Professor Helmut Krcmar an der TU München an".

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