Stadt München

Linux-Streit: Microsoft veröffentlicht Studie

28.01.2013, von

Zu lange Laufzeit und zu viele Mitarbeiter? Wäre Microsoft-Software doch besser gewesen?Vergrößern
Zu lange Laufzeit und zu viele Mitarbeiter? Wäre Microsoft-Software doch besser gewesen?
Foto: Stadt München; Stadt Freiburg; Wikipedia/Larry Ewing

Linux habe seit der Einführung im Jahr 2003 für die Stadt München drei Betriebs-Versionen eingesetzt, diese Kosten aber nicht aufgeführt. Bei Windows wäre keine neue Software-Version erforderlich gewesen. Etwa jeder vierte Rechner der Münchner Stadtverwaltung laufe noch auf Microsoft-Basis, da "alle Fachverfahren nicht auf Linux migrierbar" seien.

Sauer waren die Verantwortlichen der Stadt München über die Vorwürfe: "Selbstverständlich werden wir uns mit dieser Kritik gerne auseinandersetzen. Ich habe deshalb Microsoft sofort aufgefordert, uns diese Studie zur Verfügung zu stellen", erklärte Karl-Heinz Schneider, Chef des städtischen IT-Dienstleisters IT@M. Aber, so sagte Schneider weiter: "Was ich bislang der Presse entnehmen konnte, wirft allerdings erhebliche Zweifel an der Aussagekraft der Studie auf."

München hat "erhebliche Zweifel an der Aussagekraft der Studie"

Jetzt können die Kritiker zumindest die Zusammenfassung der Studie nachlesen. Hier die Punkte, die der Autor der Microsoft-HP-Studie im Einzelnen aufführt:

  • Das LiMux-Projekt wird damit eine Projektlaufzeit von über zehn Jahren haben. Diese Laufzeit ist bei 15.000 zu migrierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weit überdurchschnittlich lang.

  • Bei der Stadt München sind derzeit ca. 1000 IT-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung der ca. 15.000 Arbeitsplätze zuständig. Auch diese Zahl ist weit überdurchschnittlich.

  • Die vielen Plattformwechsel im Rahmen des LiMux-Projektes tragen einen Teil dazu bei, dass das Projekt eine überdurchschnittlich lange Laufzeit hat und eine Etataufstockung benötigte. Für Verzögerungen waren auch zahlreiche Probleme verantwortlich, die sich aus der Migration von Fachprogrammen und Microsoft Office-Makros ergaben. Tatsächlich hat der eingangs genannte Grundsatzbeschluss aber auch dazu geführt, dass die Stadt München innerhalb des LiMux-Projektes bereits vor einem weiteren Wechsel der Plattform steht, da auch Ubuntu 10.04 nur noch bis zum April 2013 unterstützt wird. Damit besteht hier wieder ein Migrationszwang, der bzgl. Windows NT 4 kritisiert wurde.

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Münchner_Kindl - 03.01.2014 16:10
Microsoft hätte gerne den Auftrag der Stadt München für die gesamte IT gehabt. Logisch, da geht es um sehr viel Geld. Microsoft ging aber leer aus, dafür wurde der Microsoft-Konkurrent Linux gewählt. Nun gibt Microsoft aber den schlehcten Verlierer und lässt irgendwelche Studien mit Fantasiezahlen erstellen, auf dass sie irgendwann doch noch zum Zug kommen oder zumindest andere Kommunen bei Microsoft bleiben. Solche Studien sind das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben sind.
Herp - 04.07.2013 18:12
Wenn man mal das Benfordsche Gesetz auf die Zahlen zur Migration nach Windows (17.020.518 Euro) und nach Linux (60.638.986 Euro) anwendet, sieht man vielleicht etwas erstaunliches...
Zahlenspiele - 04.02.2013 13:46
Die Kostenvergleiche sind natürlich den Interessenlagen geschuldet und berücksichtigten Wirtschafts- und Businessstrategische Überlegungen kaum. Kommunale Fachverfahren sind nicht nur von Microsoft, sondern sogar von spezifischen Versionen, Laufzeitumgebungen, Schnittstellen abhängig. Die öffentliche Verwaltung hat bislang keinerlei Druck auf Hersteller und Betreiber ausgeübt, die teuren und unnötigen Abhängigkeiten zu reduzieren: Webtechnologien? Weitgehend Fehlanzeige. Offene Standards? Nirgends wirklich umgesetzt. Und dann gibts es . dem Förderalismus sei dank - separate Lösungen auf allen Ebenen: Bund, Land, Kommune. Letztlich verdienen die -kommunalen und landeseigenen- Rechenzentren damit ja auch ihr Geld. Das Limux Projekt hat hier eine Transparenz in die Problemlage gebracht, die so recht keiner hören will.
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