Bundesrechnungshof fordert mehr IT-Controlling

Bundesrechnungshof fordert mehr IT-Controlling

07. Juli 2004
Von Michael Kallus
In seinem Ergebnisbericht 2004 drängt der Rechnungshof auf ein verstärktes IT-Controlling im öffentlichen Dienst. Oft würden weder Bedarf, Mittel noch der Erfolg geprüft.

Allein der missglückte Versuch der Bundesverwaltung, Großrechner auf vernetzte Rechner umzustellen, kostete 25 Millionen Euro. Anhand dieses Projekts zeigte der Bundesrechnungshof eine Reihe typischer Fehler auf. Die Behörde hätte beispielsweise darauf verzichtet, ihr Vorhaben auf Wirtschaftlichkeit und anhand von Pilotprojekten zu prüfen. Es wurde nicht getestet, ob sich dafür Standard-Software nutzen lässt, Mitarbeiter wurden kaum geschult. Vielfach fehlten Meilensteine, um sich im Projektablauf zu orientieren.

Der Rechnungshof monierte ebenfalls, dass die Projektdauer oft zu lang war, in einem Fall ging die Behörde von zwölf Jahren aus. Erhebliche Schwierigkeiten bereiteten auch der Einsatz privater Dienstleister und die Vertragsgestaltung mit ihnen. Unvollständig beschriebene Leistungen und Nachbesserungen verursachten hohe zusätzliche Kosten, so der Rechnungshof. Die Mängel führten dazu, dass die Umstellung nach achtjähriger Laufzeit erfolglos abgebrochen werden musste.

Zuständig für die IT der Bundesverwaltung ist das Innenministerium. Der Rechnungshof hat ihm empfohlen, aus den aufgedeckten Mängeln Handlungsempfehlungen abzuleiten. Diese sollen sich auf IT-Projektmanagement, Projektcontrolling sowie Verträge mit privaten Dienstleistern beziehen. Darüber hinaus hat der Rechnungshof einen breiten, institutionalisierten Erfahrungsaustausch zu IT-Projekten angeregt.

In einem weiteren Fall hat der Rechnungshof zahlreiche Mängel in der computergestützten Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit kritisiert. Über die Hälfte der Angebote enthielten unrichtige oder unvollständige Angaben. Der Rechnungshof forderte die Bundesagentur auf, ihr IT-Verfahren besser abzustimmen.

Der Rechnungshof mahnt die Behörden, besser zu planen.
Der Rechnungshof mahnt die Behörden, besser zu planen.

Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurde für seine schlechte Planung gerügt. Es hatte für 2,3 Millionen Euro Speichersysteme für Außenstellen gekauft, obwohl sie kurz vor der Schließung standen. Zudem habe das Amt "ohne hinreichende Begründung 1400 Bildschirme in Sonderbaugröße" bestellt. Es gab dafür 1,9 Millionen Euro mehr aus, als hochwertige Alternativen gekostet hätten. Der Rechnungshof empfahl daraufhin dem zuständigen Ministerium, den Bedarf kritischer zu prüfen. Ein neu eingeführtes IT-Controlling soll künftig solche Fehler vermieden.

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