5 Regeln für Digitalisierung

Firmen halbherzig bei Industrie 4.0

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Die ausländische Konkurrenz holt auf, wie eine Studie der Staufen AG zeigt. Digitalisierung müsse zur Chefsache werden, fordern die Berater von Etventure.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie von Etventure und GfK Nürnberg im Überblick.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie von Etventure und GfK Nürnberg im Überblick.
Foto: Etventure

Deutsche Unternehmen haben bei den Top-Zukunftsthemen immer noch einen Fuß auf dem Bremspedal. Mangelnde Entschlossenheit in den Chefetagen bedrohe die digitale Transformation in den hiesigen Großunternehmen, stellt etwa die Digitalberatung Etventure fest - auf Basis einer Studie, für die gemeinsam mit der GfKGfK Nürnberg Führungskräfte in 2000 deutschen Großunternehmen mit mindestens 250 Millionen Euro Jahresumsatz befragt wurden. Top-500-Firmenprofil für GfK

Deutschland hat Spitzenposition bei Industrie 4.0

Der IndustrieIndustrie 4.0-Index - ermittelt von den Beratern der Staufen AG auf Basis einer Befragung von 179 Industrieunternehmen - attestiert den Firmen aus der Bundesrepublik zwar im weltweiten Vergleich eine Spitzenposition. Viele Studienteilnehmer geben aber selbst zu, das Thema in der Vergangenheit unterschätzt zu haben. Top-Firmen der Branche Industrie

Der Eindruck einer gewissen Halbherzigkeit drängt sich also auf beim globalen Trendthema der Digitalisierung und der Industrie 4.0Industrie 4.0 als digitalem Spezialfeld. Nicht zu verkennen ist dabei, dass eine wachsende Zahl an Firmen diese Themen anpackt oder plant, das bald zu tun. Noch selten aber stürzen sich Unternehmen mit Verve in das Abenteuer Digitalisierung. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Nur für 35 Prozent ein Top-3-Thema

Laut Etventure-Studie berichtet jedes vierte Unternehmen zwar, dass der Stellenwert des Themas im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sei. Nur für 6 Prozent der Befragten ist die digitale Transformation aber das wichtigste Thema im Hause; für 35 Prozent immerhin zählt sie zu den drei bedeutendsten Themen. "Die Bedeutung der Digitalisierung wird in vielen Unternehmen noch immer nicht voll erkannt", stellen die Autoren fest. "Mit Management- und Umsetzungsfehlern legen sich die Firmen oftmals selbst Steine in den Weg."

Dem Staufen-Index zu Folge beschäftigten sich 76 Prozent der Firmen im vergangenen Jahr mit Industrie 4.0, 2014 waren es nur 60 Prozent. Nur noch 19 Prozent der Befragten ignorierten das Thema 2015 in Gänze, im Jahr davor waren es noch 34 Prozent. 4 Prozent sagen, Industrie 4.0 werde bereits umfassend operativ umgesetzt, 31 Prozent betreiben operative Einzelprojekte, weitere 5 Prozent befinden sich in der Planungs- und Testphase.

Japan und USA holen auf

Auf einer Skala von 0 bis 8 zur Frage, welches Land auf dem Weg zur Industrie 4.0 am weitesten vorangekommen ist, liegt Deutschland im Staufen-Index auf dem ersten Platz mit einem Durchschnittswert von 7,06 Punkten. Dieser Wert lag 2014 marginal höher. Verbessern konnten sich demgegenüber Japan auf Platz Zwei und vor allem die USA auf dem dritten Rang, die punktemäßig einen Sprung von 5,24 auf 6,26 machten. China konnte sich von 3,75 auf 4,28 Punkte steigern.