Strategien


Fehler beim Recruiting

Firmen suchen keine Leute für Industrie 4.0

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Begriffe wie Industrie 4.0, Prozessvisualisierung oder Arbeitsorganisation fehlen in Stellenzeigen. Unternehmen verschlafen Digitalisierung und Industrie 4.0. Das ergab der Dekra Arbeitsmarktreport 2015.

Der Bildungspolitische Berater der Dekra-Geschäftsführung, Peter Littig, übt sich in Zurückhaltung. "Unternehmen scheinen häufiger der Meinung zu sein, es bestehe kein Anlass, von der herkömmlichen Art der Mitarbeiterauswahl, -entwicklung und von gewohnten Teamkonstellationen abzuweichen", schreibt er im diesjährigen Arbeitsmarktreport der Akademie. Das sei "ein wenig beunruhigend", so Littig weiter. Deutlicher formuliert: Deutsche Unternehmen reden viel über Digitalisierung und Industrie 4.0Industrie 4.0, die Begriffe sind in der Wirtschaft angekommen, bestätigt Littig. Aber sie verpassen es, ihr RecruitingRecruiting darauf einzustellen. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de Alles zu Recruiting auf CIO.de

Für diesen Report hat die DekraDekra Akademie knapp 13.800 Stellenanzeigen in Zeitungen und auf Job-Portalen analysiert. Meist suchen die Arbeitgeber direkt (56 Prozent). Jeder vierte schaltet eine Personalvermittlung ein (25 Prozent), knapp jeder Fünfte (19 Prozent) eine Zeitarbeitsfirma. Zunächst zu den in Deutschland am stärksten gefragten Berufen: Telefonverkäufer und Call Center Agenten führen die Liste an und übertrumpfen damit sogar noch die ebenfalls stark gesuchten Krankenschwestern und -Pfleger. Auf Platz drei liegen Kundenbetreuer und Help-Desk-Mitarbeiter. Top-500-Firmenprofil für Dekra

Auf Platz vier kommen dann bereits Software-Entwickler/Programmierer/Architekten vor Betriebswirten/Wirtschaftsprüfern. Verkäufer (Einzelhandel) sowie Vertriebsleiter teilen sich Rang 6 vor Elektrikern/Elektro-Installateuren. Den Schluss der Top Ten bilden Ingenieure (Elektrotechnik), Arzthelfer und IT-Fachleute. Die DEKRA definiert diese als (Fach-)Informatiker und Systemadministratoren.

Die Dekra fasst mehrere Berufe zu Gruppen zusammen. IT-Berufe bilden dabei mit Ingenieuren/Naturwissenschaftlern, Technikern und Anlagensteuerern unter dem Oberbegriff "Entwicklung" eine solche Gruppe. Innerhalb aller Stellenanzeigen nimmt die Gruppe Entwicklung ein gutes Fünftel ein (21 Prozent). Innerhalb der Gruppe wiederum adressieren drei Viertel aller Annoncen Ingenieure oder IT-Fachkräfte.

Software-Entwickler, Programmierer und Architekten gesucht

Eine genauere Betrachtung splittet die IT-Berufe in 14 einzelne Disziplinen auf. Am stärksten gesucht sind die schon erwähnten Software-Entwickler/Programmierer/Architekten (320 Anzeigen). Es folgen IT-Fachleute, eben (Fach-)Informatiker und Systemadministratoren (241 Stellen), und IT-Berater/Analysten/System-Berater (124 Stellen).

Auf Platz vier rangieren Wirtschaftsinformatiker (114 Annoncen), auf Rang fünf SAP-Entwickler (84 Stellen). Den Wirtschaftsinformatikern schreibt die Dekra gute Prognosen zu. Wegen der zunehmenden Digitalisierung stiegen ihre Berufsaussichten vermutlich weiterhin, so die Akademie.

Industrie 4.0 noch kein Thema in Stellenanzeigen

Auf die Digitalisierung geht der Report gesondert ein. Laut Dekra haben Politik und Medien den Themenkomplex Industrie 4.0 einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Dekra wollte wissen, inwieweit sich das in den Stellenanzeigen widerspiegelt und hat 352 Annoncen für Maschinenbauer untersucht. Fazit: Industrie 4.0 ist "noch kein Thema".

Versäumte Chance Arbeitgeberattraktivität

Lediglich der Begriff "Robotik" werde einige Male genannt. Vermisst hat die Akademie Tätigkeiten wie Prozessvisualisierung oder Arbeitsorganisation, die bei der Umstellung auf Industrie 4.0 wichtig seien.

Für die Dekra folgt daraus Zweierlei: Erstens nutzen Unternehmen das Thema Digitalisierung in der Bewerberansprache nicht. Sie versäumen es, sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Zweitens: deutsche Firmen unterschätzen "die Geschwindigkeit und den Umfang, in der sich das Arbeitsumfeld und die Jobprofile zukünftig verändern werden".

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