Harte Eigenanalyse hilft beim Wiedereinstieg

Wie es nach der Kündigung weitergeht

06. April 2009
Von Michael  Leitl
Führungskräfte verlieren ihren Job meistens durch Machtspiele. Viele erleiden dadurch psychische Verletzungen, die bis zur Depression führen können. Um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, müssen sie ihr Scheitern analysieren. Die gewonnene Selbsterkenntnis werten neue Arbeitgeber positiv.

HBM: Laut einer US-Studie findet nur jeder dritte Ex-CEO wieder einen Job im aktiven Management. Fällt abgestürzten Vorständen in Deutschland der Wiedereinstieg genauso schwer?

Sendele: Meiner Erfahrung nach finden in Deutschland etwa zwei Drittel aller entlassenen Vorstände wieder eine ähnliche Position. Es gibt allerdings eine Ausnahme. Das sind die Manager über 60. Ich schätze, dass es dort nur noch jedem Zehnten gelingt, nach einer Kündigung ins aktive Management zurückzukehren.

HBM: Es scheint, als würde die Arbeit als CEO schwieriger. Seit dem Jahr 2000 haben 21 der 30 Dax-Konzerne einen neuen Vorstandsvorsitzenden bekommen. Die durchschnittliche Verweildauer an der Spitze von Unternehmen liegt bei etwas über vier Jahren.

Sendele: Das stimmt. Der Job für Vorstände wird schwieriger. Sie stehen immer stärker unter Beobachtung. Nicht nur durch die Öffentlichkeit, auch die Aufsichtsräte nehmen ihre Aufgabe zunehmend ernst. Bei Managementfehlern greifen sie schneller ein als früher.

HBM: Woran scheitern Topmanager am häufigsten?

Sendele: Für einen Absturz aus dem Olymp des Managements gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Sehr oft sind es reine Machtspiele und Intrigen, mit denen Vorstände kämpfen müssen. Dann gibt es natürlich die handwerklichen Fehler, wenn ein Manager zum Beispiel nicht in der Lage ist, das Wachstum eines Unternehmens erfolgreich zu steuern, er in die falschen Bereiche investiert oder nicht rechtzeitig erforderliche Restrukturierungsmaßnahmen einleitet und sich deshalb Verluste anhäufen. Immer wieder verlieren Manager aber auch den Bezug zur Realität. Sie nehmen sich selbst zu wichtig, produzieren sich in der Öffentlichkeit und vernachlässigen ihre Arbeit. Schließlich gibt es noch Manager, die mit illegalen Geschäften in Verbindung gebracht werden.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von harvardbusinessmanager.de.
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von harvardbusinessmanager.de.

HBM: Kommen wir auf den Kampf um die Macht zu sprechen. Der beschäftigt einen CEO offenbar sehr intensiv.

Sendele: Das stimmt. Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel verdeutlichen. Wer Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens wird, muss zu Beginn seiner Tätigkeit ganz genau prüfen, ob er mit seiner Führungsmannschaft klarkommt. Solange ihm Widersacher aus den eigenen Reihen Knüppel zwischen die Beine werfen können, wird er seine Entscheidungen nicht effizient umsetzen können.