Strategien


Transformation im Procurement

Die Zukunft des Einkaufs

30. September 2016
Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Wird der Chefeinkäufer bald durch Algorithmen ersetzt? Warum und wie sich Firmen mit solchen Fragen beschäftigen sollten, beschreibt eine spannende KPMG-Untersuchung. Über die Transformation im Procurement.

Wenn alles glatt läuft, interessiert sich niemand für Einkaufsabteilungen - abgesehen natürlich von Einkäufern und ihren Vorgesetzten. Auch in Deutschland war das Thema 20 Jahre lang quasi aus der Öffentlichkeit verschwunden. Bis Mitte August ein Zulieferer VWVW zwang, die Golf-Produktion für mehrere Tage zu stoppen, indem es die Versorgung mit Getriebeteilen und Sitzbezügen einstellte. Top-500-Firmenprofil für VW

Volkswagen: Die Golf-Produktion musste durch den Konflikt mit der Zulieferfirma zeitweise gestoppt werden.
Volkswagen: Die Golf-Produktion musste durch den Konflikt mit der Zulieferfirma zeitweise gestoppt werden.
Foto: Volkswagen AG

Die genauen Hintergründe des Streits, der am 23.8. durch 19(!)-stündige Verhandlungen beendet wurde, sind unklar. In jedem Fall offenbarte die Affäre aber enorme Abhängigkeit großer Autokonzerne von ihren Zulieferern.

Um Kosten zu sparen, haben VW und seine Konkurrenten in den zurückliegenden Jahren die Fertigungstiefe immer weiter verringert, will sagen sie produzieren immer weniger der benötigten Einzelteile selbst, lassen sie stattdessen On Demand von Dritten ans Band liefern. Der Anteil der Zulieferer an der Wertschöpfung eines Autos liegt heute bei etwa drei Vierteln.

Der Einkauf ist also für die Unternehmen von zentraler Bedeutung - auch wenn er für die Öffentlichkeit wenig Sexappeal hat. Grund genug für KPMG, sich gemeinsam mit der Florida State University intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Die Studie mit dem Titel "Future-Proof Procurement", also "Zukunftssichere Beschaffung", verdeutlicht ihr zentrales Anliegen im Untertitel: "Die große Beschaffungs-Transformation".

Algorithmen statt Beschaffer

Kernthese ist - wie der Fall VW deutlich gezeigt hat - dass Einkäufer in Zukunft noch mehr als bisher mit Unsicherheiten und schwer kalkulierbaren Verwerfungen zurechtkommen müssen. Wenn es sie noch gibt. Denn auch mit der Frage, ob nicht Beschaffer zunehmend durch Algorithmen ersetzt werden (sollten), beschäftigt sich die Studie.

Der Spaß am Shopping könnte Procurement-Experten in Zukunft teilweise vergehen.
Der Spaß am Shopping könnte Procurement-Experten in Zukunft teilweise vergehen.
Foto: gpointstudio - shutterstock.com

Bemerkenswert ist die Untersuchung aus drei Gründen. Erstens basiert sie auf der These, dass Unternehmen zwar die Zukunft nicht vorhersagen, sie aber dennoch mithilfe der richtigen Methoden jene Risiken, die auf sie warten, kalkulieren und damit minimieren können. Zweitens geben die Autoren klare Handlungsempfehlungen, formulieren quasi eine Anleitung zum Umgang mit der Zukunft.

Benchmarks bilden Zukunft nicht ab

Drittens schließlich ist auch die angewandte Methodik bemerkenswert: Anstatt wie sonst bei vergleichbaren Untersuchungen üblich, haben die Autoren nicht etwa eine mehr oder weniger große Anzahl von Unternehmen dazu befragt, wie sie Procurement betreiben und auf welche Szenarien sie sich einstellen, um dann daraus Benchmarks abzuleiten.

Ähnlich der Logistik beim privaten E-Commerce könnten die Prozesse auch im Unternehmens-Procurement zukünftig weitgehend automatisiert werden.
Ähnlich der Logistik beim privaten E-Commerce könnten die Prozesse auch im Unternehmens-Procurement zukünftig weitgehend automatisiert werden.
Foto: DexxIT

Eine solche Methodik, schreibt KPMG, sei "rückwärtsgewandt, vergangenheitsorientiert. Zum Zeitpunkt der Nutzung eines Benchmarks ist er bereits überholt. Was die gebenchmarkten Klassenprimusse morgen tun werden, um ihren Klassenbestenstatus zu halten, auszubauen und um ihren zukünftigen Return on Procurement (RoP) zu steigern, wird nicht erfasst."

Stattdessen hat KPMG eine Reihe ausgewiesener Fachleute in sogenannten "Expertengesprächen" befragt. Darüber hinaus wurden im Rahmen des "Literaturstudiums" über 120 nationale und internationale wissenschaftliche Zukunfts- und Szenariostudien gesichtet, exzerpiert und so für die Studie erschlossen. Methodisch handelt es sich also mehr um eine wissenschaftliche Arbeit und weniger um eine empirische Studie.

Die beschäftigt sich im ersten Schritt mit der Frage, welche zentralen Unsicherheiten auf Einkäufer lauern, zweitens werden diese Unsicherheiten klassifiziert, will sagen in wahrscheinliche, wünschenswerte und mögliche "Zukünfte" eingeteilt.

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