IT-Strategietage 2017

Die digitale Zukunftsstrategie von Klöckner

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Wie ein traditionelles Unternehmen der Stahlindustrie sich mit Startup-Erfahrungen neu erfindet. Darüber berichteten Klöckner Group CIO Michael Hilzinger zusammen mit Innovations-GmbH-Geschäftsführer Christian Dyk auf den IT-Strategietagen 2017.
Michael Hilzinger, CIO der Klöckner Group, sprach auf dem Hamburger IT-Strategietagen.
Michael Hilzinger, CIO der Klöckner Group, sprach auf dem Hamburger IT-Strategietagen.
Foto: Foto Vogt

Das Startup jagt die Mutter. Das ist das Ziel von Michael Hilzinger, CIO der altehrwürdigen KlöcknerKlöcknerAG in Duisburg. Zusammen mit kloeckner.i Geschäftsführer Christian Dyck krempelt er das Unternehmen um. Das hat eine längere Vorgeschichte, sagt Moderator Horst Ellermann. Denn was ist das bessere Verfahren, umInnovationInnovation ins Unternehmen zu bekommen? Von den Mitarbeitern? Das ist zwar langsam, aber nachhaltig. Kann aber so nicht funktionieren, weil sie disruptive Verhältnisse nicht sehen, sagen die anderen. Top-500-Firmenprofil für Klöckner Alles zu Innovation auf CIO.de

Vor allem aber braucht man das Top-Management dazu. "Wir haben Glück", sagt CIO Hilzinger. "Unser Vorstandsvorsitzender hat sich das auf die Fahnen geschrieben."

Digitale Transformation ist auch ein Thema für die traditionelle IndustrieIndustrie, im Fall von Klöckner ein Unternehmen mit 250-jähriger Geschichte. Insgesamt 9.200 Mitarbeiter in 140 Ländern an 200 Standorten. Klöckner produziert nichts selbst. Das Unternehmen kauft und verkauft Stahl und macht damit 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Im Jahr 2014 hat der Stahlhändler ein Startup in Berlin gegründet. Top-Firmen der Branche Industrie

Das, was in Berlin entsteht, muss aber wieder auch in den Konzern integriert werden. Geschäftsführer Christian Dyk von der kloeckner.i GmbH sagt: "Der Stahlhandel, so wie er bisher betrieben wurde, funktioniert immer noch wie vor 30 Jahren. Die Bestellungen kamen immer per Fax. SAP ist zwar das Herzstück, alles ist aber sehr bauchgesteuert. Data Analytics ist noch nicht so weit."

Die DigitalisierungDigitalisierung bei Klöckner sei keine reine Erweiterung des Toolsets des Unternehmens, sondern eine komplette digitale Transformation, die jeden im Unternehmen erreichen müsse. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

CIO Hilzinger: "Die Wertschöpfungskette beim Stahlhandel ist höchst intransparent und ineffizient." Stahlwerke produzieren Stahl in großen Mengen, in diesen Mengen kaufe ihn aber keiner. Kloeckner kauft den Stahl, teilt ihn in kleinere Einheiten und verkauft ihn an die Kunden weiter. Es gebe zwar auch große Kunden, etwa in der Automobilindustrie, generell sei der Markt aber sehr kleinteilig. Dazu komme: Die Produzenten kennen den Markt oft nicht. Hilzinger: "Da müssen wir angreifen. Wir sind global tätig. Die anderen sind meistens sehr klein."

Radikal anders machen

Dyck: "Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der wir alle Mitspieler zusammenbringen und damit die Nische transparent machen, bevor es andere tun."

Christian Dyck, Geschäftsführer und Head of Innovations & Product bei kloeckner.i.
Christian Dyck, Geschäftsführer und Head of Innovations & Product bei kloeckner.i.
Foto: Foto Vogt

Klöckner wolle eine Vertikalintegration der Dienstleister schaffen mit offenen Schnittstellen und das System für andere Distributoren öffnen. Hilzinger: "So können wir neue Erlösmodelle schaffen, die über den reinen HandelHandel von Stahl hinausgehen." Top-Firmen der Branche Handel

"Uber yourself before you get Kodaked"

Anfang 2014 hat Klöckner noch eine Startup-Rallye gemacht und das Fundament gelegt für die kloeckner.i GmbH. Wo man früher mit Lastenheft und Pflichtenheft gearbeitet hat und nach drei Jahren mit dem Produkt fertig war, und sich die Welt inzwischen geändert hatte, da macht die neue Klöckner nun gleich das Produkt.

Auf kloeckner.destehen inzwischen eine ganze Reihe von Produkten, die sukzessive weiterentwickelt werden. Dyck: "Wir haben auch schon vonScrum gehört, man muss aber die Leute mitnehmen."

CIO Hilzinger: "Es geht eben auch immer um Change Management. Wir haben extrem viel Kommunikation. In Berlin gibt es Design Thinker und andere Prozess-Arbeitsweisen, das ist schon ein kultureller Unterschied." Trotzdem könne man die ToolsTools von Berlin ins Unternehmen nach Duisburg bringen. Wie ein Virus würde die Transformation von Berlin aus eingeleitet. Hilzinger weiter: "Das Startup darf kein Elfenbeinturm sein." Alles zu Tools auf CIO.de

Und so lautet das Motto des Berliner Startups: Lieber schnell scheitern, dafür kostengünstig. Dyck: "Wir arbeiten in Berlin komplett in der Cloud. Wir hosten bei Azure und Amazon, wir sind da sehr flexibel, unabhängig und lean. Hilzinger weiß: "Ohne die Cloud ginge das gar nicht."

Neu ist nun ein Onlineshop mit Preisen und Lieferzeiten für B2B-Kunden. "Das gab es bisher im Stahlhandel nicht", sagt Dyck. Alles, was bisher mit Zetteln passierte, sei jetzt digital. "Digitale Transformation ist keine Option. Sonst verschwinden wir vom Markt", sagt Hilzinger.

Lesen Sie weiter: Wie das Digital Lab von Klöckner arbeitet

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