Strategien


Trendstudie von Bain

Die Top 10 Management-Tools

23. September 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Fähigkeit zur Veränderung halten Führungskräfte für den wichtigsten Management-Trend. Die Tools dazu halten sie aber für unbefriedigend.
Die Fähigkeit zu Veränderung und Innovation halten Unternehmen weltweit für wettbewerbsentscheidend.
Die Fähigkeit zu Veränderung und Innovation halten Unternehmen weltweit für wettbewerbsentscheidend.
Foto: lunamarina - Fotolia.com

Begriffe wie Change und Innovation scheinen ihren Zauber zu verlieren. Das legt zumindest die Studie "Management ToolsTools & Trends 2015" nahe, für die der Berater Bain & Company Angaben von 13.000 Entscheidern weltweit ausgewertet hat. Das Thema beschäftigt Bain schon lang, es ist die 15. Umfrage dieser Art. Alles zu Tools auf CIO.de

Die Aussage, wonach Wettbewerbsvorteile von der Veränderungsfähigkeit abhängen, erreicht aktuell einen Zustimmungsgrad von 75 Prozent. 2010 waren es noch 81 Prozent. Dass Innovationen wichtiger seien als Kostenreduktion, unterschreiben jetzt 74 Prozent. 2004 waren es noch 86 Prozent.

Nichtsdestoweniger liegen die beiden Statements immer noch vorn. Wichtigstes Ziel der Befragten ist die Kundenbindung, wobei mehr als sechs von zehn (62 Prozent) über generell abnehmende Kundenloyalität klagen.

Die 10 meistgenutzten Tools

Bain hat sich auch die Umsetzung dessen angesehen. Die Berater haben erfragt, wie oft entsprechende Tools genutzt werden - und wie zufrieden die Unternehmen damit sind. Bei der Zufriedenheit gilt: je höher der Wert, umso arbeitstauglicher das Werkzeug. Die Spanne reicht dabei von 3,50 bis 4,10.

Die zehn meistgenutzten Werkzeuge sind folgende:

1. Customer Relationship Management (CRM): Knapp jeder zweite Studienteilnehmer (46 Prozent) arbeitet mit CRM-Tools. Auf einer Zufriedenheits-Skala erreichen diese einen Wert von 3,93. Damit liegen sie über dem Durchschnittswert von 3,84.

2. Benchmarking-Tools: Benchmarking-Tools liegen bei einem Nutzungsgrad von 44 Prozent. Der Zufriedenheitswert beträgt 3,80.

3. Employee Engagement Surveys: Ebenfalls 44 Prozent der Unternehmen befragen ihre Angestellten. Der Zufriedenheitswert liegt mit 3,75 unter dem Schnitt.

4. Strategic Planning: Auch Werkzeuge zur strategischen Planung kommen bei 44 Prozent zum Einsatz. Offenbar mit Erfolg - die Unternehmen vergeben einen Zufriedenheitswert von 3,93.

5. Outsourcing: 41 Prozent lagern Aufgaben aus. Das scheint nicht immer zu funktionieren wie gewünscht: der Zufriedenheitswert bleibt mit 3,61 deutlich unter dem Schnitt.

6. Balanced Scorecard: Die Balanced Scorecard ist das erste der zehn Werkzeuge, die unter einem Nutzungsgrad von 40 Prozent bleiben: 38 Prozent. Die Anwender zeigen sich überdurchschnittlich zufrieden (3,90).

7. Mission and Vision Statements: Ebenfalls einen Nutzungsgrad von 38 Prozent verzeichnen Mission and Vision Statements. Die Befragten vergeben einen Zufriedenheitsgrad von 3,82 Prozent.

8. Supply Chain Management: Tools zum Lieferketten-Management kommen in gut jedem dritten Unternehmen (36 Prozent) zum Einsatz. Sie erreichen einen Zufriedenheitsgrad von 3,85.

9. Change Management Programme: Obwohl Veränderungsfähigkeit so stark priorisiert ist, haben bisher nur 36 Prozent der Befragten Change Management Programme aufgesetzt. Diese scheinen nicht zu greifen: Der Zufriedenheitswert von nur 3,69 zählt zu den niedrigsten im Feld.

10. Customer Segmentation: Zwar liegen Tools zum Kundenbindungs-Management an der Spitze, solche zur Kundensegmentierung erreichen mit einem Einsatzgrad von 30 Prozent jedoch nur den zehnten Platz. Dabei schneiden die Tools mit einem Zufriedenheitswert von 3,96 sehr gut ab.

Damit haben sich die sechs meistverwendeten Werkzeuge in den Jahren 2012 und 2014 nicht geändert, merkt Bain an. Im Zehnjahresvergleich haben sich vier Tools in den Top Ten gehalten: Strategic Planning, Benchmarking, Outsourcing sowie Mission and Vision Statements.

Werden die Angaben nach Regionen geordnet, nutzen China und Indien die meisten Tools. Es folgen Nordamerika, Europa und Latein Amerika.

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Thema: Tools

Kommentare zum Artikel

hanitsch

Laut dem Original der Studie sehen 75% der befragten Unternehmen ihre eigene Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit als Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig nimmt "Digital Transformation" als Management Tool (wie auch immer man das genau definiert) nur einen sehr geringen Stellenwert ein. Wie passt das zusammen?
Kundenanforderungen haben sich in vielen Branchen deutlich verändert und Traditionsunternehmen, z.B. in der Automobilindustrie, sind noch weit davon entfernt, selbst Basis-Anforderungen, etwa auf dem Gebiet der Kundenkommunikation, gerecht zu werden (Stichworte Multichannel, Multi-Device, integrated Customer Experience). Geschweige denn, neue Differenzierungspotenziale zu nutzen.

Digitale Entwicklungen haben Markteintrittsbarrieren in vielen Bereichen massiv gesenkt, so dass neue Player oft leichtes Spiel haben und bei deutlich schlankeren Strukturen und mit hoher Agilität bestehende Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Da können festgefahrene Strukturen und die seit vielen Jahren etablierte Trennung von IT und Fachbereich nicht mithalten. Ein großer Teil der 75% scheint das eigene Unternehmen da wohl etwas zu sehr durch die rosarote Brille zu sehen. Und ohne ein realistisches Selbstbild können auch Change Management Programme (wie auch immer man das genau definiert) nicht wirklich etwas bewirken.

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