Strategien


Internet der Dinge

McKinsey über Lessons Learned bei IoT

07. Oktober 2015
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Damit das riesige Potenzial vom Internet of Things abgerufen werden kann, müssen noch Probleme bei Integration, Storage und Datenübertragung gelöst werden.
Insgesamt 99 Prozent der Daten, die Sensoren eines Erdölbohrturms sammeln, gehen verloren. Die Grafik zeigt, warum.
Insgesamt 99 Prozent der Daten, die Sensoren eines Erdölbohrturms sammeln, gehen verloren. Die Grafik zeigt, warum.
Foto: McKinsey Global Institute

Die gewaltige Zahl lässt aufhorchen: 11,1 Billionen US-Dollar, und zwar jährlich. So groß kann der ökonomische Einfluss des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT) nach Einschätzung von McKinsey in zehn Jahren sein. Das wären rund 11 Prozent der Weltwirtschaft des Jahres 2025. Die schiere Dimension dieser prognostizierten Größen wirkt betäubend. Deshalb sei angemerkt: Die McKinsey-Analysten beziffern mit dieser Zahl das absolute Maximum des IoT-Potenzials - realisierbar nur dann, wenn tatsächlich sämtliche Hürden für die Entfaltung der Technologie flugs verschwinden und die Anwender sich ungebremst in die Nutzung stürzen. Das untere Ende der Skala, also die Summe für eine denkbar schlechte Entwicklung, veranschlagt McKinsey auf 3,9 Billionen US-Dollar im Jahr; immerhin auch ein erklecklicher Batzen Geld.

IoT ermöglicht Abschied von Wartungsroutinen

Unverkennbar also unterstreicht die Studie "The Internet of Things: Mapping the value behind the hype" das umwälzende Potenzial von IoT, dessen Ausschöpfung in den kommenden Jahren gleichwohl erst noch gelingen muss. Das McKinsey Global Institute (MGI) hat für die Studie gemeinsam mit einer anderen Sparte des Beratungshauses - McKinsey Telecommunications, Media and High Technology Practice - nach eigenen Angaben alles zusammengetragen, was man in den vergangenen Jahren über das Internet der Dinge gelernt und untersucht hat. Auch aus IT-Perspektive sind die Erkenntnisse höchst aufschlussreich.

Drei entscheidende Botschaften der Studie lassen sich an einem konkreten IoT-Beispiel verdeutlichen. Man stelle sich eine Erdölbohranlage irgendwo mitten im Meer vor, die wie heute bereits üblich mit 30.000 Sensoren bestückt ist. Die Sensoren dienen der Überwachung der einzelnen Maschinen und Systeme. In der Regel nutzen die einzelnen Hersteller diese Daten jeweils für sich, um notwendige Wartungen timen zu können.

Ableiten lassen sich daraus drei Dinge auf die McKinsey aufmerksam macht:

  • Erstens schlummert eine Menge ungenutztes Potenzial in der Interoperabilität der IoT-Systeme.

  • Zweitens bleiben derzeit fast alle der gesammelten Daten ungenutzt, obwohl sich aus ihnen jenseits der Kontrollfragen eine Menge herauslesen ließe.

  • Drittens eröffnet IoT eine Menge Chancen für neue Geschäftsmodelle und -praktiken.

Interoperabilität vorausgesetzt hieße das im Beispielfall, der sich auf die maschinelle Fertigung im Allgemeinen übertragen lässt: Abschiednehmen von der Wartungsroutine nach vorgefertigten Zeitplänen. Die Sensoren sagen einem Unternehmen schließlich genau, wann wo etwas gecheckt oder repariert werden muss.

Interoperabilität klappt noch nicht

Am enormen Wert des Faktors Interoperabilität zwischen einzelnen IoT-Systemen lässt McKinsey ohnehin nicht den geringsten Zweifel. Im Durchschnitt macht sie laut Studie zwei Fünftel des potenziellen wirtschaftlichen Wertes aus, den IoT ermöglicht; in manchen Szenarien sind es sogar 60 Prozent. Anders betrachtet: Die eingangs genannten über 11 Billionen US-Dollar an jährlichem Potenzial limitieren sich ohne Ausnutzung dieses Faktors sofort auf lediglich 7 Billionen.

"Interoperabilität würde die Performance signifikant verbessern, indem Sensordaten verschiedener Maschinen und Systeme kombiniert werden und die Entscheider eine integrierte Sicht auf die Leistung in der gesamten Fabrik oder auf der ganzen Bohrplattform erhalten", heißt es in der Studie. Mehr als die Hälfte der potenziellen Probleme, die mit Hilfe von Predictive Analytics identifiziert werden können, benötigten Daten verschiedener IoT-Systeme. In der Erdöl- und Erdgasbranche ließe sich die Effektivität der Gerätewartung um 100 bis 200 Prozent steigern.

40 Prozent der Daten nicht einmal gespeichert

"IoT sollte eine Schlüsselquelle von Big Data zur wertschöpfenden Analyse und von Open Data zur Nutzung durch mehr als einen Bereich sein", führen die Studienautoren weiter aus. Im genannten Beispiel werde indes nicht einmal 1 Prozent der von den Sensoren gesammelten Daten zur Entscheidungsfindung genutzt. 99 Prozent der Daten gehen also direkt auf der Förderplattform verloren. Bei 40 Prozent der Daten geschieht das laut Studie, weil sie überhaupt nicht gespeichert werden. Die Infrastruktur sei lediglich darauf ausgelegt, 1 Prozent der Daten vom Meer an Land weiterzuleiten. Das Datenmanagement erlaube keinen Echtzeit-Zugang, das Reporting sei auf wenige Metriken begrenzt.

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