Strategien


Forschung & Entwicklung

Bayer-CIO Hartert: 4 Milliarden reichen nicht

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Das teuerste Unternehmen Deutschlands gibt jedes Jahr vier Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. CIO Daniel Hartert erklärt, warum das immer noch nicht reicht – und wo noch mehr Innovation herkommen muss.

Menschen werden immer mehr und immer älter - das sind die größten Herausforderungen, die Daniel Hartert, CIO bei BayerBayer, auf uns zurasen sieht: "Die Welt verändert sich gerade radikal." Neben den klassischen Themen sei InnovationInnovation deshalb sein größter Fokus. Mehr als vier Milliarden Euro investiert Bayer jedes Jahr in Forschung und Entwicklung. "Doch damit nicht genug", so Hartert. Um innovative Produkte und digitale Geschäftsmodelle für GesundheitGesundheit und Welternährung zu entwickeln, will er die Open-Innovation-Aktivitäten von Bayer weiter stärken. Top-500-Firmenprofil für Bayer Alles zu Innovation auf CIO.de Top-Firmen der Branche Gesundheit

Erträge in der Landwirtschaft steigern

Beispiel Agrarwirtschaft: 2050 wollen neun bis zehn Milliarden Menschen ernährt werden - während die weltweiten Anbauflächen weiterhin schrumpfen. Bes­sere Ergebnisse ließen sich auf den verbleibenden Flä­chen erzielen, wenn noch mehr Farmer mehr wissen und besser eingebunden sind. Sie können heute schon Pflanzenschutzmittel für jeden Quadratmeter genau dosieren. Ihre Trecker fahren satellitengesteuert über die Felder. Punktuell könnten sogar Drohnen gegen Schädlinge eingreifen. Der Ertrag fast jeder Landwirtschaftsfläche ließe sich aber immer noch steigern, meint Hartert. Allerdings müssten Farmer und Landmaschinenhersteller mitspielen.

Daniel Hartert, CIO, Bayer: „Für unser Pflanzenschutzgeschäft kann das auch Kannibalisierung bedeuten, denn wir zeigen dem Kunden, wie er weniger von unseren Produkten einsetzt.“
Daniel Hartert, CIO, Bayer: „Für unser Pflanzenschutzgeschäft kann das auch Kannibalisierung bedeuten, denn wir zeigen dem Kunden, wie er weniger von unseren Produkten einsetzt.“
Foto: Bayer AG

"Das kann auch Kannibalisierung bedeuten"

Kein Bauer versprüht freiwillig sein Geld. Wenn es zu einer gemeinsamen, partnerschaftlichen Nutzung der Ackerdaten kommen soll, muss sich der Farmer schon einen Nutzen davon versprechen: Er will wissen, wie er die Dosierung von Pflanzenschutzmitteln optimieren kann - oder auf welchen Flächen er diese momentan vielleicht gar nicht benötigt. "Für unser Pflanzenschutzgeschäft kann das auch Kannibalisierung bedeuten", räumt Hartert ein, "denn wir zeigen dem Kunden, wie er weniger von unseren Produkten einsetzt."

Aufgaben, wenn die Lebenserwartung steigt

Unkomplizierter ist da schon der Healthcare-Markt. Die Lebenserwartung steigt in den meisten Ländern. Und wer länger lebt, braucht auch mehr Healthcare. Der kalifornische IT-Guru Ray Kurzweil meint sogar, wir müssten bald gar nicht mehr sterben. Bei der Geschwindigkeit, in der die Wissenschaft fortschreitet, könne es vielleicht irgendwann dazu kommen, sagt Hartert: "Ob das so gut für unseren Planeten ist, sei mal dahingestellt."

cube | Innovationszentrum in Berlin

Bayer und Volkswagen sind "Global Founders" des Innovationszentrums "Cube" in Berlin. Gründer aus den Bereichen Lifescience, Healthcare, Manufacturing und anderen Industrien entwickeln dort Lösungen, die sie vom 10. bis zum 12. Mai 2017 in Berlin präsentieren werden, siehe http://tech-fair.cube-global.com. "Berlin ist für uns als Gesundheits- und Forschungsstandort sehr wichtig", sagt Bayer-CIO Daniel Hartert. Mehr als 5000 Bayer-Mitarbeiter arbeiten dort am Hauptsitz der Division Pharmaceuticals.

Der gesundheitsbewusste Mensch wird in der Zukunft vielleicht erst später Patient, dafür aber zunehmend chronisch. "Ich nehme mal den Knochen", sagt Hartert: "Wenn Sie 300 Jahre alt werden wollen, müssen sie länger etwas gegen Osteoporose tun." Die Zunahme chronischer Krankheiten in Kombination mit höherem Alter sei heute schon feststellbar.

Algorithmen schlagen die Dosierung vor

Voraussetzung ist auch hier, dass die Kunden mitspielen: Eines der großen Probleme aller Pharmakonzerne ist fehlende Therapietreue. Patienten brechen die Behandlung zu früh ab oder nehmen ihre Medikamente nicht regelmäßig ein. Bei Krankheiten wie pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck) lässt sich den Patienten dabei noch nicht einmal ein Vorwurf machen: Die Dosierung hängt stark von der körperlichen Verfassung ab. Auch die Ärzte variieren Einnahme und Dosis.

Bald könnten Algorithmen die passende Dosis vorschlagen - auf Dauer sogar besser als Ärzte, sobald genügend verlässliche Daten vorliegen. Und IT könnte den Patienten helfen, mehr über sich zu erfahren. Hartert führt die Diabetesmessung als Beispiel an, bei der das blutige Pieken bald ein Ende haben dürfte.

2000 Sensoren messen den Andruck des Fußes

Über Produkt-IT und kooperative Kunden lässt sich Lebensqualität an vielen Stellen schnell und kostengünstig steigern, wie das Beispiel der Bayer-Marke. "Dr. Scholl's" zeigt: Zusammen mit MicrosoftMicrosoft hat Bayer dafür den "FootMapping Kiosk" entwickelt, der mittlerweile in 5000 Apotheken in den USA steht. Bereits in der ersten Version messen 2000 Sensoren den Andruck des Fußes, um eine optimale Einlage zu ermitteln. "Wir drucken nur noch keine Produkte vor Ort in 3D", dämpft Hartert die Erwartungen. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Gamification für Kniebandagen

Ein ähnliches Konzept für Kniebandagen entwickelt Bayer gerade mit Microsoft auf der Basis der Spiele­plattform "Kinect". "Am Point of Sales zieht das die Kunden an", freut sich der CIO. Außerdem gewinnt Bayer jede Menge Daten, die noch individuellere Angebote ermöglichen. Solche präventiven Maßnahmen werden die Lebensqualität vieler Menschen steigern und gleichzeitig die Ausgaben im Gesundheitswesen reduzieren, meint Hartert: "Die Kombination von Produkten, Apps und datengetriebenen Erkenntnissen ist der Schlüssel zu einem gesünderen Leben."

Hamburger IT-Strategietage | Bayer-CIO Daniel Hartert spricht

Mehr zum Thema, wie IT in den Bereichen Gesundheit und Agrarwirtschaft helfen kann, wird Bayer-CIO Daniel Hartert auf den Hamburger IT-Strategietagen am 16. und 17. Februar 2017 präsentieren. Weitere Informationen finden Sie hier.

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