Dienstreise-Etats gekürzt

Geschäftsreisen in der Holzklasse

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr zwölf Prozent weniger Geld für Geschäftsreisen ausgegeben als 2008. Economy statt Business Class, Bahn statt Flugzeug und Privatzimmer statt Hotel heißt es jetzt.
Entwicklung der Kosten für Geschäftsreisen laut VDR 2010
Entwicklung der Kosten für Geschäftsreisen laut VDR 2010

"Die Mehrheit sitzt auf Holz" schreibt Erich Kästner in seinem "Eisenbahngleichnis". Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) hätte das Gedicht seiner "Geschäftsreiseanalyse 2010" voranstellen können. Es trifft in zweierlei Hinsicht zu: Erstens müssen bei Flugreisen immer mehr Manager in der sogenannten Holzklasse (Economy) Platz nehmen - und zweitens müssen viele inzwischen auf die Bahn umsteigen. Bei Geschäftsreisen wird gespart.

Wie der Verband mitteilt, haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr gut 41 Milliarden Euro für Geschäftsreisen ausgegeben. 2008 waren es mit knapp 47 Milliarden rund zwölf Prozent mehr. Die Firmen schickten Mitarbeiter 2009 auf 145 Millionen Geschäftsreisen. Ein Jahr zuvor waren es noch 163 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von elf Prozent.

Der VDR sieht die Finanzkrise als Hauptverursacher dieser Entwicklung. Verbandsmitglied Dirk Gerdom, hauptberuflich Reisemanager bei SAPSAP, nennt gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aber einen weiteren Grund: "Moderne Techniken in der Kommunikation sowie die Straffung von internen Arbeitsabläufen beschleunigen den Trend zu spontanen, virtuellen Geschäftstreffen und werden wohl auch dauerhaft Teile des klassischen Reise-Etats ersetzen." Gerdom selbst zum Beispiel habe den Walldorfern alle Dienstreisen ohne Kundenkontakt gestrichen. Alles zu SAP auf CIO.de

Eine Einschätzung, die sich in den Zahlen der Befragung widerspiegelt: 63 Prozent halten Video-, Web- und Telefonkonferenzen für eine Alternative zu Geschäftsreisen. 60 Prozent erwarten, dass "restriktive Maßnahmen" in punkto Dienstreisen auch im Fall eines wirtschaftlichen Aufschwungs beibehalten werden.