Servant Leadership

Do's und Don'ts der dienenden Führung

Stacy Collett ist Autorin für Computerworld, CSO und Network World. Sie deckt eine Vielzahl an Sicherheits- und Risikothemen ab.
Servant Leadership, die dienende Führung, greift vor allem in den USA unter CIOs und IT-Managern um sich. Was steckt dahinter?
Die Praxis der dienenden Führung fördert nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern hilft Unternehmen auch, Mitarbeiter zu halten, wenn sie nicht mit höheren Gehältern konkurrieren können.
Die Praxis der dienenden Führung fördert nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern hilft Unternehmen auch, Mitarbeiter zu halten, wenn sie nicht mit höheren Gehältern konkurrieren können.
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Servant Leadership hat sich zu einer beliebten Management-Methode entwickelt, die den Führungsstil "Command & Control" durch "Empathie & Empowerment" ersetzt. Hierbei stehen die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Befähigung der Mitarbeiter im Vordergrund. Die dienende FührungFührung zielt darauf ab, ein integratives Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder im Unternehmen in seiner authentischen Persönlichkeit entfalten kann. Alles zu Führung auf CIO.de

Während sich die traditionelle Führung auf den Erfolg des Unternehmens oder der Organisation konzentriert, stellt die dienende Führung die Mitarbeiter an die erste Stelle, um die Organisation durch deren Engagement und Einsatz wachsen zu lassen. Richtig umgesetzt, kann Servant Leadership dazu beitragen, Vertrauen, Verantwortlichkeit, Wachstum sowie die Integration am Arbeitsplatz zu fördern.

Servant Leadership ist eine Herausforderung

Wenn sich das herausfordernd anhört: Das ist es auch. Dienende Führung hat gelegentlich einen schlechten Ruf, weil Stakeholder denken, dass Einfühlungsvermögen und Befähigung auf Kosten von Ausführung und Ergebnissen gehen. Dienende Führungskräfte geben zu, dass Empathie und Produktivitätsanforderungen manchmal im Widerspruch zueinander stehen, wenn der Produktionsdruck hoch ist. Auch können die Bemühungen nach hinten losgehen, wenn sich die Mitarbeiter nicht der Kernaufgabe des Teams widmen. Aber der Lohn der Mühe kann sich lohnen. Die Praxis der dienenden Führung fördert nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern hilft Unternehmen auch, Mitarbeiter zu halten, wenn sie nicht mit höheren Gehältern konkurrieren können.

IT-Führungskräfte und HR-Experten geben im Folgenden Tipps zum Umsetzen der dienenden Führung. Es geht beispielsweise darum, ein Gleichgewicht zwischen Top-Down-Vorgaben und Verantwortlichkeit einerseits sowie Bottom-Up-Befähigung andererseits herzustellen.

Ja: Mitarbeitende müssen ihren Auftrag verstehen

Bevor Mitarbeitende befähigt werden können, müssen sie zunächst den Auftrag des Teams sowie ihre Rolle darin verstehen und akzeptieren, berichtet David Dotlich, Präsident und Senior Client Partner bei Korn Ferry. Sobald die Mission vereinbart ist, sollten Manager ihre Teammitglieder fragen: "Wie kann ich euch helfen, diese Mission zu erfüllen?" Eine wirklich dienende Führungskraft sollte laut Dotlich zudem fragen: "Wie kann ich Ihre Karriereziele unterstützen", und nicht: "Wie passe ich Sie in unser Unternehmen ein?"

Ja: Mehr zuhören und weniger reden

"Bei der dienenden Führung geht es darum, mehr zuzuhören und weniger zu reden", sagt David Reis, CIO der University of Miami Healthcare System. Reis hält jeden Monat um acht Uhr morgens "Kaffeegespräche" für alle 300 IT-Mitarbeiter ab, um herauszufinden, was sie benötigen - egal, ob es sich dabei um Schulungen, Tools oder die Beseitigung von Hemmnissen handelt. Kein Thema ist tabu. Wenn Reis dazu beitragen kann, Reibungsverluste zu verringern, damit sein Team die Arbeit erledigen kann, schaffe er Vertrauen, und die Mitarbeiter seien zufriedener.

Ja: Geben Sie eine Richtung vor

"Wir stellen sehr kluge Leute ein, um eine Aufgabe zu erfüllen, und wir lassen sie diese Aufgabe erledigen", berichtet Tom Kuczynski, Vizepräsident für IT bei der District of Columbia Water and Sewer Authority. Kuczynski praktiziert seit 32 Jahren dienende Führung, ohne sich jemals dieses Etikett anzuheften. "Wir geben den IT-Mitarbeitenden eine Richtung vor, und wir weisen ihnen den Weg, damit sie so erfolgreich wie möglich sind", sagt er. "Ich muss informiert sein, aber ich muss nicht involviert sein. Ich möchte nicht von irgendetwas überrascht werden. Ich möchte zur Verfügung stehen, wenn Sie Hilfe brauchen."

Ja: Ziehen Sie Menschen zur Verantwortung

Lisa Davis praktiziert seit 20 Jahren dienende Führung in Positionen in der Verwaltung, in der Technologiebranche und jetzt im Gesundheitswesen als CIO von Blue Shield of California. "Ich bin direkt und ehrlich, wenn es darum geht, Menschen zur Verantwortung zu ziehen", sagt Davis. "Das hat natürlich auch mit der Übermittlung von Botschaften zu tun. Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter die Erwartungen verstehen, und ziehen Sie sie für die Erreichung dieser Ergebnisse zur Rechenschaft", fügt sie hinzu. "Die Art und Weise, wie man mit den Leuten umgeht, schafft Ergebnisse."

Nein: Machen Sie sich rar

Auch wenn Mitarbeiter sehr fähig sind, brauchen sie gelegentlich Rat und Unterstützung. Davis fügt hinzu, dass es entscheidend ist, für die Mitarbeiter verfügbar und ansprechbar zu sein. "Sie müssen nicht darauf warten, wöchentlich ein persönliches Gespräch mit mir zu führen. Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben oder Hilfe brauchen, schicken Sie mir einfach eine SMS", sagt sie.

Nein: Das Gefühl, die Kontrolle abzugeben

Eine dienende Führungskraft zu sein, bedeutet nicht, die Kontrolle aufzugeben oder "die Leute tun zu lassen, was sie wollen", erläutert Dotlich. "Ich glaube auch nicht, dass es bedeutet, alles zu tun, worum einen die Mitarbeitenden bitten, so wie wir normalerweise 'dienen' interpretieren." Vielmehr gehe es darum, die Leistung, die Ziele, die Errungenschaften und die Bestrebungen der Menschen zu fördern. Auf diese Weise dienen Sie dem Ziel, was sie sein oder was sie erreichen wollen.

Nein: Empathie predigen statt praktizieren

In Zeiten hohen Drucks "wollen wir als Führungskräfte immer weiter nach vorne drängen, aber das ist genau das Falsche", sagt Reis. "Manchmal ist es einfach besser, sich eine Minute Zeit zu nehmen, sich neu zu orientieren und erst dann wieder aktiv zu werden." Führungskräfte können Reis zufolge mit ihrem Feedback auch Empathie zeigen. Zwar wäre es einfach, eine Liste von Beschwerden entgegenzunehmen und sich zu verteidigen. "Aber die Empathie besteht darin, zu verstehen, dass die angesprochenen Probleme Teil des aufrichtigen Wunsches der Teamkollegen sind, die Dinge zu verbessern. Man muss sich in die Frustration einfühlen und aktiv zuhören."

Ja: Definieren Sie dienende Führung für Ihre Organisation

"Es ist für jede Organisation wichtig, den Begriff der dienenden Führung so zu definieren, dass er in ihrem eigenen System funktioniert, dass die Menschen ihn verstehen und dass er nicht irreführend ist", sagt Dotlich. Servant Leadership sei nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Philosophie, um ein Umfeld zu schaffen. IT-Führungskräfte, die den Ansatz der dienenden Führung verfolgen, erwarten, dass sich diese Verhaltensweisen auf das gesamte Unternehmen auswirken und zu mehr Transparenz, Vertrauen, Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung führen.

"Es wird ein glücklicherer Ort sein", sagt Reis, "und zwar nicht, weil die Arbeit leichter wird oder es weniger Arbeit gibt. Die Aufgaben stiften mehr Sinn und Verpflichtung bei den Mitarbeitenden, was die Verbindung zu den Zielen stark und klar macht."

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation cio.com

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