Der Milliarden-Konzern Marquard & Bahls

Nur keine unnötige Eile

13. Mai 2008
Von Andreas Schmitz
IT auslagern, standardisieren, globale Infrastruktur: DAX-Konzerne bauen auf die Trends der Zeit. Beim Familienunternehmen Marquard & Bahls ist das anders. Erst kürzlich startete das Globalisierungsprogramm.
Marquard & Bahls betreibt Tanklager in 21 Ländern.
Marquard & Bahls betreibt Tanklager in 21 Ländern.

Es klingt ein bisschen wie das erste Betriebssystem, MS DOS von MicrosoftMicrosoft, und es ist auch etwa in dieser Zeit entstanden. HOS hieß lange Zeit das Handelssystem der Ölhandelstochter von Marquard & Bahls, Mabanaft. HOS steht für das mehr als 25 Jahre alte Handels-Operations-System, und bis vor zwei Jahren störte das für die IT fast biblische Alter kaum jemanden, denn es funktionierte tadellos. Allerdings bahnte sich an, dass die selbst gebaute Software bald nicht mehr anpassbar sein würde. Nicht etwa die IT-Zentrale in Hamburg, sondern eine dezentrale Sektion in Belgien guckte sich elf Lösungen an und entschied sich für "White Angel" - so der Name der neuen Standard-Software, die derzeit die Belgier in ihrem Profit Center als Pilotprojekt für den Konzern ausrollen. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Damit betritt das mit zwölf Milliarden Euro Umsatz 2006 neuntgrößte nicht börsennotierte Familienunternehmen Deutschlands Neuland. Vor fünf Jahren einigten sich die IT-Macher bei Marquard & Bahls auf eine IT-Strategie, die global ausgerichtet sein sollte. Die Komplexität etwas herausnehmen und Synergien nutzen war jetzt der Ansatz. Und dazu gehörte auch der Einsatz von zentralen Standards, sofern sie Sinn machen. Denn nach Ansicht des heutigen IT-Direktors Stefan Kaiser bietet das die Vorteile, schneller auf neue Anforderungen zu reagieren, das Rad nicht zweimal zu erfinden, Komplexität zu verringern und auf zentrale Ressourcen zurückgreifen zu können. Argumente, die bekannt sind - für Marquard & Bahls jedoch relativ neu.

Anders als in DAX-Konzernen muss Marquard & Bahls keine Aktionäre zufriedenstellen, die ständig darauf aus sind, mit allen Mitteln die Gewinnmargen nach oben zu treiben. Unter wirtschaftlicher Not litt Marquard und Bahls ohnehin nicht. Der Umsatz verdreifachte sich innerhalb der vergangenen vier Jahre. Das Betriebsergebnis verbesserte sich von 61 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 150 Millionen in 2006.

Lokale Flexibilität erhalten

Stefan Kaiser, IT-Direktor Marquard & Bahls: "Wir vereinbaren die Standards, verordnen sie nicht. Die Diskussionen sind ergebnisoffen, und die Profit Center können sie mitgestalten."
Stefan Kaiser, IT-Direktor Marquard & Bahls: "Wir vereinbaren die Standards, verordnen sie nicht. Die Diskussionen sind ergebnisoffen, und die Profit Center können sie mitgestalten."
Foto: Joachim Wendler

Trotzdem greift jetzt die neue Struktur: Die aus 40 Mitarbeitern bestehende zentrale IT war ab sofort für die strategische Planung, die übergreifende Koordination des IT-Teams und das IT-Budget zuständig. Drei verschiedene Gremien waren für künftige Entscheidungen da: der Ausschuss für IT-Strategien, der IT-Lenkungsausschuss für die Bereiche Oiltanking und Mabanaft sowie der IT-Infrastruktur-Council, der sich um die Vereinbarung künftiger Standards kümmert.

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