Ratschläge von McKinsey

Was einen zum guten Chef macht

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Gute Führungskräfte lassen ihre Mitarbeiter Fehler machen, loben bei Erfolgen das ganze Team und treffen Entscheidungen schnell. Stanford-Professor Bob Sutton zeigt, wie man ein vorbildlicher Chef wird.
Die Diskrepanz zwischen erfolgreichen Unternehmen und Flop-Unternehmen geht zu 15 Prozent auf das Verhalten der Chefs zurück.
Die Diskrepanz zwischen erfolgreichen Unternehmen und Flop-Unternehmen geht zu 15 Prozent auf das Verhalten der Chefs zurück.
Foto: Sergey Nivens - shutterstock.com

"Ich Chef, Du Nix", lautet der Aufdruck eines dieser mäßig lustigen T-Shirts in Bahnhofsläden. Bob Sutton, Professor für Management Science and Engineering an der Stanford University, kann über so etwas sicher nicht lachen. Er behauptet: Für drei von vier Beschäftigten ist ihr Vorgesetzter Stress-Faktor Nummer Eins. In einer Publikation des Unternehmensberaters McKinsey klärt Sutton darüber auf, was gute Chefs von schlechten unterscheidet.

Suttons These: Die Diskrepanz zwischen erfolgreichen Unternehmen und Flop-Firmen geht zu 15 Prozent auf das Verhalten der Chefs zurück. Er spricht hier nicht von Fachkenntnissen, sondern von Soft SkillsSkills. Führungskräfte prägen die gesamte Unternehmenskultur, weil ihr Verhalten auf die Belegschaft abfärbt, so der Stanford-Professor. Alles zu Skills auf CIO.de

Gute Chefs zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Mitarbeiter ermutigen und sich bei Problemen schützend vor sie stellen. Außerdem übernehmen sie die Verantwortung für eigene Fehler. Das heißt konkret:

1. Ein guter Chef demonstriert auch dann Vertrauen, wenn er keines hat. So hat es zum Beispiel Andy Grove gehalten, Intel-CEO von 1987 bis 1998. Grove behauptet, eine Führungskraft könne durch ihr Verhalten Realitäten beeinflussen. These: Wenn der Chef sich von einer Entscheidung überzeugt zeigt und seinen Mitarbeitern das auch vermittelt, arbeiten diese effizienter (weil vertrauensvoller und konzentrierter). Es passieren weniger Fehler. Das schlägt sich früher oder später in der Performance nieder.

2. Ein guter Chef zaudert nicht. Beschäftigte wollen einen Vorgesetzten, der Entscheidungen trifft, so Sutton. Es sei besser, eine Entscheidung nachträglich zu ändern, als sie zu lang hinauszuzögern.

3. Ein guter Chef zollt Anerkennung - und bekommt selbst welche. Das Schöne am Chefsein ist, dass man Lob für die Arbeit anderer bekommt, findet Sutton. Ein schlauer Boss macht sich das bewusst und betont intern wie extern, dass er stolz auf die Leistung seines Teams ist. Intern motiviert er damit die Belegschaft, extern präsentiert er sich als kompetent und bescheiden.

Fehler auf die eigene Kappe nehmen

4. Ein guter Chef nimmt Fehler auf die eigene Kappe. Stellvertretend dafür steht Michael McCain, CEO bei Maple Leaf Foods. Der Lebensmittelkonzern erlebte im Sommer 2008 ein Desaster mit verdorbenem Fleisch - 15 Menschen starben, weitere erkrankten. McCain bekannte sein Unternehmen und auch sich selbst sofort verantwortlich. Er schob nichts auf andere und selbstverständlich entschuldigte er sich. Sein Auftritt vor den Fernseh-Kameras war glaubwürdig, so Sutton.

Nach Verlusten im Jahr 2008 war Maple Leaf schon 2009 wieder profitabel. Im Februar 2010 erklärte McCain, die Marke erhole sich.

Stanford-Professor Sutton weist darauf hin, dass McCain nicht nur angesichts der dramatischen Auswirkungen des Gammelfleisches richtig gehandelt habe - der CEO lernte auch aus den Fehlern. Die Verbraucher nehmen ihm das offenbar ab.

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