Annahme widerlegt

Erfahrung macht Führungskräfte nicht besser

13. Februar 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.

1. Schneiden Teilnehmer mit Führungserfahrung in der Potenzialanalyse besser ab als diejenigen ohne Führungserfahrung?

Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse widerlegte die Alltagserwartung, dass Erfahrung einen Lerngewinn bringt. Angestellte mit Führungserfahrung schnitten nicht positiver als diejenigen ohne Führungserfahrung. Im Gegenteil, sie schnitten sogar geringfügig schlechter ab.

Fazit der Studienautoren

2. Wirkt sich die Anzahl der bislang geführten Mitarbeiter positiv auf das Ergebnis in der Potenzialanalyse aus?

Auch diese Frage beantworten die Wissenschaftler mit nein. In keinem Fall zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Anzahl der geführten Personen und dem Abschneiden in der Potenzialanalyse.

3. Wirkt sich das Lebensalter der Probanden positiv auf ihr Abschneiden in der Potenzialanalyse aus?

Auch hier verneinen die Forscher. Es verhielt sich sogar umgekehrt. Je höher das Lebensalter, desto schlechter schnitten die Teilnehmer in der Potenzialanalyse ab. Allerdings macht das Alter in der Berechnung nur einen sehr geringen Anteil an der Leistung aus - je nach Führungseigenschaft zwischen 0,8 und 5,3 Prozent. Insgesamt zeigten die Studienergebnisse übrigens, dass weibliche Teilnehmer der Potenzialanalyse in allen Kriterien geringfügig besser abschnitten als ihre männlichen Kollegen.

Die Ergebnisse verdeutlichen: Berufs- und Lebenserfahrung machen einen Angestellten nicht automatisch zu einer besseren Führungskraft. Deshalb lautet die Empfehlung der Wissenschaftler, Bewerber mit Führungserfahrung nicht positiver zu bewerten als Kandidaten ohne. Lieber sollte man durch strukturierte Interviews oder Assessment Centers ihre tatsächlichen Kompetenzen prüfen. Zudem sollte in Ausschreibungen nicht länger Führungserfahrung verlangt werden, um kompetente Kandidaten ohne diese Erfahrung nicht abzuschrecken.

Die Wirtschaftspsychologen Professor Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke von der Hochschule Osnabrück haben ihre Studienergebnisse in der Zeitschrift PersonalführungPersonalführung veröffentlicht unter dem Titel: "Führungserfahrung: Wie nützlich ist sie wirklich? Eine Studie liefert überraschende Ergebnisse." Alles zu Personalführung auf CIO.de

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