Tape, Festplatte oder Cloud?

Aktuelle Datensicherungsmethoden im Überblick

02.11.2017
Von Norbert Püschel
Anzeige  Wie lassen sich Daten in 2017 effektiv gegen Malware oder Katastrophen schützen? Bandlaufwerke, Festplatten oder die Cloud, sie alle bieten Vor- und Nachteile. Unser Beitrag zeigt Ihnen, welche Techniken Sie wann verwenden können.

Haben Sie heute schon Ihre Backups überprüft? Wenn sie jetzt die Augen verdrehen, dann geht es Ihnen wahrscheinlich wie vielen. Die Datensicherung ist kein spannendes Thema und rückt immer erst dann in den Fokus, wenn es bereits zu einem Sicherheitsvorfall gekommen ist. Wenn Server abstürzen oder Ransomware durch das Firmennetzwerk wütet, kommt irgendwann die Frage: "Wann haben wir das letzte Mal ein Backup unserer Daten erstellt?" Und: "Sind unsere Sicherungen etwa auf dem selben Server, der gerade abgestürzt ist?"

Experten empfehlen für die Umsetzung erfolgreicher Backup-Strategien mindestens die 3-2-1-Regel: drei aktuelle Versionen wichtiger Dateien, auf zwei verschiedenen Medien und an mindestens einem anderen Ort. Doch welche Medien eignen sich für welche Anforderungen?

Disk: Billig, flexibel, leicht zu nutzen

Klassische Festplatten gehören in jede Backup-Strategie. Kombiniert mit einer Strategie zur Deduplizierung ist die Sicherung auf Disks meist der erste Schritt und ein Puffer, bevor die Daten auf andere Medien übertragen werden. Für diese Art der Sicherung spricht die hohe Geschwindigkeit - sowohl beim Sichern der Daten wie auch beim späteren Zugriff darauf. Die dedupliziert gesicherten Daten lassen sich auch effizient übers WAN replizieren. Damit lassen sich sowohl mehrere Standorte gegenseitig absichern als auch die Daten in ein besonders geschütztes Rechenzentrum übertragen.

Allerdings muss man einige Punkte beachten, dazu gehört etwa die Lebensdauer von Festplatten und der Verbund, in welchem diese genutzt werden. Interessant sind etwa der Ansatz von Backblaze- die Firma dokumentiert die Lebenszeit von Standard-Festplatten über mehrere Jahre. Der Durchsatz bei der Wiederherstellung deduplizierter Datensicherungen kann beschränkt sein, da alle verteilt gespeicherten Segmente des Backups benötigt werden. Insbesondere wenn die von moderner Backupsoftware angebotene Methode "Instant Recovery" zum Einsatz kommen soll, reicht die Performance deduplizierter Backups oftmals nicht aus. Hier lohnt es sich, Sicherungen ohne Deduplizierung durchzuführen.

Bandlaufwerk: Unschlagbare Kapazität

Tape-basierte Sicherung ist ein Klassiker in Unternehmen. Vor allem die Speicherkapazität ist ungeschlagen. Pro Kassette sind aktuell unkomprimiert sechs Terabyte realisierbar, der demnächst kommende Standard LTO-8 verdoppelt das Volumen auf 12,8 Terabyte. Auch die Kosten für die Medien sind vergleichsweise günstig, auch wenn natürlich ein entsprechendes Bandlaufwerk notwendig ist.

Ein Nachteil von Tapes ist, dass die Daten nicht sofort wieder verfügbar sind - Bänder müssen in einem Bandroboter bewegt und an die richtige Stelle gespult (oder sogar erst einmal aus einem Safe in den Robot eingelegt) werden. Im Zusammenhang mit Crypto-Trojanern kann sich das aber auch als Vorteil erweisen.

Tapes sind aufgrund des fehlenden wahlfreien Zugriffs heutzutage nicht mehr als primäres Medium geeignet, sondern eher als sekundärer Speicher gedacht. Zudem sollte man sowohl auf mechanische Fehler der Bandlaufwerke wie auch auf fehlerhafte Kassetten vorbereitet sein.

Cloud: Keine Platz- oder Hardware-Sorgen

Die dritte Option sind Cloud-basierte Sicherungen. Diese locken mit mehreren Vorteilen: Mit einer schnellen Netzwerkverbindung und dem Einsatz von Deduplizierungsalgorithmen lassen sich gute Geschwindigkeiten erzielen. Es gibt quasi keine Obergrenze beim Speicherplatz. Die Kosten sind zunächst vertretbar, für Gigabytes fallen nur Cent-Beträge an - die sich aber bei längerfristiger Speicherung auch spürbar aufaddieren können. Zudem muss man vor Ort keine größere Hardware vorhalten. Die Cloud eignet sich ideal, um Daten außerhalb des eigenen Unternehmens zu lagern, das kann auch verschlüsselt geschehen.

Die Cloud hat allerdings auch Nachteile. Firmen müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Daten effektiv an Unbekannte übergeben, die die Daten gegebenenfalls intransparent überall auf der Welt speichern. Der Datenschutz beim Provider hat daher absolute Priorität. Eine Herausforderung ist die Wiederherstellung - je nach Datenverbindung kann es sehr, sehr lange dauern, bis Daten wiederhergestellt sind.

Ein guter Ansatz ist der Einsatz einer Backup-Lösung, die Cloud-Systeme direkt unterstützt. Lösungen wie AltaVault können die lokalen Backup-Systeme integrieren und die Daten verschlüsselt in diversen Cloud-Systemen - Privat oder Public - dedupliziert speichern. Dabei lässt sich optional eine Verschlüsselung aktivieren.

Backups regelmäßig prüfen

Das Erstellen der Backups ist aber nur der erste Teil einer Sicherungsstrategie. Viele Firmen vergessen, dass regelmäßig geprüft werden muss, ob die Daten auch wieder herstellbar sind. Diese Wiederherstellung sollte Tests umfassen, bei denen die Backups auf Nachbildungen der aktuellen Produktionssysteme eingespielt werden. Das mag wie eine nervige Pflichtaufgabe für den dienstjüngsten IT-Admin aussehen, im Katastrophenfall ist das aber eine essentielle Komponente des Disaster-Recovery-Plans.

Holen Sie sich Hilfe

Backup-Strategien können schnell ausufern. Sie beginnen mit einer Aufgabe und schnell zeigen sich zahlreiche Wege, wie man ans Ziel kommt. Cloud, Disk, Tape - jede Technologie hat ihre eigene Berechtigung, es gibt keinen allgemein gültigen Lösungsansatz.

Berater und Systemhäuser haben oft einen guten Überblick, welche Lösungen auf dem Markt sind, wo neue Trends herkommen und welche Ansätze sich für welchen Einsatz lohnen.

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