Fachleute verzweifelt gesucht

Der Pfusch am Hauptstadtflughafen hört nicht auf

22.01.2017
Schon lange ist er dankbares Thema für Comedians und nun können sich auch wieder Karnevalisten die Hände reiben: Der Hauptstadtflughafen bleibt eine Lachnummer. Daran wird sich so schnell nichts ändern.
Völlig überfordert sind die Verantwortlichen mit dem Großprojekt Flughafen BER.
Völlig überfordert sind die Verantwortlichen mit dem Großprojekt Flughafen BER.
Foto: Joerg Huettenhoelscher - shutterstock.com

Dass es nichts wird mit den ersten Starts am neuen Hauptstadtflughafen in diesem Jahr, haben Beobachter der Baustelle schon lange geahnt. Monat für Monat verschleppten sich die "Meilensteine", wie Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld entscheidende Fortschritte zur Fertigstellung nennt. Doch die Hoffnung blieb, dass der Flughafen fertiggebaut wird und Ende 2017 an den Start gehen kann. Selbst, als längst alles dafür sprach, dass auch dieser Zeitplan kippt.

Und dann das: Wieder funktioniert die Steuerung der 1200 Türen im Flughafen nicht, die bei Feuer sofort schließen müssten, um eine ordnungsgemäße Entrauchung zu gewährleisten. Da ist er wieder, der mangelhafte Brandschutz, der schon 2012 die bereits auf Plakaten angekündigte Eröffnung platzen ließ. Wieder müsste die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Hunderte Hilfskräfte an die Türen stellen. Ähnliche Pläne sollten schon vor knapp fünf Jahren die bereits damals nicht funktionierende Steuerung der Türen ersetzen.

Seitdem wurden in jahrelanger Kleinarbeit neue Kabel durch die Terminals gezogen - vergeblich. Und selbst die Sprinkler-Anlage funktioniert nicht. Kaum vorstellbar, dass die zuständige Baubehörde des Landkreises Dahme-Spreewald nun eine für Ende Januar anvisierte, entscheidende Baugenehmigung erteilt.

Ebenso wenig denkbar ist für manche Beobachter, dass die angeblich neuen Probleme jetzt erst bekannt wurden - nachdem die rot-rot-grüne Koalition unter Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD), der zugleich Flughafen-Aufsichtsratschef ist, mit viel Knirschen unter Dach und Fach gebracht wurde. So mutmaßte zumindest die Opposition in Brandenburg und Berlin vor der Senatswahl im vergangenen September, dass die neuerliche Verschiebung erst nach der neuen Regierungsbildung verkündet werden soll. Nun keimt der Verdacht, dass Müller und Mühlenfeld noch wesentlich mehr unter der Decke gehalten haben.

"Die politische Rücksichtnahme auf Aufsichtsratsmitglieder muss endlich ein Ende haben", sagte der Fraktionschef der Grünen im Brandenburger Landtag, Axel Vogel, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Weil Mühlenfeld dem Regierenden Bürgermeister vor der Wahl nicht schaden wollte, sei es zum "Eiertanz" um den Eröffnungstermin gekommen. "Das Rumgeeiere in Sachen BER in den letzten Wochen und Monaten belegt einmal mehr: Michael Müller ist auch in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender überfordert", wetterte Florian Graf, CDU-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus.

Die Namen der Verantwortlichen wechseln, die Probleme bleiben. "Statt Wowereit und Platzeck sind es heute Müller und Woidke, die es nicht schaffen, den Flughafen zum Fliegen zu bringen", hatte Brandenburgs CDU-Oppositionschef Ingo Senftleben jüngst unter Verweis auf die Regierungschefs in den beiden Ländern. Die Länder sind gemeinsam mit dem Bund Gesellschafter des BER und pumpen seit langem immer wieder neue Millionensummen in das Milliardenprojekt. Und auch nach dem Abgang von Flughafenchef Hartmut Mehdorn und der Amtsübernahme durch Mühlenfeld ist nur der Ton verbindlicher geworden - der Durchbruch auf der Baustelle aber bleibt aus.

Dabei kümmert sich Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) kaum um den Flughafen - die notwendige Kontrolle im Aufsichtsrat über das Treiben der Flughafen-Geschäftsführung hat er an Staatssekretär Rainer Bretschneider delegiert. Und der hat in den vergangenen Jahren stets beteuert, alles gehe einen geregelten Gang. Von den stets neuen Pannen erfahre er auch nur aus der Zeitung und nicht im Kontrollgremium - so jedenfalls der nach außen vermittelte Eindruck.

Schon vor Jahren hatte der Brandenburger Landesrechnungshof gemahnt, die Länder mögen doch bitte endlich Fachleute in den Aufsichtsrat schicken, um das Treiben der Flughafengesellschaft in ordentliche Bahnen zu lenken. (dpa/rs)

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