Was Arbeitgeber erwarten

Change-Management-Kompetenz besonders gefragt

02. Juni 2016
Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Der Stellenmarkt für IT-Fachkräfte entwickelt sich weiter positiv. Nach einer rückläufigen Tendenz im dritten Quartal 2015, einer leichten Zunahme im vierten, hat sich der Stellenmarkt für IT-Fachkräfte im ersten Quartal 2016 überaus positiv entwickelt.

Der neue Wert von 129 stellt einen Rekord seit Bestehen des Index im Jahr 2011 dar. Eine Entwicklung, die Hays-Manager Simon Alborz nicht verwundert: "Wir erleben gerade bei den Anwendungsentwicklern, den IT-Beratern und vor allem den hardwarenahen Software-Entwicklern eine so große Nachfrage wie schon lange nicht mehr." Von der Deutlichkeit der erhöhten Nachfrage indes, räumt der Hays-Manager ein, ist er selbst überrascht.

Bei den einzelnen Berufsgruppen in der IT stieg die Zahl der Stellenangebote für IT-Berater mit 38 Punkten am stärksten an. Vor allem für die zurzeit anzutreffenden Digitalisierungsprojekte ist laut Hays-Index Beratungskompetenz gefragt. Dass die hardwarenahen Entwickler so begehrt sind, liegt Alborz Meinung nach unter anderem am Thema Industrie 4.0. "Wenn Kühlschränke automatisch über das Internet melden, dass Butter nachgekauft werden muss, dann sind auch die Entwickler gefragt, die wir früher als Embedded Spezialisten kannten", erklärt Alborz. Er fährt fort: "Klassische Industriezweige wie etwa der Maschinenbau werden sich der IT-Welt zunehmend öffnen, um irgendwann einmal untrennbar miteinander zu verschmelzen."

Simon Alborz,, Hays-Manager: "Wir erleben gerade bei den Anwendungsentwicklern, den IT-Beratern und vor allem den hardwarenahen Software-Entwicklern eine so große Nachfrage wie schon lange nicht mehr."
Simon Alborz,, Hays-Manager: "Wir erleben gerade bei den Anwendungsentwicklern, den IT-Beratern und vor allem den hardwarenahen Software-Entwicklern eine so große Nachfrage wie schon lange nicht mehr."
Foto: Hays

Der Hays-Manager prognostiziert, dass viele klassische Geschäftsbereiche künftig nicht mehr separat geführt werden können. "Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter - zusätzliche Kompetenz wird immer wichtiger", betont Alborz. Die Maschinenbau-Branche werde künftig nicht nur den klassischen Maschinenbauer, sondern auch den hardwarenahen Software-Entwickler benötigen. Im Maschinenbau würden verstärkt digitale Spezialisten benötigt und gesucht werden. Der Hays-Manager ist überzeugt, dass die - zumindest hierzulande - robuste Konjunktur auch bei den mittelständischen Unternehmen in diesem Jahr eine hohe Investitionsbereitschaft zur Folge haben wird.

Handel im Bereich Transformation weiter, als die klassische Industrie

Dass der Bedarf im Handel von Quartal zu Quartal steige, hat laut Alborz damit zu tun, dass diese Branche betreffend der digitalen Transformation bereits bedeutend weiter sei als die klassische Industrie. Schließlich würden nicht erst seit gestern immer mehr Geschäfte aus dem stationären in den Online-Sektor verlagert werden. "Nicht nur hier wird die Change-Management-Kompetenz verstärkt gefordert", meint der Hays-Manager.

Die Experten müssten im Sektor Maschinenbau die entsprechenden IT-Leute in die Welt des Maschinenbaus 2.0 mitnehmen. Der Hays-Manager ist sicher: "Das Heranführen an eine neue Welt werden Change-Management-Fachleute und nicht die klassischen IT-Profis in die Hand nehmen müssen, um den gewünschten Erfolg sowohl unter technologischen wie auch sozialen Aspekten zu gewährleisten." Dieser Wandel würde den klassischen IT-Profis aber nicht schaden, denn - so Alborz - die Nachfrage nach ihnen wird eher noch steigen als sinken.

Insgesamt gesehen würde das Thema Fachkräftemangel in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Das gelte vorrangig für die IT-Branche selbst. Bereits im vierten Quartal 2015 sagte der Hays-Manager für 2016 einen Anstieg der Nachfrage voraus. Er war bereits damals sicher, dass die Rekrutierungs-Verantwortlichen sich auf eine positive Geschäftsentwicklung 2016 vorbereiten und verstärkt Mitarbeiter für den High-Tech- Sektor suchen. Dass er Recht hatte, freut ihn.

Jetzt aber müssen, so Alborz, die Unternehmen ihre Rekrutierungsstrategien unter die Lupe nehmen: "Es ist dringend erforderlich zu überprüfen, welche Strategien, Methoden, Werkzeuge und Partner bei der Suche eingesetzt werden", betont der HR-Experte. Sowohl die Veränderungen der Berufe in der digitalen Welt als auch der andauernde War for Talents werden, so Alborz Resümee, die Entscheidungen in den Unternehmen beeinflussen und schnelle Antworten verlangen.

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