KPMG: Die Täter-Profile

Wirtschaftskriminelle meist Führungskräfte

30. September 2011
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Oft sind Wirtschaftskriminelle männliche Führungskräfte, die seit vielen Jahren in einem Unternehmen tätig sind. Das zeigt eine KPMG-Studie.
So sieht die Altersstruktur der Täter aus.
So sieht die Altersstruktur der Täter aus.
Foto: KPMG

Ein wertvoller Datensatz ist im Unternehmen abhanden gekommen. Vielleicht wurden auch Konten geplündert oder ein Täter versucht es auf Basis von Insiderwissen mit Erpressung. Was würde bei solchen Straftaten jetzt in vielen Fernsehkrimis passieren? Nun, zum Beispiel würde ein Profiler anhand des Deliktes wie aus dem Nichts einige wahrscheinliche persönliche Merkmale des Täters aus dem Ärmel schütteln. So ähnlich funktioniert das auch in den genannten Beispielen. Die Wirtschaftsprüfer und Berater von KPMG haben in einer neuen Studie das typische Profil eines Wirtschaftskriminellen ermittelt. Leider arbeitet er zumeist im eigenen Unternehmen und hat dort einigen Einfluss.

Das Profil der häufigsten Täter im Überblick: In den meisten Fällen ist er männlich (87 Prozent) und bekleidet eine Führungsposition (82 Prozent), vor allem im Finanzbereich oder Vertrieb. 41 Prozent der Delikte werden von Tätern verübt, die zwischen 36 und 45 Jahre alt sind. 60 Prozent der Täter sind, wenn die Straftat aufgedeckt wird, bereits länger als fünf Jahre im Unternehmen, ein Drittel sogar zehn Jahre und mehr. Der durchschnittliche Schaden pro Fall liegt bei 1 Million Euro.

Drei Viertel der Täter nutzen laxe interne Kontrollen aus. Gegenüber einer vergleichbaren KPMG-Studie von vor vier Jahre offenbart sich hier ein Anstieg um 25 Prozentpunkte. „Das ist ein Alarmzeichen", findet Frank M. Hülsberg, Partner bei KPMG. Der typische Täter kam nur selten mit bösen Absichten ins Unternehmen. Zumeist machen laut KPMG veränderte Lebensumstände, Frustrationen oder Leistungsdruck aus normalen Mitarbeitern Betrüger, Datendiebe oder ähnliches.

Kennen alle Prozesse und Kontrollen

Selbstverständlich genießen in der Hierarchie weit oben stehende Männer im Unternehmen jede Menge Vertrauen. Und sie wissen genau Bescheid über die eingesetzten Kontrollmechanismen. Das erleichtert ihnen die Taten nachvollziehbarer Weise sehr. „Er kennt die Prozesse in- und auswendig und kann Kontrollmechanismen dadurch viel leichter außer Kraft setzen", beschreibt Hülsberg das Täterprofil, das auch auf deutsche Fälle zutrifft.

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