Strategien


Kleine Niederlassungen

Die Angst vor dem Outsourcing

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Große Outsourcing-Deals müssen zwar zentral gemanagt werden. Doch können kleinere Unternehmensbereiche übersehen werden, warnt Gartner.
Stehen unternehmensweite Outsourcing-Projekte an, müssen sich die Manager kleinerer Niederlassungen rechtzeitig einbringen, so Gartner.
Stehen unternehmensweite Outsourcing-Projekte an, müssen sich die Manager kleinerer Niederlassungen rechtzeitig einbringen, so Gartner.
Foto: pressmaster - Fotolia.com

"Man hat uns lediglich mitgeteilt, dass die komplette Infrastruktur ausgelagert werde, und dass jeder Mitarbeiter das zu unterstützen habe!" Das berichtet ein Manager, der für ein großes Unternehmen tätig ist - allerdings in der Niederlassung eines nicht besonders großen Landes.

Der US-Berater Gartner präsentiert dieses Zitat in seinem Papier "Engage early to survive when your small entity becomes part of a big outsourcingoutsourcing deal". Tenor: Unternehmen müssen große Outsourcing-Projekte zentralisieren, dürfen aber ihre "kleinen" Standorte nicht vernachlässigen. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Gartner will die Verantwortung dafür aber nicht allein den Entscheidern in der Zentrale geben. Die Manager in den kleineren Niederlassungen seien gefordert, sich aktiv zu informieren und gegebenenfalls ihre Forderungen zu stellen.

Die Sorgen kleiner Niederlassungen

Nach Beobachtung von Gartner hegen kleinere Standorte bei großen Outsourcing-Deals vor allem diese Befürchtungen:

  • Nicht berücksichtigt zu werden: Ihre spezifischen Erfordernisse könnten untergehen.

  • Irrelevant zu werden: Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit kann eine komplette Niederlassung demotivieren.

  • Keinen Zugang zum Dienstleister zu haben: Werden Service Provider zentral gemangt, fürchten abgelegene Unternehmensbereiche, keinen direkten Kontakt zum Provider zu haben.

  • Steigende Kosten: Ziel großer Auslagerungs-Projekte ist üblicherweise das Senken von Kosten. In der Summe sollte das auch eintreten, allerdings können die Kosten gerade für Standorte in Niedriglohn-Ländern auch steigen.

  • Verlust an Agilität: Zentralisierung kann Entscheidungswege verlängern. Kleine Standorte befürchten den Verlust ihrer Agilität.

  • Verschlechterung der Kundenbeziehungen: Kleine Niederlassungen, die sich über die Jahre auf ihren spezifischen Markt mit seinen Kunden eingestellt haben, fürchten um diesen Vorteil, wenn sie sich übergreifenden Standards anpassen müssen.

  • Die Befürchtung der Langsamkeit: Weil bloß ein kleiner Standort, kommt Support bei uns zuletzt an, so eine weitere Sorge.

Wie berechtigt solche Gedanken sind, lässt sich laut Gartner durchaus mit Beispielen belegen. So habe eine Schweizer Bank beschlossen, die Infrastruktur weltweit einem einzigen Dienstleister zu übergeben. Es zeigte sich jedoch, dass das geplante Governance-Modell auf die Region Asia/Pazifik nicht anzuwenden war.

Das Geschäft funktioniert dort sehr viel agiler als in Europa und den USA. Weil die Bank die dortigen Niederlassungen früh genug in den Outsourcing-Prozess einbezogen hatte, konnten rechtzeitig die nötigen Korrekturen vorgenommen werden.

Drei Ratschläge für Niederlassung und Zentrale

Die Berater wollen es denn auch nicht bei der Aufzählung dieser Befürchtungen belassen. Sie sehen alle lokalen Entscheider in der Bringschuld. Konkret heißt das Dreierlei:

  • Kleine Niederlassungen müssen unternehmensweiten Outsourcing-Projekten zumindest neutral gegenüberstehen und sich aktiv informieren. Mit Blick auf die Zentrale fordert Gartner, dass die dortigen Entscheider Daten darüber einholen, wie jeder einzelne Unternehmensbereich betroffen sein wird.

  • Aufgabe der kleinen Standorte ist es, das Minimum ihrer lokalen betrieblichen und geschäftlichen Anforderungen zu definieren. Die Zentrale wiederum muss frühzeitig entscheiden, welche Freiheitsgrade sie zulässt.

  • Manager der kleinen Niederlassungen sollten feststellen, in welchen Bereichen ein unternehmensweites Auslagerungs-Projekt ihnen Vorteile bringt, und wie sich das in die Outsourcing-Strategie einbinden lässt. Auf der anderen Seite muss auch die Zentrale darauf achten, lokale Change-Initiativen unterstützen.

Eines muss den Managern kleinerer Standorte klar sein, so Gartner: Ist ein unternehmensübergreifendes Outsourcing-Abkommen beschlossen, wird es umgesetzt - ob mit oder ohne sie.

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