SAP, Oracle, Epicor, Lawson und Co.

Die 10 größten ERP-Pannen 2011

12.01.2012, von Andreas Schaffry

Im Juni 2011 wurden zwei Manager und mehrere Mitarbeiter von Technodyne angeklagt. Die Stadtverwaltung fordert die Rückzahlung bereits bezahlter Gelder.

Fall 3: Ingram Micro mit SAP-Problemen

Setzt der Einführungspartner ein ERP-Projekt in den Sand, sind die Folgen für den Kunden meist Schäden in Millionenhöhe.Vergrößern
Setzt der Einführungspartner ein ERP-Projekt in den Sand, sind die Folgen für den Kunden meist Schäden in Millionenhöhe.
Foto: Eisenhans - Fotolia.com

Der Technologie-Dstributor Ingram Micro meldete für das erste Quartal 2011 einen massiven Gewinneinbruch von 70 auf 56 Millionen Dollar. Laut Unternehmen sei dieser in erster Linie auf Schwierigkeiten mit einem neuen Enterprise System in Australien zurückzuführen, wo man gerade eine SAP-Software einführte. Gleichzeitig warnte die Firma davor, dass sich das Projekt weiter negativ auf die Finanzen auswirken könne. Inzwischen sollen die Probleme gelöst sein.

Fall 4: Montclair State Universität verklagt Oracle

Im Mai 2011 hat die Montclair State University (MSU) im US-Bundesstaat New Jersey Klage gegen Oracle eingereicht. Der Software-Hersteller soll die Implementierung einer Peoplesoft-Lösung vermurkst haben, mit der die Uni ein betagtes Legacy-System ersetzen wollte. Aufgrund von Pfusch würde es die Universität mehr als 20 Millionen Dollar kosten, das IT-Projekt abzuschließen. Oracle schoss umgehend zurück und behauptete, alle Probleme seien auf Fehler der Hochschule zurückzuführen. Die MSU ergänzte daraufhin die Klage. So habe der Hersteller im Verkaufsprozess eine manipulierte Lösung gezeigt und sei auch der Erpressung schuldig, wird dort behauptet.

Fall 5: Auch Epicor vor dem Kadi

Parknpool, ein Online-Verkäufer von Garten- und Balkonmöbeln, hat Epicor vor Gericht gezerrt, weil der Anbieter in einem ERP-Projekt eine "große Sauerei" verursacht haben soll. Ursprünglich hatte man das Epicor-ERP-Produkt gewählt, weil es besser integriert schien als die alte Lösung. Doch alles lief im Projekt schief. Geplant war, die neue Software innerhalb von sieben Wochen zu installieren. Nach sieben Monaten war nach Darstellung von Parknpool immer noch nichts passiert. Es ließen sich weder Bestellungen bearbeiten noch eine Gewinn- und Verlust-Rechnung anzeigen.

Fall 6: Dunkle ERP-Machenschaften

Die Verwaltung von Marine County im US-Bundesstaat Kalifornien verklagte SAP und Deloitte Consulting vor einem Bundesgericht. Beide Unternehmen sollen den Bezirk in Zusammenhang mit einem fehlgeschlagenen ERP-Projekt um mehr als 20 Millionen Dollar geprellt haben. Der Bezirk hatte ursprünglich nur Deloitte vor einer niedrigeren Gerichtsinstanz verklagt, weil der Systemintegrator angeblich unerfahrene Berater eingesetzt hat, was zu Problemen geführt haben soll.

Wolfgang Werner - 26.01.2012 15:13
Naja, die Geschichten mit 'statt 50 Mio hats 700 Mio gekostet' machen immer ne gute Schlagzeile her. Aber was nie genannt ist: wie war die Qualität der ursprünglichen Ausschreibung? Wie waren die Specs? Was geb es als CRs? usw.... der Auftraggeber ist nicht immer unschuldig an der Verteuerung, sei es durch schwammige Specs, Nachforderungen an der Funktionalität, die oftmalig ein komplettes Redesign der Anwendung bewirken usw...
Werner Mueller IT Veterane - 25.01.2012 12:33
Ja, Ja die Anzahl der Beratungsfirmen die auf schnelles Geld aus sind ohne entsprechende Kompetenz mit einzubringen ist doch sehr vielfältig. Zentrale Systeme abzulösen die über Jahrzehnte treue Dienste geleistet haben ist weder einfach noch billig. Meist auch nicht kostengünstiger. Der Zeitgeist hat Einzug gehalten und kein Vorstand mag zurückstehen wenn beim sonntäglichen Golf die Kollegen ins Schwärmen kommen wie toll denn ihre Lösung wäre. Fazit: kein Projket wurde innerhalb des Zeit- und Kostenrahmens durchgeführt. Viel Geld und Energie wurde verwendet um den Misserfolg zu vertuschen.
Frank Naujoks - 25.01.2012 12:01
Interessant wäre auch noch mal die Recherche, was aus den anfangs erwarteten Kosten und den dann zum Projektende verbreiteten Kosten bei Edeka's SAP Einführung geworden ist. Muss nicht zwangsläufig eine Panne sein, aber 50% oder 100 Mio€ mehr, könnte man ja mal hinterfragen.
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