Bundestagswahl: Wer macht das Rennen?

Flashmob zeigt Macht des Social Web

23. September 2009
Von Christa Manta
In bester Obama-Tradition stürzen sich jetzt auch die deutschen Parteien auf den Wahlkampf im Internet. Angela Merkel beobachtet neuerdings die Stimmung im Netz über ein Online-Cockpit. Dennoch setzt sie dem Flashmob, der sich im Internet verabredet und ihre Wahlkampfrede in Hamburg gestört hat, nichts entgegen. Eine gute Entscheidung? Würde der Wahlkampf nur im Internet geführt, hätten die etablierten Parteien ihn längst verloren.

Es begann mit einem Aufruf auf Flickr und endete mit einem Flashmob, der Angela Merkels Wahlkampfauftritt in Hamburg mit ironischen, im Zehn-Sekunden-Takt skandierten "Yeaahh"-Rufen störte. Die Demonstranten hatten sich im Internet verabredet. Zunächst erschien der Schnappschuss eines CDU-Plakates, auf dem ein Unbekannter zur Yeaahh-Demo aufgerufen hatte, auf dem Bilderdienst Flickr. Mit Nercore und Spreeblick berichteten zwei populäre deutsche Blogs und über TwitterTwitter verbreitete sich die Nachricht weiter im Netz. Alles zu Twitter auf CIO.de


Angela Merkel hatte vor ihrem Auftritt von dem geplanten Flashmob gewusst. Die Webmonitoring-Agentur B.I.G, die in diesem Jahr zum ersten Mal den CDU-Wahlkampf online beobachtet und das Social Web nach relevanten Themen und politischen Stimmungen durchforstet, hatte die Kanzlerin rechtzeitig informiert. "Die CDU nutzt unseren Webmonitoring-Dienst derzeit hauptsächlich als Frühwarnsystem, also um sich über Themen zu informieren, die im Netz besprochen werden und um Stimmungen abzulesen", erklärt Anna-Maria Zahn von B.I.G. Die Zahl der Beiträge zum Thema "Yeaahh" sei vor der Flashmob-Aktion in Foren, Blogs oder bei Twitter stark gestiegen.

Die CDU entschied sich aber dafür, die Störenfriede zu ignorieren. Zunächst sieht es so aus, als sei die Entscheidung richtig gewesen. Denn tatsächlich folgten nur rund 30 Demonstranten dem Aufruf im Internet, um am 18. September bei der Veranstaltung Merkels in Hamburg aufzuschlagen. Keine große Zahl, verglichen mit den rund 2000 Zuhörern. Da die Flashmobber zusätzlich auch noch in den hintersten Reihen stehen, machen sie nicht so viel Lärm, wie sie es sich vielleicht versprochen hatten - zumindest nicht in der realen Welt.