Drei Wege in IT-Berufe

Wie Frauen die IT für sich entdecken

15. Juni 2016
Von Michael  Schwengers
Frauen sind in IT-Jobs nach wie vor die Ausnahme. Und diejenigen, die den Weg in die Informationstechnologie finden, kommen häufig aus fachlichen Disziplinen, während nur wenige ein MINT-Fach studiert haben. Der Reiz der IT liegt für sie weniger in der Technik; IT ist für Frauen vielmehr ein Enabler der Wirklichkeit. Drei IT-Expertinnen berichten.

Es ist eines der erstaunlichsten Phänomene am deutschen Arbeitsmarkt: Die Nachfrage nach IT-Experten nimmt kontinuierlich zu, und die Unternehmen konkurrieren hart um die vielversprechendsten Talente. Folglich haben die so Gejagten die freie Wahl und können viele ihrer Ansprüche an einem Arbeitsplatz durchsetzen. Und wo sehr ansehnliche Gehälter ohnehin die Regel sind, wird die Work-Life-Balance häufig zum entscheidenden Faktor. Gleichzeitig stagniert die Zahl der Frauen, die sich eine KarriereKarriere im IT-Umfeld vorstellen können, seit Jahren. Der Hightech-Verband Bitkom geht davon aus, dass aktuell etwa nur 15 Prozent aller IT-Stellen von Mitarbeiterinnen besetzt sind. Der Anteil von Frauen in Informatikstudiengängen liegt bei 23 Prozent. Alles zu Karriere auf CIO.de

Trotz diverser Maßnahmen wie dem Girl`s Day und MINT-Fächern sind Frauen in IT-Berufen noch immer stark unterrepräsentiert.
Trotz diverser Maßnahmen wie dem Girl`s Day und MINT-Fächern sind Frauen in IT-Berufen noch immer stark unterrepräsentiert.
Foto: BONNINSTUDIO - shutterstock.com

Dass eine solche Situation für Deutschland schnell zum Nachteil werden kann, ist den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft nicht neu. Versuche, daran etwas zu ändern - zum Beispiel durch den Girls‘ Day -, wirken bislang allerdings kaum. Fast scheint es, als herrsche mittlerweile eine gewisse Ratlosigkeit vor. Hoffnungsvolle Blicke richten sich daher nun auf Facebook, IBM und Yahoo. Denn bei den Technologie-Giganten sitzen mit Sheryl Sandberg, Virginia Rometty und Marissa Mayer Frauen in den Chefsesseln. Sie haben es in einer absoluten Männerdomäne an die Spitze geschafft, sie sollen Vorbilder und Rollenmodell für junge Frauen sein. Ob das wirklich reicht, bleibt abzuwarten.

"Grundsätzlich merken auch wir, dass sich Frauen weniger für eine IT-Karriere interessieren als Männer", sagt Sarah Böning, Director RecruitingRecruiting bei der Management- und IT-Beratung MHP. "Wir erhalten deutlich mehr Bewerbungen von männlichen Kandidaten. Der Frauenanteil bei uns liegt mit mehr als 20 Prozent zwar über dem Durchschnitt in Deutschland. Wir wollen aber noch deutlich mehr Mitarbeiterinnen einstellen. Daran arbeiten wir intensiv." Alles zu Recruiting auf CIO.de

Konkret bedeutet das, dass MHP sich sehr genau anschaut, wie die Beraterinnen zur IT gefunden haben, was sie daran reizt und welche positiven wie auch negativen Erfahrungen sie gemacht haben. Eine wesentliche Erkenntnis dabei: Frauen interessieren sich häufig zunächst für ein fachliches Thema und entdecken dann irgendwann, wie Hard- und Software helfen, Probleme zu lösen und Möglichkeiten zu gestalten.

Von der Gewebefaser zum IT-System

So war es etwa bei Sabine Wolfschmidt. Sie ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet seit 2014 als Beraterin bei MHP. Ursprünglich hatte sie Ende der 1980er Jahre Verfahrenstechnik im Bereich Textil und Kunststoff studiert - ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) also, in dem Frauen auch schon vor gut 25 Jahren in der Minderheit waren. IT war damals noch nicht Gegenstand der Vorlesungen. Und zur Schulzeit hatte die Datenverarbeitung keine besondere Faszination auf Wolfschmidt ausgeübt.