Strategien


Merkmale agiler Unternehmen

Kein Trend zum CDO

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Verantwortung für die digitale Transformation übernehmen CEO und CIO. Der Chief Digital Officer rangiert dagegen weit hinten, wie eine Umfrage von Detecon zeigt.

Den Stand der Digitalisierungskompetenz in deutschen Unternehmen analysiert der Berater Detecon in dem Papier "Digitalisierung und Internet of Things (IoT) - Anforderungen an agile Organisationen". Darin geht es auch um die Pläne für die kommenden drei Jahre. Entscheider aus mehr als 200 Unternehmen haben an der Studie teilgenommen.

Fazit: Das Schlagwort "bimodal" bezieht sich nicht allein auf die IT. Das gesamte Business, interne Strukturen und Prozesse müssen künftig in zwei Betriebsmodi gleichzeitig agieren. Das heißt für das Business: langfristiges Planen, standardisiertes Vorgehen, Qualität und Zuverlässigkeit im Kerngeschäft behalten ihre Wichtigkeit. Gleichzeitig braucht jedes Unternehmen quasi Startup-Qualitäten, muss also schnell und innovativ sein. Für die IT heißt das: Der klassische Ansatz Plan-Build-Run braucht eine Ergänzung durch Make-Buy-Partner.

Die Hauptverantwortung für die Digitalisierung liegt laut Detecon-Studie noch immer bei CEO und CIO.
Die Hauptverantwortung für die Digitalisierung liegt laut Detecon-Studie noch immer bei CEO und CIO.
Foto: Detecon

Detecon hat die Rollen der verschiedenen Entscheider rund um diesen Wandel untersucht. Die Berater schreiben: "Der oftmals postulierte Chief Digital Officer-Trend, die Haupt- oder Teilverantwortung der digitalen Strategie einem CDO zuzuordnen, lässt sich auf Basis der Studienergebnisse nicht belegen." Faktisch teile sich die Verantwortung unter CEO und CIO auf. Detecon schließt aber nicht aus, dass sich längerfristig beispielsweise auch ein Chief IoT Officer oder eine andere "digitale" Management-Position etablieren könnte.

CEO und CIO tragen die Verantwortung

Das Aufsplittern von Haupt- und Teilverantwortung hat sich Detecon näher angesehen. Die Berater bewerten positiv, dass mit dem CEO ein Vertreter der obersten Management-Ebene den Hut auf hat in Fragen rund um die Digitalisierung. Wichtigster Teilverantwortlicher ist der CIO vor einem Leiter Strategie/Business Development. Je nach Branche übernehmen außerdem ein Chief Technology Officer (CTO) oder ein Leiter Forschung/Entwicklung Teilverantwortung. Erst danach nennen die Befragten einen CDO oder Chief Product Officer (CPO).

Als "langsam und vorsichtig" beschreibt Detecon das "Herantasten" deutscher Firmen an Digitalisierung und IoT. 45 Prozent der Befragten bescheinigen sich eine "in Teilbereichen ausgeprägte" Digitalisierungskompetenz, weitere 22 Prozent eine "gering ausgeprägte". Rund jeder Zwölfte (acht Prozent) sieht diese Fähigkeit ein seinem Unternehmen "nicht ausgeprägt".

Den Begriff der Agilität verstehen die Berater "fast als Synonym" für Digitalisierung. 85 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen, agile Strukturen seien "eher" bis "sehr wichtig" für Unternehmen.

Unternehmensstrukturen sind noch nicht agil

In der Praxis schlägt sich das noch nicht nieder. Detecon ließ die Befragten einschätzen, wieviel Prozent ihrer Strukturen als agil gelten können, und zwar bezogen auf heute und auf die nächsten fünf bis zehn Jahre. Eine Mehrheit von 55 Prozent gibt an, derzeit seien maximal zehn Prozent ihrer Strukturen agil. 30 Prozent trauen sich zu, binnen fünf bis zehn Jahren die Hälfte bis drei Viertel ihrer Strukturen agil zu gestalten. Die Berater konkretisieren den Begriff agil so, dass "mehrheitlich vernetzte, digitale Teams in agilen Strukturen zusammenarbeiten und somit die klassische Trennung funktionaler Unternehmensstrukturen erlischt".

Detecon stellt in der Studie auch die Frage nach den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Personalbedarf. Die Befragten erwarten demnach, dass der Bedarf an Mitarbeitern pro Jahr um durchschnittlich zehn Prozent steigt. Dieses Wachstum gilt aber nicht für sämtliche Aufgaben und Bereiche: Nach jetziger Einschätzung werden künftig weniger Mitarbeiter für einfache Tätigkeiten gebraucht, während sich eine steigende Nachfrage an neuen Spezialisten entwickelt. Zu diesen neuen Berufsbildern zählen Big Data-Analysten und Datenstrategen.

3 Merkmale agiler Unternehmen

Die Berater leiten aus den Studienergebnissen ein Zielbild agiler Unternehmen ab. Dabei betonen sie, dass ein solches Zielbild immer nur eine Momentaufnahme sein kann - es muss selbst agil werden. Dennoch spricht Detecon folgende allgemeine Empfehlungen aus:

  • 1. Entscheider sollten im Rahmen der Digitalisierung ihr noch projekthaftes Vorgehen sowie die IT der zwei Geschwindigkeiten kombinieren und koordinieren. Sie müssen alle Aktivitäten an aufkommenden und künftigen digitalen Anforderungen ausrichten, das heißt: sich in einen permanenten Prozess der Veränderung begeben.

  • 2. IT wird nicht in einer geschlossenen Unit verbleiben, sondern sich als Produkt-IT, Produktions-IT, Betriebs-IT und Business-IT in vielen Unternehmensbereichen wiederfinden.

  • 3. Collaboration der Mitarbeiter untereinander wie auch mit Startups, Kunden und externen Partnern ist sowohl innerhalb von Wertschöpfungsstufen als auch wertschöpfungsstufenübergreifend zu organisieren.

"Geschlossene Systeme müssen sich öffnen", schreibt Detecon. "Dabei spielen sowohl Offenheit als auch unternehmerischer Mut eine entscheidende Rolle, wobei Security-Aspekte als 'unschöne Schwester der Digitalisierung' nicht vernachlässigt werden dürfen."