500 Millionen für IT - aber nicht für das DLR

Nur wenige beherrschen die Komplexität heutiger IT-Projekte

21. April 2009
Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.
Konjunkturprogramme wie das der Bundesregierung über 500 Millionen Euro gibt es beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht. CIO Hans-Joachim Popp befürwortet trotzdem mehr IT-Ausgaben zur Ankurbelung der Konjunktur, wenn das Geld im Lande bleibt und vor allem hiesige Kapazitäten nutzt. Fünfter und letzter Teil unserer Serie "Konjunkturpakete im Public Sector"

Die Bundesregierung hat ein 500 Millionen Euro schweres Konjunkturpaket für die IT geschnürt. Wie viel Geld davon kommt bei Ihnen an?

So wie es aussieht, wird dieses Geld innerhalb der Bundesbehörden verplant. Und dazu gehören wir nun einmal nicht. Dafür haben wir gute Chancen, am Konjunkturpaket II zu partizipieren. Da ist noch die Frage, wie viele der Gelder tatsächlich in IT-bezogene Dinge fließen. Ein großer Teil ist nämlich für Bau- und infrastrukturelle Maßnahmen eingeplant. Allerdings wird auch die Green-IT ausdrücklich gefördert. Zwei unserer Anträge betreffen dieses Thema, und da sind wir in einer guten Ausgangssituation: Einerseits sind wir selbst ein Anwender und gleichzeitig forschen wir in Energiewandlung und Materialien. Wir können also Forschungsprojekte in den für Green-IT entscheidenden Themengebieten anbieten. Das dritte von mir eingereichte Projekt betrifft den Bereich Unified Communications.

Und wenn es nun tatsächlich überhaupt kein Geld gäbe: Blieben diese Projekte dann unrealisiert?

Nein, aber wir könnte mit den Finanzmitteln erheblich konsequenter vorangehen. Natürlich setzen wir umfangreiche eigene Mittel ein.

Unabhängig von den öffentlichen Töpfen: Was planen Sie als IT-Investitionen in diesem und dem nächsten Jahr?

Beim DLR laufen derzeit mehrere große Migrations- und Restrukturierungsprojekte, zum Beispiel in unserer Sharepoint- und Dokumentenmanagement-Infrastruktur. Zudem bauen wir momentan unsere Unified Communications-Plattform aus. Schließlich haben wir ein Projekt im Desktop Management gestartet, wo wir an der Perfektionierung unserer Plattform zur Software-Verteilung und dem Patch-Management arbeiten. Ebenfalls ein Thema ist die Virtualisierung auf Desktop-Ebene. Das mag sich auf den ersten Blick noch nicht sehr spannend anhören, aber im Sinne einer nachhaltigen Konsolidierung sind das für uns sehr wichtige Projekte.

Wie bewerten Sie das Konjunkturprogramm in Hinsicht auf die IT und im Hinblick auf das Ziel, die Konjunktur anzukurbeln?

Das Programm ist dann sinnvoll, wenn man es schafft, möglichst viele Anbieter von Infrastruktur- und Software-Engineering-Dienstleistungen aus deutschen Landen daran zu beteiligen und nicht Hardware aus Taiwan oder Software aus Indien kauft. Dann halte ich das Geld für unsere Konjunktur als richtig eingesetzt. Und die Möglichkeiten gibt es ja in der deutschen IT-Landschaft, die genügend Qualität und Kapazitäten zu bieten hat.