Kritik an IT-Ausbildung der Unis

"CIO kann man nicht studieren!"

22. September 2010
"Die Befähigung zur Rolle des CIOs kann man nicht durch ein Studium erwerben", sagt Rainer Janßen, CIO der Munich Re. Damit reagiert er auf die Titelgeschichte „Junge, was lernst du hier?“ im vergangenen CIO-Magazin.
Rainer Janßen, CIO der Munich Re.
Rainer Janßen, CIO der Munich Re.

15 bis 20 Jahre Praxis seien einfach vonnöten, erklärt Janssen, der CIO des Jahres 2008. Der promovierte Mathematiker kann deshalb wenig mit den Versuchen der Universitäten anfangen, Praxisnähe zu suggerieren. In seiner Antwort auf die Titelgeschichte des Juni-Heftes fordert er viel mehr von Studenten: dass sie schon mal "ein dickes Brett gebohrt haben" - egal in welchem Fach:

"Man muss mal selber ein reales Projekt gemacht haben, ein Projekt geleitet haben, vielleicht auch mal eines, dass schiefgegangen ist. Man muss Erfahrung in der PersonalführungPersonalführung wie im Verhandeln mit Kunden und Lieferanten gewonnen haben, aber auch die politischen Strömungen und Machtinteressen in großen Firmenorganisationen lesen können und so weiter Kurz und gut: alles Dinge, die man im wirklichen Leben lernt und keinesfalls von Menschen, die all diese Probleme nie am eigenen Leib erlebt und getan haben. Abgesehen davon ist die Idee sowieso absurd, dass ein Studium auf eine Aufgabe vorbereitet, die man erst in 15 bis 20 Jahren wahrnimmt und die dann sicher ganz anders aussieht als heute. Alles zu Personalführung auf CIO.de

über den Autor

Rainer Janßen (57)

Position

Leiter Zentralbereich Informatik und
Group Information Executive

Firma

Munich Re

Besondere Auszeichnung

CIO des Jahres 2008

Wichtig: trainierter Hirnmuskel

Generell halte ich es für eine spezifisch deutsche Fehleinschätzung, das Studium mit einer Berufsausbildung zu verwechseln. Ein Studium muss vor allem eine dauerhafte Basis legen. Dabei ist nicht das spezifisch erworbene Fachwissen wichtig, sondern dass man wenigstens einmal den Hirnmuskel so weit trainiert hat, dass man ein wirklich komplexes Problem in allen Aspekten im Kopf behalten, modellieren und analysieren und idealerweise schließlich lösen kann. Dabei ist der Kontext, in dem dies gelernt wird, eigentlich relativ egal.

Der an Krebs erkrankte amerikanische Informatikprofessor Randy Pausch erzählt in seiner bewegenden ,Last Lecture‘ von der Erfahrung seines ersten Football-Trainings. Der Trainer schickte ihn und seine Kameraden ohne Ball aufs Feld. Er sagte dazu: Beim Spiel sind immer 21 Spieler ohne Ball. Lernt erst einmal, was die 21 ohne Ball tun! Lernt erst einmal die Grundlagen! Diese Grundlagen sollte man auch im Studium trainieren, nicht kurzfristig veraltendes Fachwissen anhäufen.