Bewerbungsgespräch

Assessment-Center – Nein danke!

13.11.2012, von Kristin Schmidt

Lebenslauf, Anschreiben, Bewerbungsgespräch – alles kein Problem. Doch beim Assessment-Center schrecken viele Bewerber zurück. Wer sich mit dem Auswahlverfahren schwer tut und welche Konsequenzen Unternehmen daraus ziehen müssen.

Vorstellungsrunde, Gruppenarbeit und die obligatorische Postkorbübung sind die zentralen Inhalte eines jeden Assessment-Centers. Die Auswahlverfahren dauern zwischen ein und drei Tagen, und sind gerade bei großen Unternehmen nicht mehr weg zu denken.

Doch so gerne Personaler die Teilnehmer in voller Aktion begutachten, so Nerven aufreibend ist der Bewerbungsmarathon für die potentiellen Mitarbeiter. Das geht sogar so weit, dass viele sich gar nicht erst bewerben, wenn ein Assessment-Center auf dem Programm steht. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Crosspro-Research, einer Marktforschungsplattform zu den Themen Job und Karriere.

Zwar sieht über die Hälfte der 19.500 Befragten in einem Assessment-Center kein Hindernis für Ihre Bewerbung. Immerhin ein Viertel der Stellensuchenden lehnt ein Assessment-Center für sich persönlich aber ab. Eine Einstellung, die Personalexperte Wolfgang Brickwedde vom Institute for Competitive Recruiting nicht nachvollziehen kann. Die Bewerber müssten Assessment-Center eigentlich begrüßen, da sie ihnen einen besseren Einblick in die Unternehmenskultur vermittelten. Die Kandidaten könnten zum Beispiel miterleben "wie die teilnehmenden Führungskräfte miteinander umgehen", sagt Brickwedde.

Wolfgang Wannoff - 13.11.2012 15:41
Ich kann Herrn von Gersdorf in vollem Umfang zustimmen. Ergänzend denke finden die Assessmentcenter Zustimmung bei nicht wirklich unternehmerisch denkenden Personalern. Es geht hier um die Methode "cover your ass". Ob mit oder ohne Assessmentcenter werden Fehler bei Einstellungen nicht vollständig vermeidbat sein. Der angestellte Personaler und natürlich auch der Personaldienstleister können sich hier scheinbar wunderbar gegebüber Vorgesetzten oder Auftraggeber absichern, da ja an Hand von Strichlisten und Punkten "objektiv" richtig entschieden wurde. Den von Herrn Brickwede für den Bewerber genannten Vorteil sehe ich nicht wirklich. Der Vorteil liegt vielmehr bei den Bewerbern, die sich besonders gut auf eine Assessmentcenter-Bewerbung vorbereitet haben. Das müssen keine schlechten Bewerber sein, die anderen aber auch nicht.
Jens von Gersdorff - 13.11.2012 15:19
Assessment-Center lehne ich als Bewerber ebenso ab wie als Einstellender. Der Grund ist einfach: Ich kann mir eine Meinung über einen Menschen bilden und erwarte dies in der gleichen Form von meinem zukünftigen Vorgesetzten.. und erst recht Chef. Assessment-Center haben in diesem Zusammenhang die gleiche Bedeutung wie der um sich greifende Zertifikatswahn. Sie beweisen lediglich, dass man zu seiner Urteilsfähigkeit kein oder wenig Vertrauen hat und dieses am liebsten auf vermeintliche "Fachleute" überträgt. Menschen sind zum Glück nicht standardisierbar und können demzufolge auch nicht in einen standardisiertem Verfahren beurteilt werden. Würde ich meine Teams in einer solchen Form zusammenstellen hätte ich so manchen genialen PL oder Entwickler übersehen. Aber für Personalberater eine weitere Chance Geld zu verdienen!
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