Qi und Powermat

Ausprobiert: Das iPhone kabellos laden

11. August 2015
Das Handy einfach irgendwo ablegen und wie durch Zauberhand lädt der Akku: Mit dem richtigen Zubehör lassen sich auch Apple-Smartphones problemlos kabellos laden.

Bei der elektrischen Zahnbürste, Rasierapparaten und sogar dem Herd ist die Energieübertragung durch Induktion längst Realität: Über ein elektromagnetisches Feld kann elektrische Energie von einem Sender an einen Empfänger übertragen werden, ohne dass unterwegs Hitze erzeugt oder Kabel gezogen werden müssen. Die Technik bietet sich für Smartphones an, und in der Tat gibt es bereits eine Reihe von Geräten, die sich laden lassen, indem man sie einfach auf eine kabellose Ladestation legt.

Ein zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA.
Ein zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA.

Alle Hauptkonkurrenten von Apple platzieren die Technik nach und nach in ihrem Smartphone-Portfolio, Geräte wie das Samsung Galaxy S6, das Microsoft Lumia 930 oder das Google Nexus 6 unterstützen die kabellose Ladefunktion längst ab Werk, sogar einige Tablets sind inzwischen dazu in der Lage. Apple hingegen lässt auf sich warten, vermutlich um wieder einmal einen eigenen Standard zu etablieren.

Vor- und Nachteile drahtlosen Ladens

Was spricht für oder gegen den Einsatz der kabellosen Ladetechnik? Nun: Neben dem Vorteil des Verzichts auf Kabelsalat hat die Technik leider derzeit noch einige Schwächen, die erst künftig behoben werden dürften.

Vorteile / Nachteile

+ Reduzierung des Kabelsalats
– Langsamerer Ladevorgang

+ Leichte Bedienung
– Benötigt Stellplatz für Ladestation

+ Schont den Geräteanschluss
– Derzeit kostenpflichtiges Zubehör nötig

+ In Zukunft sehr weite Verbreitung
– Junge Technologie
– ein besserer Standard könnte das Feld von hinten aufrollen

+ Verwandelt ggf. den Lightning-Port in eine Micro-USB-Buchse
– Hoher Energieverlust durch Induktionstechnik

Welche Standards gibt es?

Was für das Qi-System spricht

Das Qi-System scheint sich derzeit auf breiter Front durchzusetzen. Die Unterstützung für Geräte – egal ob nativ oder als Nachrüstlösung – ist gigantisch, große Hersteller wie Belkin oder Ikea liefern passendes Zubehör, zudem gibt es zahllose günstige oder No-Name-Anbieter, die das System unterstützen. Smartphone-Hersteller wie Microsoft, LG und Samsung verbauen die Technik inzwischen in vielen ihrer Geräte, was die Marktdurchsetzung massiv erhöhen wird. In Europa gibt es zudem Testläufe in McDonald’s-Filialen, in den USA setzt die Starbucks-Alternative Coffee Bean & Tea Leaf ebenfalls seit 2013 auf die Technik. Kommende Standards mit höherer Leistung dürften auch das Laden von großen Tablets und Notebooks ermöglichen.

Der Grund für dieses Warten könnte Apple-typisch sein. Derzeit gibt es drei konkurrierende kabellose Ladestandards: Qi vom Wireless Power Consortium, Powermat von der Powermatters Alliance und Wipower, eine Technik von der Alliance for Wireless Power. Allerdings sind Powermat und Wipower inzwischen zu einer Technik zusammengeflossen, Unterstützer sind große Konzerne wie die amerikanischen Telekommunikationsanbieter AT&T, Intel, Duracell, die FCC und der Kaffeebrüher Starbucks, in dessen Filialen in den USA sich inzwischen zahllose Powermat-Ladestationen befinden.

Auf der anderen Seite ist da Qi: Im Wireless Power Consortium sitzen mit Microsoft, Philips, Toshiba und HTC ebenfalls sehr mächtige Konzerne, Samsung, Sony und LG sind sogar in beiden Gremien vertreten. Kommerziell unterstützt wird die Technik unter anderem von McDonald’s und Ikea: Während der Burgerriese bereits kabellose Ladestationen in seinen Restaurants zur Verfügung stellt, bietet Ikea mit seiner enormen Marktmacht kabellose Ladestationen in Möbeln an, die auf Qi-Technik basieren.

Was für Powermat spricht

Obwohl Powermat sich als erste kabellose Lösung etabliert hat, scheint es gegenüber Qi derzeit ins Hintertreffen geraten zu sein. Es spricht nicht viel dafür, auf dieses System zu setzen, einzig die breite Unterstützung in vielen Restaurantketten in den USA – unter anderem Starbucks – spricht für den Einsatz. In Europa und Asien hingegen scheint Qi das Rennen zu machen.

Das Problem dabei: Zwar funktionieren Qi und Wipower/Powermat ähnlich, nämlich mittels Induktion, doch kompatibel sind sie nicht, da sie verschiedene Frequenzen bei der Energieübertragung verwenden. Während Qi Frequenzen von 100 bis 205 Kilohertz verwendet, setzt Powermat auf 277 bis 357 Kilohertz, wodurch Powermat grundsätzlich leistungsfähiger ist. Der Rest ist technisches Kleinklein, das sich oftmals eher ähnelt als unterscheidet. Der Leidtragende dürfte, bis sich ein Standard durchgesetzt hat, vor allem der Kunde sein, allerdings zeichnet sich ab, dass Qi das Rennen gewinnen könnte, auch weil bereits viele Smartphones ab Werk mit der Technik ausgestattet werden.

Powermat setzt auf Ringantennen für den Lightning-Anschluss.
Powermat setzt auf Ringantennen für den Lightning-Anschluss.
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