Garantie in der Autoindustrie

Standard mit Anlaufschwierigkeiten

18. Juni 2007
Von Andreas Schmitz
Obwohl es seit zwei Jahren den Standard QDX (Quality Data Exchange) für den Datenaustausch zwischen Herstellern und Zulieferern in der Autobranche gibt, schätzen Experten die "QDX-Konformität" vage auf "zwischen 20 und 80 Prozent".
Oliver Kelkar, Leiter CC Quality Management, Mieschke Hofmann + Partner: "Zulieferer haben derzeit oft einen manuellen Zugriff auf die Portale der OEMs - das ist zeitaufwändig und fehleranfällig."
Oliver Kelkar, Leiter CC Quality Management, Mieschke Hofmann + Partner: "Zulieferer haben derzeit oft einen manuellen Zugriff auf die Portale der OEMs - das ist zeitaufwändig und fehleranfällig."

Für die 1-er-Serie hat der Münchener Autohersteller BMW eine Menge Koordinationsaufwand. Über hundert Systeme und Module von etwa 70 Zulieferern sind in dem Golf-großen Auto verbaut. Kommt ein Kunde zum Händler und pocht auf eine Garantieleistung, muss der zunächst klären, was den Fehler verursacht hat, um darauf hin den verantwortlichen Zulieferer zur Verantwortung zu ziehen. Und hierfür muss der Autohersteller zudem den Fehler als wichtig erkannt haben, um ihn überhaupt anzugehen.

Das kann dauern: Nach Angaben der US-amerikanischen Fachzeitschrift Warranty Week vergehen bis zu 160 Tage vom ersten Auftreten des Problems bis zur Fehlerbehebung. Über zehn Milliarden Euro verliert die
Autobranche Jahr für Jahr durch Garantieleistungen. Die Warranty Week geht allein für die US-Konzerne Ford und GM von 8,7 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) aus. Entsprechende Rückstellungen für derartige Garantieleistungen liegen nach Angaben des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie zwischen drei und acht Prozent.

Kein Wunder also, dass die Autobranche die Zeit der Rückstellungen so kurz wie möglich machen will. Denn Zeit ist Geld. Nach einer aktuellen Studie der Marktforschungsgesellschaft IDC sehen die 50 IT-Verantwortlichen unter Automobilzulieferern besonders im glatteren Datenaustausch die Möglichkeit, effizienter zusammenzuarbeiten. Von speziellen Datentransferlösungen (86 Prozent), standardisierten Datenformaten (84 Prozent), über den Einsatz von Portalen (80 Prozent) über eine bessere Einbindung der Geschäftspartner in die Geschäftsprozesse (50 Prozent) bis hin zur besseren Vernetzung der IT-Systeme (44 Prozent) sehen die Befragten ein breites Spektrum nötiger Aktivitäten für die Zukunft.

Volkswagen: Engineering Collaboration.
Volkswagen: Engineering Collaboration.

Ein so genannter Tier 1-Zulieferer wie etwa Bosch, ZF Friedrichshafen oder Brose nutzt nach Angaben von Hubert Österle von der Uni St. Gallen etwa 30 Portale und über 300 IT-Anwendungen der Hersteller, der OEMs. Die Voraussetzung für eine bessere Kommunikation schafft jedoch der Autobauer, der den Zugriff auf das eigene Portal vereinfachen kann.

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