IT-Trends, einmal kritisch betrachtet

Was 2007 in der IT-Welt nicht geschieht

11. Dezember 2006
Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
IT-Marktforscher und -Analysten suchen und finden in der Regel stets neue Trends oder Hype-Themen. Einen anderen Weg gingen jetzt die Analysten von Abi Research. Sie kommen in einem Positions-Papier zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Trends wie RFID überbewertet sind und deren Durchbruch - wenn überhaupt - erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet.

Die Analysten gehen dabei sowohl auf so genannte Trendaussagen im Business-to-Consumer (B-to-C)- wie im Business-to-Business-Bereich (B-to-B) ein. Beispielsweise werden im B-to-C weder der Konsolen-Krieg zwischen MicrosoftMicrosoft, Sony und Nintendo noch die Frage, welcher DVD-Standard (HD-DVD oder Blue-Ray) sich durchsetzt, entschieden. Auch Handy-TV steht erst am Anfang der Entwicklung. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Hart ins Gericht gehen die Analysten besonders mit prognostizierten Hypes im B2B-Bereich. Sie stellen dies anhand von Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access), RFID und dem Standard IEEE 802.11n dar. Mit dem mobilen Breitbandfunk Wimax sollen breitbandige Zugänge, etwa zum Internet, via Funknetz angeboten werden. Diese würden UMTS-Services als Zugangstechnologie ablösen. Marktforscher prognostizieren der Wimax-Zugangs-Technologie eine glänzende Zukunft.

Dagegen wenden die Abi-Research-Analysten ein, dass Wimax bisher noch keine Stadt und kein Land komplett abdeckt. Allenfalls für die Zeit nach 2007 ist mit einem Anstieg von Wimax-Netzwerken zu rechnen, und dann vor allem in asiatischen Ländern.

Seifenoper um RFID

Auch RFID ist zum Hype-Thema aufgeblasen worden. Es wird im nächsten Jahr nicht aus den Schlagzeilen verschwinden, sondern weiterhin die "beste Seifenoper" sein. Zwar sehen die Analysten in der RFID-Technologie durchaus Potenziale, um Geschäftsprozesse zu verbessern. Dies gilt vor allem für die Logistikbranche und in Industrien, wo die Rückverfolgbarkeit von Bauteilen wichtig ist (Medizintechnik, Automobilindustrie). Allerdings taugt das viel beschworene "Internet der Dinge" keineswegs zur Zauberformel für wohlfeile ROI- und TCO-Berechnungen, wie es die Anbieter von RFID- Lösungen suggerieren. RFID-Einführungen laufen nicht nach dem Plug-and-Play-Prinzip, sondern sind komplex und erfordern kostenintensive Anpassungen und Zusatzentwicklungen.