Cloud Computing

BMW-CIO Probst im Interview

"Wir brauchen variable Cloud-Verträge"

04.12.2012, von Wolfgang Herrmann

BMW-CIO Karl-Erich Probst erklärt im Computerwoche-Interview, wie der Automobilkonzern Cloud Computing und Big-Data-Konzepte für sich nutzen will.

IT-Ressourcen werden immer häufiger von Fachabteilungen, also außerhalb des klassischen IT-Budgets eingekauft. Unternehmen bräuchten deshalb eine Art Chief Digital Officer, der die gesamte digitale Strategie verantwortet, empfehlen Analysten von Gartner. Wie wird sich die Rolle des CIO aus Ihrer Sicht verändern?

BMW-CIO Probst: "Die Cloud wird nicht zum Fliegen kommen, wenn die Forderungen nach Unabhängigkeit, Transparenz und der Verschiebbarkeit von Ressourcen nicht erfüllt werden."Vergrößern
BMW-CIO Probst: "Die Cloud wird nicht zum Fliegen kommen, wenn die Forderungen nach Unabhängigkeit, Transparenz und der Verschiebbarkeit von Ressourcen nicht erfüllt werden."
Foto: BMW

Karl-Erich Probst: Business-Modelle, die sich auf IT stützen, werden in Zukunft noch viel mehr an Bedeutung gewinnen. Das Banken- oder das Versicherungsgeschäft beispielsweise ist heute pure IT. In anderen Branchen wächst der Stellenwert der IT ebenfalls schnell. Wird es deshalb jemanden geben, der das gesamte digitale Business verantwortet? Das glaube ich eher nicht. Vielmehr brauchen die einzelnen funktionalen Organisationen eine hohe Kompetenz, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und zu integrieren. Darüber hinaus muss es aber jemanden geben, der bereichsübergreifend dafür sorgt, dass die Übersetzung in die IT nach Regeln und Standards erfolgt, um die Integrität und die Effizienz des Unternehmens zu gewährleisten.

Das wäre die Rolle des klassischen CIOs…

Natürlich muss der CIO künftig mehr vom Business verstehen und näher an die Fachabteilungen heranrücken. Technologie wird er zunehmend einkaufen können. Entscheidend ist, dass er enger mit den Fachkollegen zusammenarbeitet und bewertet, welche Innovationen sich umsetzen lassen. Ich sehe die Rolle des CIOs nicht verschwinden.

Zu den heiß diskutierten Trends in der IT-Branche gehört auch Big Data. Wie wichtig ist das Thema für BMW?

Big Data ist ein großes Thema. Ich bin aber nicht sicher, ob alle das Gleiche darunter verstehen. Große, übergreifende Datenmengen zu verwalten und zu organisieren, ist für uns im Autogeschäft eine Standardaufgabe. Stellen Sie sich vor: Von jedem Auto in unserem Portfolio müssen wir beispielsweise die wesentlichen Drehmomentzahlen für jede Schraube wissen. Das heißt, wir haben Daten in Hülle und Fülle. Interessant wird es für uns werden, wenn wir interne mit externen Daten, beispielsweise aus den sozialen Medien oder dem Web, verknüpfen, daraus Schlüsse ziehen und diese zur Entscheidungsunterstützung bereitstellen.

Das sollte ohne spezialisierte Tools funktionieren. Eines Tages wird es möglich sein, simple Fragen zu stellen und diese automatisch aus dem vorhandenen Datenbestand beantworten zu lassen. Darum geht es aus meiner Sicht bei Big Data. Die Handhabung großer Datenmengen ist dagegen eine technische Herausforderung, die längst beherrscht wird.

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Ruediger Gleba - 19.12.2012 15:29
Vieles in diesem Interview kann man unterschreiben. Wenn man über die Cloud redet, muss man aber sehr differenziert an die Geschichte herangehen. So vernebelt der Begriff ist, so undurchsichtig sind eben auch die verschiedensten Modelle der Anbieter. Das riesen Problem ist die Integration der verschiedenen Cloud Service in die vorhandenen Servicestrukturen der Anwender. Insbesondere die vielen offenen Fragen hinsichtlich der Service Management Prozesse und deren Integration sind offen oder eben derart aufwendig, dass sich dann der Business Case nicht mehr rechnet. Und eben richtig ist auch, Cloud muss nicht zwangsläufig wirlich für Flexibilität stehen. Die Frage die ich mir stelle ist, wodurch differenzieren sich dann die Anbieter, wenn soewtas wie ein Open Standard umgesetzt wird. Trotz der Mitarbeit habe ich meine Zweifel, ob die Anbieter es ernsthaft mitgestalten wollen. Zum Thema der Industrialisierung der IT nur soviel, es scheint durchaus viele Meinungen zu geben, was dieser Begriff eigentlich in der IT bedeutet. Wenn ich mir heute externe "industrialisierte" IT-Dienstleister anschaue, die es eigentlich verstehen müssten, muss ich feststellen, das bürokratische Prozesse und Monsterstrukturen geschaffen werden, aber die eigentliche Produktion so richtig hinterher kommt. Wir reden schon mindestens 20 Jahre davon, aber wo stehen wir denn heute wirklich?
Norbert Gödde - 19.12.2012 12:08
Ja: It und Organisationsentwicklung ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden Unternehmens. Dabei ist es wichtig, im Rahmen der Globalisierung, die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens auf Prozessebene so fein wie möglich herauszuarbeiten. Softwarelösungen sollten diesen Prozess für jeden nachvollziehbar abbilden. IT ist deshalb in jedem Unternehmen als Kernkompetenz vorzuhalten. Und Cloud Computing ist Ausverkauf Ihres Unternehmen auf der Wissensebene, der nicht stattfinden darf. Sie wollen sich doch wohl nicht als Unternehmer das Armutszeugnis geben, dass Sie IT nicht organisieren können. IT ist natürlich ständige Auseinandersetzung mit Innovation in schnellen und immer kürzer werdenden Zyklen. Ich glaube eher, dass der IT Bereich in den meisten Unternehmen falsch in die Struktur des Unternehmens eingebunden ist. Sie gehört nicht in den Bereich der Finanzen und auch nicht ins Controling. Es müsste mehr im Bereich des Wissensmanagements und der Prozessorganisation aufgehängt sein. Aber welches Unternehmen hat schon ein prozessorientiertes Wissensmanagement! Mehr dazu finden Sie hier: http://www.norbertgoedde.de/seiten.nsf/wys/itstrategie/RL0C1H
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