Sonderlinge gelten als intelligenter

Furcht vor dem Nerd-Image

01. April 2009
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Überdurchschnittliche Computerkenntnisse, eine dicke Brille und unmodische Kleidung. Das Nerd-Image ist präsenter denn je. Vor allem Frauen haben Angst vor dem Sonderling-Stempel und meiden aus diesem Grund IT-Berufe, sagt US-Soziologin Lori Kendall.

Das Nerd-Image entstand zu einer Zeit, in der Computer noch keine alltäglichen Gebrauchsgegenstände waren und der IT etwas Exotisches anhaftete. Der Terminus Nerd stammt aus dem Englischen und steht für einen eigenbrötlerischen Sonderling, der sich besonders gut mit Computern auskennt. Man könnte meinen, dass das Klischee vom Nerd von der Bildfläche verschwunden wäre, sobald Informationstechnologie zu einem festen Bestandteil unseres Alltags wurde.

Weit gefehlt, sagt die Soziologin Lori Kendall von der US-Universität Illinois. Ihre Analysen bestätigen: Das Nerd-Image lebt - in der Werbung, den MedienMedien und in unseren Köpfen. Unter dem typischen Nerd stellen sich die meisten einen weißen Mann vor, der eine dicke Brille und unmodische Kleidung trägt und deutlich besser mit einem Computer als mit Menschen umgehen kann. Und genau dieses Klischee halte Frauen häufig davon ab, einen IT-Beruf zu ergreifen. Denn Frauen möchten auf keinen Fall mit den Eigenschaften assoziiert werden, mit denen man Nerds in Verbindung bringt. Top-Firmen der Branche Medien

Jedoch genießen Männer, die dem Nerd-Image entsprechen, auch Vorteile. Kendall zitiert andere Studien in denen nachgewiesen wurde, dass Arbeitgeber vor allem bei der Rekrutierung von Programmierern Menschen mit Nerd-Anzeichen bevorzugen. Denn von den Sonderlingen denkt man, dass sie besonders intelligent sind und besser mit Computern umgehen können.

Auch wenn es in den USA einige Jahre lang danach aussah, als würde sich der Frauenanteil in der IT vergrößern, beobachtet Kendall heute eine rückläufige Bewegung. Betrug der Frauenanteil im Bachelorstudiengang "Computer Science" 1985/86 noch 36 Prozent, waren es 2003/04 nur noch 25 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung macht Kendall auch bei Menschen mit Migrationshintergrund aus.