43 Prozent der Unternehmen finden keine geeigneten Bewerber

IT-Fachkräftemangel wird wieder zum Problem

25. Oktober 2006
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Kein Job in Sicht? Für viele IT-Abteilungen heißt es eher: Kein Bewerber in Sicht. 43 Prozent der deutschen Betriebe haben Probleme, offene Stellen zu besetzen. Wegen des demografischen Wandels, der guten Konjunktur und nicht zuletzt wegen der geforderten hohen Qualifikationen dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärfen. Das meldet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in einer Mitglieder-Umfrage.
Entwicklung des Fachkräftemangels von 2001 bis zum dritten Quartal dieses Jahres.
Entwicklung des Fachkräftemangels von 2001 bis zum dritten Quartal dieses Jahres.

Die Wirtschaft würde rund 15.000 Informatik-Absolventen im Jahr einstellen – wenn sie denn da wären. Im vergangenen Jahr entschieden sich zwar rund 29.000 junge Menschen für dieses Studium, doch ein Blick auf die aktuellen Abbrecherquoten lässt vermuten, dass noch nicht einmal jeder Zweite seinen Abschluss machen wird. Gleichzeitig zieht sich die erste Generation der Informatiker langsam in den Ruhestand zurück.

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 hatten sich noch 38.000 Abiturienten zum Informatik-Studium angemeldet. Stephan Pfisterer vom BITKOM fordert eine bessere Betreuung des Nachwuchses insbesondere während des Grundstudiums. Seine Erfahrung: "Nicht jeder bricht ab, weil er zu dumm für dieses Studium ist." Pfisterer geht davon aus, dass mehr junge Menschen weitermachen würden, wenn der Stoff praxisbezogener vermittelt würde.

Eine Einschätzung, die die Technische Universität München teilt: "Wir können insbesondere junge Mädchen für das Studium begeistern, wenn wir ihnen die Informatik an so genannten Girls' Days in konkreten Projekten nahe bringen", so ein Sprecher der TU. Ohnehin hätten Mädchen oft bessere Abitur-Durchschnittsnoten als Jungen. Weil Zensuren aber nicht alles sind, gehen die Münchner jetzt einen neuen Weg: Der NC für technische Fächer wurde abgeschafft. Die Dozenten haben beschlossen, ihr Lehrdeputat zu erhöhen – zunächst übrigens nur mit einer eher vagen Zusage des Freistaates Bayern, dieses Engagement finanziell zu honorieren.

Jetziger Fachkräftemangel übertrifft Höchststand von 2001

In der aktuellen BITKOM-Umfrage geben 43 Prozent der Unternehmen an, sie hätten Probleme, hochqualifizierte Fachkräfte zu finden. Diese Zahl bildet eine Momentaufnahme aus dem dritten Quartal 2006 ab und bedeutet einen drastischen Sprung gegenüber dem Gesamtjahr 2005: Damals hatten das nur 22 Prozent der Firmen gesagt. Und 2004 waren es nur 16 Prozent.