Interview

Globalisierung erzwingt Innovationen

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Transformation, Innovation und die Lösungskompetenz von IT-Unternehmen: Hubert Österle von der Uni St. Gallen und HP-Deutschland-Chef Uli Holdenried diskutieren aus Anwender- wie aus Anbietersicht.

Ihr neues Motto lautet "Transformation". HP macht selber gerade eine solche durch. Können Sie Ihre Erkenntnisse weitergeben?

Der Vorsitzende der Hewlett-Packard GmbH in Deutschland Uli Holdenried ist davon überzeugt, dass Technologie zunehmend auf den Unternehmenserfolg Einfluss hat.
Der Vorsitzende der Hewlett-Packard GmbH in Deutschland Uli Holdenried ist davon überzeugt, dass Technologie zunehmend auf den Unternehmenserfolg Einfluss hat.

Uli Holdenried: Wir wollen unseren Kunden nicht nur Technologie zur Verfügung stellen im Sinne von: Hier habt ihr schnelle Computer. Wir interessieren uns vielmehr dafür, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre IT auf die Anforderungen ihrer Geschäftsbereiche hin zu optimieren, damit sie relevante Beiträge zu den Geschäftsergebnissen leisten kann. Das ist für die Kunden viel interessanter, als sich nur Technologie ins Unternehmen zu stellen. Es ist keine Frage, dass wir auch selbst eine große Transformationsaufgabe zu bewältigen hatten. Das betrifft die Business-Prozesse und unsere IT. Wir sind dabei, uns sehr viel globaler, standardisierter und flexibler bei gleichzeitig niedrigeren Kosten aufzustellen. Die Erfahrungen aus diesem Prozess fließen auch wieder in Kundenprojekte ein.

Herr Österle, was erwartet der Markt von HP?

Hubert Österle, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Uni St. Gallen, weiß von chinesischen Unternehmen, dass sie beim Einsatz von IT sogar Entwicklungsstufen überspringen.
Hubert Österle, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Uni St. Gallen, weiß von chinesischen Unternehmen, dass sie beim Einsatz von IT sogar Entwicklungsstufen überspringen.

Der CIO erwartet, dass ihm geholfen wird, seine Aufgaben zu lösen. Dass ihm also nicht nur Kisten hingestellt werden, sondern dass die Prozesse sauber gelöst werden. HP positioniert sich heute klarer als früher auf die Bereitstellung effizienter IT-Prozesse. Der Markt ist für derartige saubere Positionierungen dankbar, da sie vor Überraschungen schützen. Holdenried: Schauen Sie sich die Unternehmen an, in denen die IT eine positive Rolle spielt, und vergleichen Sie diese mit den anderen. Technologie hat zunehmend Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Das muss auch der Vorstand verstehen. Sonst hat ein Unternehmen Schwierigkeiten, Wettbewerbsvorteile zu gewinnen. In guten Unternehmen werden nicht nur die Rolle des CIOs und dessen Business-Verständnis immer wichtiger, sondern auch das IT-Verständnis des Vorstands und damit die Anbindung der IT an das Geschäft.

Ist das denn noch nicht überall angekommen?

Hubert Österle : Wir müssen zwischen Lippenbekenntnissen und dem Tun unterscheiden. Manche geben sich progressiv, modern und innovativ, kneifen aber, wenn gehandelt werden muss. Für unser Buch "Geschäftsmodelle 2010“ haben wir 26 CEOs befragt. Ein Drittel davon hat selbst schon mal die gesamte Unternehmens-IT oder einzelne IT-Projekte geleitet (darunter übrigens auch Inhaber von Mittelständler), ein zweites Drittel hat ein sehr gutes Grundverständnis und weiß, wo die Schrauben in der IT anzusetzen sind. Und ein Drittel hat Angst vor der IT. Und Angst ist ein schlechter Berater.