Hitzefrei am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Arbeitnehmer

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Welche Rechte haben Arbeitnehmer beziehungsweise welche Pflichten haben Arbeitgeber zu erfüllen, um allen Arbeitsschutzbedingungen nachzukommen? Diesen Fragen geht Rechtsanwalt Arnd Lackner nach.

In den Sommerwochen wünschen wir alle uns hohe Temperaturen. Teilweise sind sind sie aber selbst hierzulande nicht mehr angenehm. So wurde im Jahr 2015 eine neue Höchsttemperatur in Deutschland gemessen: Rund 40,3 Grad erreichte das Thermometer in Kitzingen. Dieses Jahr könnte der Rekord geknackt werden. Meteorologen warnen vor einer "Sahara-Keule": An vielen Orten in Deutschland steigen die Temperaturen derzeit auf 35 Grad und höher. Nach Angaben des Nachrichtensenders ntv stehen die Chancen derzeit bei 50 zu 50, dass es heißer wird als 2015. Am schlimmsten ist es aktuell in Nord-Rheinwestfalen und aufgrund der lokalen klimatischen Bedingungen in vielen Städten. Dort sinken die Temperaturen auch nachts kaum noch unter 25 Grad.

Bei diesen hohen Temperaturen kann es im Büro oder anderen Arbeitsstätten ziemlich warm und unangenehm werden. Dabei stellt sich die Frage: Welche Rechte haben Arbeitnehmer beziehungsweise welche Pflichten haben Arbeitgeber zu erfüllen, um allen Arbeitsschutzbedingungen nachzukommen?

1.) Die Technische Regel für Arbeitsstätten

Diese Arbeitsschutzbedingungen sind in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geregelt. Der Arbeitgeber hat am klassischen Büroplatz für erträgliche Temperaturen im Sommer, so wie auch im Winter, zu sorgen. Orientieren kann man sich hierbei an der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR), deren Regelungen ab einer Innenraumtemperatur von 26 Grad greifen.

In diesem Fall sind Maßnahmen zu ergreifen, wie ein Sonnenschutz, ohne dabei jedoch das Eindringen von Tageslicht zu verhindern. Empfohlen werden in der ASR auch Vordächer, Balkone, feststehende Lamellen oder Bepflanzungen, um einen Schutz vor der Sonne zu bieten. Weitere Maßnahmen fallen an, ab einer Lufttemperatur im Raum von mindestens 30 Grad, zu denen zum Beispiel eine Bereitstellung von Getränken und eventuell verkürzte Arbeitszeiten zählen. Bei einer Innenraumlufttemperatur von mindestens 35 Grad müssen je nach Arbeitsplatz Hitzeschutzkleidung und Luftduschen vorhanden sein, um den Arbeitnehmer ausreichend zu schützen.

2.) Bedeutung für den Arbeitnehmer

Auch wenn sich vielleicht viele Arbeitnehmer das bekannte "Hitzefrei" aus ihrer Schulzeit zurückwünschen, gibt es keinerlei gesetzliche Richtlinien für "Hitzefrei". Lediglich die durch den Arbeitgeber zu treffenden Schutzmaßnahmen sind, wie oben beschrieben, per Gesetz geregelt. Interessant ist in diesem Fall, ist die Rolle des Betriebsrates, der nach § 87 Abs. 1 Nr.7 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) ein Mitbestimmungsrecht über die Regelung des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz hat.

Eine Ausnahme gibt es jedoch: Der Arbeitgeber muss die gesundheitlichen Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen. Dies gilt insbesonders für Schwangere, stillende Mütter und Mitarbeiter mit gesundheitlichen Problemen. Hierfür benötigen die Arbeitnehmer jedoch ein ärztliches Attest, das die Einhaltung einer bestimmten Temperatur verlangt. Kann der Arbeitgeber dies nicht gewährleisten, muss er den betroffenen Mitarbeiter bzw. die betroffene Mitarbeiterin freistellen.

Dieses Gesetz bietet Arbeitnehmern also ein direktes Mittel zum Eingreifen bei sehr hohen Temperaturen. Weiterhin kann durch Verhandlungen ein Abkommen geschlossen werden, dass Arbeitnehmern erlaubt eine andere Kleiderordnung (zum Beispiel: keine Krawatte) an besonders heißen Tagen festzulegen. Eine weitere Lösung wäre die Möglichkeit der Verlegung der Arbeitszeit in die frühen Morgenstunden, beziehungsweise in die späteren Abendstunden, verbunden mit einer längeren Mittagspause an einem schattigen Ort.

3.) Bedeutung für den Arbeitgeber

Im Sommer gibt es viele Dinge, die aus Sicht der Arbeitgeber beachtet werden müssen. Zunächst muss bei einer Temperatur ab 26 Grad ausreichend Sonnenschutz für Arbeitnehmer ohne dabei zu viel des natürlichen Tageslichts zu nehmen. Zur Kühlung des Raumes wäre eine Klimaanlage optimal, soweit von den Arbeitnehmern gewünscht.

Ab den bereits oben genannten Temperaturen, sollte der Arbeitnehmer kostenlose Getränke zur Verfügung stellen, was vor allem an Arbeitsstätten, die der Sonne ausgeliefert sind, wie Baustellen, ein wichtige Rolle spielt. Auch Absprachen mit dem Betriebsrat sind wichtig, um Streitigkeiten im Hitzefall präventiv zu verhindern, damit auch bei Hitze alles reibungslos ablaufen kann.

4.) Tipps gegen die Hitze

Was aber kann man machen, um sich darüber hinaus vor der Hitze zu schützen? Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt auf Twitter:

  1. Viel trinken! - kein Alkohol!

  2. Schatten

  3. Ist es in der Wohnung nicht auszuhalten: Alle Fenster auf und Ventilatoren an! ("Durchzug" ist nicht schädlich, das glauben nur Deutsche)

  4. keinen Sport am späten Nachmittag (Max Temperatur gegen 18 Uhr)

Ergänzend empfiehlt Wetter-Experte Jörg Kachelmann:

  • Klimaanlange einschalten

  • Ventilator kaufen und einschalten

  • Fenster öffnen! Es sei dunkelster Aberglaube, dass man Fenster schließen solle, wenn es draußen wärmer wird.

Fazit

Hitzefrei für Arbeitnehmer gibt es nicht, aber es gibt eine Reihe an Mitteln, die helfen können die Hitze ein wenig erträglicher zu machen, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zusammenarbeiten.

Arnd Lackner ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht und Mitglied der Deutschen Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V., www.mittelstands-anwaelte.de

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