Studie Robert Half

Beängstigende Fluktuation in IT-Organisationen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Freie Stellen in der IT zu besetzen, wird für die meisten Unternehmen von Jahr zu Jahr schwieriger. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft der IT-Profis, den Arbeitgeber zu wechseln. CIOs sollten gute Gehälter und interessante fachliche Aufgaben bieten können.

"Nicht nur Unternehmen stellen immer höhere Anforderungen an das IT-Personal, sondern auch die IT-Spezialisten an ihre ArbeitgeberArbeitgeber", kommentiert Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half, die aktuelle Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt. Beim Blick in die Lebensläufe der Bewerber stelle er fest, dass sich IT-Profis in immer kürzeren Abständen neue Arbeitgeber suchen. Alles zu Personalführung auf CIO.de

"Wer leistungsfähige IT-Spezialisten gewinnen und halten möchte, muss deren Erwartungshaltung bedienen – und das langfristig", sagt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half.
"Wer leistungsfähige IT-Spezialisten gewinnen und halten möchte, muss deren Erwartungshaltung bedienen – und das langfristig", sagt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half.
Foto: Robert Half

"Für Unternehmen bedeuten unbesetzte Stellen an Schlüsselpositionen, dass ihre Produktivität sinkt, Projekte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden und die Unzufriedenheit im Team steigt", gibt Umbs zu bedenken.

Wie groß die Herausforderungen für CIOs bezüglich der Bindung von IT-Profis sind, belegen die Zahlen der aktuellen Arbeitsmarktstudie des auf Fach- und Führungskräfte spezialisierten Personaldienstleisters Robert Half: 43 Prozent der befragten IT-Chefs bestätigen, dass die Fluktuation von IT-Fachkräften in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat.

IT-Fachkräfte schneller unzufrieden

Einigkeit besteht auch in der Beurteilung der Ursachen: Zum einen gibt der Arbeitsmarkt nach Ansicht von 44 Prozent der Befragten immer mehr attraktive Stellenangebote her. Andererseits beobachten die CIOs, dass IT-Fachkräfte schneller unzufrieden sind und zunehmend Positionen anstreben, die ihnen vielfältige beruf­liche Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen ermöglichen (43 Prozent).

Berufliche Weiterentwicklung ist ein Schlüssel zum Erfolg

Wenn CIOs selbstkritisch zurückblicken und sich fragen, warum in der Vergangenheit Talente abgewandert sind, dann zeigt sich, wie wichtig Abwechslung im Job ist. Mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) sieht abwechslungsarme, als langweilig empfundene Aufgaben im eigenen Unternehmen als Ursache für die zunehmende Fluktuation. Eine zu geringe Vergütung, fehlende Anerkennung durch das Führungspersonal und eine unzureichende Work-Life-Balance werden als weitere Gründe genannt (jeweils 27 Prozent).

IT-Experten bestimmen die Regeln des Arbeitsmarktes

"Wer leistungsfähige IT-Spezialisten gewinnen und halten möchte, muss deren Erwartungshaltung bedienen - und das langfristig", rät Umbs. Die Spezialisten müssten die Möglichkeit haben, mit modernster Hard- und Software zu arbeiten, und zwar in möglichst abwechslungsreichen Projekten. Der Robert-Half-Manager glaubt nicht, dass die Mehrheit der Unternehmen verstanden hat, was der "War for Talents" für sie bedeute. Die Regeln am Arbeitsmarkt diktierten heute die knappen IT-Profis, nicht die IT- und Personalabteilungen der Arbeitgeber.

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Kommentare zum Artikel

Bernd Trovado

Ich möchte beisteuern, dass es in der IT mittlerweile (wie auch z.B. bei Ärzten) Unsitte ist, dass die Fachspezialisten nicht mehr hauptsächlich mit ihrer eigentlichen Arbeit beschäftigt, sondern nur noch mit der Einhaltung von Verordnungen (ganz akut der EU-DSGVO), Dokumentationen oder Zertifizierungen konfrontiert sind. Das erzeugt - mindestens bei mir - massiven Frust, da ich als hochspezialisierter und gut ausgebildeter Angestellter in einem technischen Bereich (Netzwerk) oftmals mit diesen formalen Dingen beschäftigt bin, die m.E. in erster Linie kein Problem lösen oder eine Anforderung bedienen können (abgesehen vom Selbstzweck). Dafür wurde ich weder eingestellt, bin darin gut und motiviert, noch werde ich das lange mitmachen. Und mir stattdessen einen Arbeitgeber suchen, wo es den Willen gibt, diese Expertise von dafür spezialisierten Mitarbeitern erbringen zu lassen.

Dann kann ich auch wieder kreativ Lösungen schaffen oder Anforderungen umsetzen, anstatt mich mit fachfremdem Formalkram herumschlagen zu müssen.

Harald B

Stimme uneingeschränkt zu, bin selbst mit 50+ seit Jahren in einer Sackgasse, mangelnde Wertschätzung des Managements, mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift...

hirnwuehler

jawohl - und alle jammern wegen Fachkräftemangel achten aber nicht auf die Wertschätzung älterer erfahrener Mitarbeiter

Rennovatio

das sehe ich genau so. 25 Jahre Berufserfahrung ist mit 50+ plötzlich nichts mehr wert.

hirnwuehler

aber ab einem gewissen Alter (so ab 45+) fristet man eher in einem Elefantenfriedhof um im Hintergrund die als Ausputzer zu dienen...

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