Workshops mit dreidimensionalem Spiel

Lego-Klötzchen für Manager

20. Mai 2009
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Die bunten Bausteine sind auch etwas für Menschen jenseits des Kindergartenalters. Unternehmen buchen Workshops für ihre Manager, in denen diese Roboter programmieren und mit ihnen Aufgaben lösen. Das Selbermachen bindet an Entscheidungen.
Fährt er oder fährt er nicht? Am Anfang erscheinen die Aufgaben vielen Teilnehmern schwierig. Keiner will sich blamieren.
Fährt er oder fährt er nicht? Am Anfang erscheinen die Aufgaben vielen Teilnehmern schwierig. Keiner will sich blamieren.

Manchmal passieren Dinge, die spannender sind als Fußball. Rund um zwei Spieltische drängt sich eine Gruppe von Männern. Mehrere von ihnen haben Roboter aus Legosteinen in der Hand, andere halten Block und Stift und blicken angestrengt auf das Spielfeld. Sie setzen die Roboter auf die billardtischgroße Fläche und lassen sie fahren, Drehungen vollführen und wie Ritter Lanzelot mit einem Speer Ringe aufspießen. Was den 21 Teilnehmern vor einer halben Stunde noch viel zu lange dauerte und viel weniger spannend war als die Bundesliga-Übertragung am anderen Ende des Raums, hat nun ihre volle Aufmerksamkeit. Die Roboter von Lego Mindstorms stehen im Zentrum des Interesses.

Mario Thelen und Kai Forst vom Unternehmen ju*nju haben 21 Mitarbeiter aus drei verschiedenen Firmen - 19 Männer und zwei Frauen - an einem Samstag zum sogenannten Creativity Cup in Miesbach am Tegernsee zusammengebracht. Zwanzig Minuten lang erklären sie den Teams Schlossquelle, Krüger Cappuccino und Bongrain (Géramont-Käse), wie es geht. Wie sie am Laptop die Bewegungen des Roboters programmieren, wie sie ihn aus dem Baukasten mit zusätzlichen Teilen und Sensoren bestücken und über das Ladekabel die neuen Informationen auf ihn laden.

Auf jedem Tisch liegt zudem ein Zettel mit Aufgabenstellungen, die es innerhalb der nächsten 150 Minuten zu lösen gilt. Und das möglichst kreativ. Denn am Ende werden Punkte verteilt, die sich zur Hälfte aus Problemlösungs- und zur anderen Hälfte aus Kreativitätspunkten zusammensetzen. Das klingt anfangs alles so kompliziert, dass den Beteiligten die Ehrfurcht ins Gesicht geschrieben steht. Die Aufgaben erscheinen ihnen schwierig, sie trauen sie sich nicht recht zu, wollen sich nicht vor den anderen blamieren.

"Die meisten sind anfangs ängstlich"

Nach den ersten erfolgreichen Roboterfahrten ist die Aufregung vergessen. Lars Ringe beobachtet dies aus dem Hintergrund und lächelt zufrieden. Der Däne hat die Roboteraufgaben für Geschäftsleute entwickelt und mit seinem Unternehmen RobotLab bereits erfolgreich in Singapur und Saudi-Arabien eingesetzt. Der Creativity Cup in Miesbach ist sein erster Workshop in Deutschland. Andere Länder, ähnliche Verhaltensmuster: "Die meisten Menschen sind anfangs ängstlich. Doch dann lösen sie zusammen Aufgaben und entdecken, wie viel Potenzial in ihnen steckt", weiß Ringe. Das könne man auch auf die Arbeit im Unternehmen übertragen: Bei der nächsten schwierigen Aufgabe traue man sich zu, diese gemeinsam anzugehen.

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