Projektmanagement


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Projekt-Konflikte zwischen IT und Fachbereich

13. September 2016
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Während IT-Entscheider mehr Wert auf Qualität legen, wollen Fachbereichsleiter vor allem schnell sein. Das zeigt eine Studie von Lünendonk und Business Factors.
IT-Entscheider und Fachbereichsleiter arbeiten bei Projekten immer enger zusammen.
IT-Entscheider und Fachbereichsleiter arbeiten bei Projekten immer enger zusammen.
Foto: FotolEdhar - Fotolia.com

Mit der Digitalisierung wird eine Trennung in IT-Projekte einerseits und ProjekteProjekte der Fachbereiche andererseits nicht mehr realistisch sein. Welche Konflikte das birgt, untersucht der Berater Lünendonk gemeinsam mit Business Factors, Berlin, in dem Whitepaper "IT in Projekten und Organisation". Basis sind Angaben von 122 Entscheidern. Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Als typische Beispiele dieser Entwicklung führen die Berater digitale Vertriebskanäle wie Online-Shops und mobile Apps samt ihrer Verzahnung mit den Vertriebsprozessen an. Auch digitalisierte Produktentstehungs- und Fertigungsprozesse unter dem Schlagwort der Industrie 4.0 weisen in diese Richtung.

Technologisch lösen die Akteure das Ganze etwa mit agilen Methoden. Jeder Fünfte (20 Prozent) gibt an, Scrum oder Kanban anzuwenden.

61 Prozent der Befragten bearbeiten Projekte mit gemischten Teams.
61 Prozent der Befragten bearbeiten Projekte mit gemischten Teams.
Foto: Lünendonk/Business Factors

Das "Spannungsfeld", von dem die Studienautoren berichten, beginnt bei der Zusammensetzung der Projektteams und ihren unterschiedlichen Mentalitäten. 61 Prozent der Befragten arbeiten in gemischten Teams, sei es unter Einbeziehen Externer oder der Kooperation verschiedener Fachbereiche und IT.

IT und Fachbereich priorisieren verschieden

Dabei zeigt sich, dass IT und Fachbereiche anders priorisieren. Verantwortet der IT-Entscheider Projekte, gilt der Faktor Qualität als wichtiger denn der Faktor Zeit. Steht der Fachbereichsleiter in der Verantwortung, ist es umgekehrt. "Das liegt zum Teil in der Nähe der Fachbereiche zu den Endkunden begründet, aus der sich im Zuge der Digitalisierung Anpassungen der Geschäftsprozesse und der Vermarktungsstrategien ergeben", kommentieren Lünendonk und Business Factors.

Das scheint vor allem für größere Unternehmen zu gelten, als solche definieren die Studienautoren Firmen ab fünf Milliarden Euro Umsatz. Den Grund sehen die Berater darin, dass größere Firmen die digitale Disruption "wesentlich früher spüren".

Lünendonk und Business Factors plädieren für einen "Trial & Error"-Ansatz, das Entwickeln und Erproben digitaler Geschäftsmodelle in hohem Tempo also. Umsetzen könnten Firmen das durch eigene Innovation Labs und die Kooperation mit Startups. Gleichzeitig räumen die Studienautoren ein, dass die bisherigen Erfahrungen mit solchen Kooperationen "sehr unterschiedlichen Erfolg" zeigten.

Insgesamt beziffern fast sechs von zehn Befragten den Anteil der Projekte, die sich auf IT-gestützte Prozesse auswirken, auf 60 bis hundert Prozent.
Insgesamt beziffern fast sechs von zehn Befragten den Anteil der Projekte, die sich auf IT-gestützte Prozesse auswirken, auf 60 bis hundert Prozent.
Foto: Lünendonk/Business Factors

Wie stark die IT mittlerweile in Projekte und Prozesse verwoben ist, bewerten die Akteure unterschiedlich. Fast sechs von zehn Befragten (56 Prozent) sehen eine enge Verquickung mit IT-gestützten Prozessen: Die Mehrheit der Projekte habe Auswirkungen auf IT-gestützte Abläufe (60 bis 100 Prozent). Knapp zwei von zehn Studienteilnehmern (19 Prozent) erkennen dies aber nur in 20 Prozent der Projekte.

Cloud Computing gilt offenbar kaum als Beschleuniger von Projekten. Lediglich 7,5 Prozent der Studienteilnehmer nennen Cloud Services als Mittel zu diesem Zweck.