Empfehlungen für Industrie 4.0

Roboter werden keine Jobkiller sein

30. August 2016
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Eine Studie vom Fraunhofer Institut und der Hochschule Karlsruhe zeigt Potenziale und Hindernisse von Robotics auf. KMU muss wegen der hohen Kosten geholfen werden. Accenture beklagt zu geringe Investitionen auch bei Großunternehmen.
In der smarten Fabrik arbeiten Menschen und Roboter einträglich zusammen.
In der smarten Fabrik arbeiten Menschen und Roboter einträglich zusammen.
Foto: TUM2282 - shutterstock.com

Die Vision ist revolutionär und könnte bis 2020 bei einem Automobilhersteller mit einem Jahresumsatz von 50 Milliarden Euro rund 500 Millionen Euro an Profitabilität wert sein: Connected Industrial Workforce. Die Prognose stammt aus einer Studie von Accenture, die die mit Industrie 4.0Industrie 4.0 verbundene Revolution der Arbeitskraft blumig ausmalt: "Man stelle es sich einmal vor: Anstatt Werkzeuge schwingender Menschen bevölkern Roboter unter menschlicher Aufsicht die Fabrikhallen. Diese Roboter führen nicht nur einfache Basisarbeiten aus, sondern nehmen auch Schlüsselfunktionen wahr. Dank digitaler Technologie arbeiten die Roboter in Echtzeit mit Menschen zusammen - und das in einem wechselseitigen Austauschprozess." Die Analysten ergänzen: "Science Fiction? Weit davon entfernt." Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Fachkräftemangel, Seytemanfälligkeit und Security

Es stecken mithin beträchtliche Potenziale für die Industrie in der von innovativer Software ermöglichten Automatisierung. Accenture befragte dazu 512 Führungskräfte aus Nordamerika, Westeuropa und Asien. Die Autoren wollten aber auch wissen, was Unternehmen aktuell an der Umsetzung der Vision hindert. 36 Prozent nennen hier den Mangel an benötigten Fachkräften. 32 Prozent führen die Verletzlichkeit von Daten an - also die Bedrohung der Datensicherheit, zumal in der Cloud. 30 Prozent sorgen sich ob der Systemanfälligkeit, konkret etwa wegen komplexitätsbedingter Systemzusammenbrüche. Etwa geringer werden demgegenüber die Risiken bewertet, die im Arbeitsrecht, in Gewerkschaftsbedenken oder im möglichen Arbeitsplatzabbau lauern.

Politisch erscheint aber gerade die Sorge vor möglichen Auswirkungen der Automatisierung auf den Arbeitsmarkt als brisant. Im Auftrag der Europäischen Kommission haben Karlsruher Wissenschaftler jetzt eine Studie vorgelegt, die verbreiteten Ängsten zum Trotz sogar insgesamt positive Folgen für die Arbeitslage innerhalb der EU durch Robotersysteme erwartet. Erstellt wurde die EU-Studie vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (FraunhoferFraunhofer ISI) und der Hochschule Karlsruhe. Top-500-Firmenprofil für Fraunhofer

Zur Einordnung der Untersuchung ist zum einen daran zu denken, dass sich die EU seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise das Pflegen einer eigenen Industrielandschaft auf die Fahne geschrieben hat - kurzum vom Konzept der Deindustrialisierung dezidiert abgekehrt ist. Zum anderen wird bekanntlich an einer EU-weiten Digitalisierungsstrategie gearbeitet.

Laut Studie sind Industrieroboter und Robotics-Anwendungen eine Schlüsselaktivierungstechnologie, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Fertigungsindustrie und die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt zu verbessern. Man habe neue empirische Beweise dafür erbracht, dass die weitere Entwicklung und Verbreitung von Robotersystemen die Wachstumspotenziale der europäischen Industrie zu heben hilft, so die Studienautoren.

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